Fataler Zeitverzug Warum kommt der Impfstoff erst so spät nach Deutschland?

Während der Impfstoff von Biontech und Pfizer in Ländern wie Großbritannien und den USA bereits eingesetzt wird, wartet Deutschland immer noch auf die Zulassung - obwohl der Wirkstoff hierzulande entwickelt wurde. Was läuft schief?
Wertvolle Ladung: Abfertigung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer in einem Logistikzentrum des US-Konzerns im Staat Michigan

Wertvolle Ladung: Abfertigung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer in einem Logistikzentrum des US-Konzerns im Staat Michigan

Foto: Morry Gash / AP

Die Situation kann verwundern: Der Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus von Biontech und Pfizer, der also auch in Deutschland entwickelt wurde, wird in Großbritannien sowie jetzt auch in den USA und anderen Ländern bereits verabreicht - aber in der EU und damit auch in Deutschland noch immer nicht. Äußerungen von Verantwortlichen zufolge ist mit einer Zulassung auf europäischer Ebene vielmehr erst Ende Dezemeber zu rechnen - und das, während weiterhin täglich Menschen an Corona-Infektionen sterben. Mahlen die Zulassungsmühlen der EU etwa zu langsam?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) zufolge geht es bei dem Thema auch um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union. Das sagte Spahn am Sonntag nach Teilnehmerangaben in der Telefonkonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) mit den Ministerpräsidenten zu den harten Kontaktbeschränkungen über Weihnachten und den Jahreswechsel. Bund und Länder seien vom 15. Dezember an in der Fläche einsatzbereit zum Impfen.

Zudem stünden erste Impfdosen zur Auslieferung bereit und könnten direkt nach der Zulassung verimpft werden, sagte Spahn nach diesen Angaben. Er wurde mit den Worten zitiert: "Jeder Tag, den wir früher beginnen können, mindert Leid." Die EU habe die Impfstoffentwicklung erfolgreich vorangetrieben und gemeinsam Impfdosen gesichert. Nun lägen alle nötigen Daten vor, Großbritannien und die USA hätten bereits Zulassungen erteilt. Auch in Deutschland wäre man "in einem nationalen Verfahren ohne Zweifel sehr schnell", sagte Spahn demnach.

Hinzu kommt, dass zunächst offenbar nur geringe Mengen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer für Deutschland zur Verfügung stehen. Bis Ende kommenden Monats soll Deutschland nach jetzigem Stand lediglich bis zu vier Millionen Impfdosen der beiden Unternehmen erhalten, berichtet der SPIEGEL . Grund sollen demnach Produktionsprobleme gewesen sein.

Das Mittel des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer hat als erster Corona-Impfstoff eine Notfallzulassung in den USA bekommen. Der Impfstoff könne nun bei Menschen ab 16 Jahren eingesetzt werden, teilte die US-Arzneimittelbehörde FDA mit. Auch das zuständige Komitee der Gesundheitsbehörde CDC stimmte dafür, die Impfung zu empfehlen.

cr/dpa-afx