Nachfolger für Neun-Euro-Ticket Verkehrsminister einigen sich auf 49-Euro-Ticket

Ein Nachfolger für das beliebte Neun-Euro-Ticket ist in Sicht: Die Verkehrsminister haben sich auf ein bundesweites 49-Euro-Monatsticket für Busse und Bahnen geeinigt. Anfang 2023 soll es kommen. Jetzt ist nur noch die Finanzierung offen.
Sind sich einig: Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer

Sind sich einig: Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer

Foto: Sina Schuldt / dpa

Ein bundesweites 49-Euro-Monatsticket für Busse und Bahnen ab Anfang 2023 ist in Sicht: Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben sich auf einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets geeinigt. "Die Verkehrsministerkonferenz hat sich darauf verständigt, das Ticket zu 49 Euro einzuführen", sagte Verkehrsminister Volker Wissing (52) am Donnerstag in Bremerhaven nach zweitägigen Beratungen. Der FDP-Politiker kündigte ein monatliches und papierloses ÖPNV-Ticket an, das deutschlandweit genutzt und monatlich gekündigt werden kann. Einen großen Haken gibt es aber noch: Es steht noch unter dem Vorbehalt, dass sich Kanzler Olaf Scholz (64, SPD) und die Ministerpräsidenten über die generelle Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Zeiten steigender Energiekosten verständigen. Vorbereitungen für das neue Ticket mit angepeiltem Start am 1. Januar sollen schon anlaufen.

"Auch wenn die Verhandlungen aufwendig waren, gehen wir mit einem klaren Ergebnis raus", sagte Wissing. Dennoch bleiben die Fragen zur Finanzierung des Tickets ungeklärt. Dies sei ohne die Finanzminister und Ministerpräsidenten der Länder nicht möglich gewesen, so Wissing. Trotzdem solle das Ticket schnellstmöglich kommen. Das Ziel zur Einführung sei der 1. Januar 2023. "Das wäre ein idealer Zeitpunkt."

Ministerpräsidenten am Zug

Die Länder sind bereit zur Kofinanzierung eines 49-Euro-Tickets im Nahverkehr als Nachfolger des 9-Euro-Tickets. Das sagte Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) als Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag in Bremerhaven. Die Länder wollen aber weiterhin generell mehr Geld vom Bund zur Finanzierung des Nahverkehrs, dabei geht es um sogenannte Regionalisierungsmittel. Das schönste Ticket nütze nichts, wenn kein Bus fahre.

Die Minister haben sich nach Worten der Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz darauf geeinigt, dass der Bund ab 2023 1,5 Milliarden jährlich zur Verfügung stellt. Die Länder sind unter Bedingungen zur Finanzierung in gleicher Höhe bereit. Jetzt liege der Ball im Spielfeld der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK). "Wir brauchen von der MPK auch das Signal, dass die Regionalisierungsmittel kommen", sagte Schaefer. Damit ist unter anderem ein Finanzierungsplan des Bundes zum Ausbau des ÖPNV gemeint.

Hohe Energiekosten gefährden ÖPNV-Betrieb

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) begrüßte den Vorschlag, drängte jedoch auf die Klärung der Finanzierungsfragen. "Wir laufen Gefahr, dass wir massiv und flächendeckend Angebote im ÖPNV einstellen müssen, weil sie wegen der Kostensteigerungen nicht mehr finanzierbar sind", sagte VDV-Chef Oliver Wolff. "Deshalb müssen die entsprechenden politischen Beschlüsse nun sehr schnell gefasst werden."

Bayern hat die Einführung des Tickets bereits an Forderungen festgemacht. Zusätzliche Regionalisierungsmittel von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ab 2022 und die Übernahme der gestiegenen Energiekosten seien ein Muss für alle Länder, sagte der bayerische Verkehrsminister der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. "Das ist die Bedingung, ohne die ein 49-Euro-Ticket nicht kommen wird", so Christian Bernreiter.

In der kommenden Woche stehen Beratungen der 16 Ministerpräsidenten an, Bundeskanzler Scholz wird dort zunächst nicht erwartet.

dri/Reuters, dpa
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