Heiner Thorborg

Verdi-Streiks Erst streiken, dann reden - Verdis neues Erfolgsrezept

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Von Heiner Thorborg
Fast 5 Prozent Lohnplus im öffentlichen Dienst: Wer unverhältnismäßige Aktionen wie die sogenannten "Warnstreiks" von Verdi auch noch belohnt, muss sich über Wiederholungstäter nicht wundern.
Frank Bsirske: Mit wenig Aufwand das Land lahmgelegt, ohne Not und zum Nachteil der Steuerzahler. Trotzdem hat sich Verdi mit wesentlichen Forderungen durchgesetzt

Frank Bsirske: Mit wenig Aufwand das Land lahmgelegt, ohne Not und zum Nachteil der Steuerzahler. Trotzdem hat sich Verdi mit wesentlichen Forderungen durchgesetzt

Foto: Arne Dedert/ dpa

Leider haben die sogenannten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi Wirkung gezeigt: die Arbeitsniederlegungen der vergangenen Woche, die zu massiven Flugausfällen geführt haben, wurden nun auch noch belohnt. Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich auf eine Tariferhöhung um insgesamt 4,75 Prozent.

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Foto: Manuel Fischer

Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Das ist das falsche Signal. Noch mitten in den Verhandlungen setzte Verdi-Chef Frank Bsirske auf die Streikstrategie, bereits vor einer Urabstimmung die Flughäfen und zahlreiche weitere öffentliche Einrichtungen massiv zu bestreiken. Hunderte Flüge fielen aus und so entstand eine Aktion, die sich zwar formal gegen die öffentliche Hand als Tarifverhandlungspartner richtete, im Wesentlichen aber die Fluggesellschaften traf - und die Reisenden.

Ein Streik, der schon im Vorfeld der Gespräche Millionenschäden verursacht, kann nicht mehr als "Warnung" verstanden werden, denn die Blockierung des Flugverkehrs passierte ja schon, bevor überhaupt gründlich verhandelt worden war.

Mit wenig Aufwand legte Bsirske so das Land lahm, völlig ohne Not und zum Nachteil der Steuerbürger. Die Arbeitnehmer der öffentlichen Hand werden nämlich aus Steuereinnahmen bezahlt - und die werden unter anderem von den Leuten verdient, denen Verdi mit ihrer verfrühten und unmotivierten Bestreikung des Flugverkehrs das Arbeiten erschwert.

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Ich bin der Meinung, hier ist der Gesetzgeber gefragt: Unverhältnismäßige, noch vor der Urabstimmung ausgerufene und wie aus der Luft gegriffene Streiks, die wesentliche Teile der Infrastruktur der Bundesrepublik lahmlegen, sollten schlicht untersagt werden.

Das Innenministerium ist ohnehin schon sauer. "Für die Bestreikung ausgerechnet von wichtigen Flughäfen und Berliner Kliniken gibt es keinen vernünftigen Grund", sagte Thomas de Maizière. Man sollte doch bitte erst mal reden, ohne gleich zu streiken. Doch anstatt Aktionen künftig einen Riegel vorzuschieben, die das Land zum Stillstand bringen, hat de Maizière nun zugelassen, dass sich Verdi trotz ihrer Eigenmächtigkeit mit wesentlichen Forderungen durchsetzte.

Das wird zum Fluch der guten Tat - nämlich eine Einladung an andere Organisationen, in künftigen Tarifverhandlungen ebenfalls wichtige Infrastruktur anzugreifen und früh, schnell und gründlich zu blockieren.

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Den einzelnen Arbeitnehmern kann man dabei übrigens keinen Vorwurf machen, die tun im Wesentlichen, was ihre Gewerkschaftsführer ihnen empfehlen. Deren Verhalten erinnert jedoch zunehmend an das der schlimmsten Industriebosse. Die Machtdemonstration der Arbeitnehmerchefs in der vergangenen Woche riecht genauso nach Eitelkeit, Arroganz und Eigeninteresse wie das Benehmen vieler ego-eskalierter Topmanager. Auch für Gewerkschaftsbosse gilt die uralte Weisheit: Pass auf, mit wem du dich anlegst, denn am Ende wirst du deinen Feinden immer ähnlicher.

Heiner Thorborg ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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