Dienstag, 16. Juli 2019

"Keine tragfähige Grundlage für weitere Arbeit" Finanzchefin der Agentur für Arbeit abberufen

Valerie Holsboer (Archivaufnahme)
Daniel Karmann
Valerie Holsboer (Archivaufnahme)

Valerie Holsboer, Spitzenmanagerin der Bundesagentur für Arbeit (BA), muss vorzeitig ihre Vorstandsposition räumen. Eine Mehrheit des BA-Verwaltungsrats habe am Freitag ihre Abberufung beschlossen, berichteten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters aus Kreisen des Aufsichtsgremiums.

Die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Annelie Buntenbach, habe die Entlassung der 42 Jahre alten obersten Finanz- und Personalchefin damit begründet, dass angesichts des "zerrütteten Vertrauens" der Arbeitgeberseite "keine tragfähige Grundlage für die weitere Arbeit des Vorstandes mehr gegeben" sei.

Holsboer hatte ihren Posten erst vor gut zwei Jahren übernommen. Ihre Abberufung muss von der Bundesregierung noch bestätigt werden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren Teile des BA-Aufsichtsgremiums mit der Arbeit Holsboers unzufrieden. Sie habe beim erforderlichen personellen Umbau der Bundesagentur nicht das erforderlich Tempo an den Tag gelegt. Unterstützer Holsboers bezweifeln dies. Hintergrund der Abberufung der Volljuristin und früheren Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Systemgastronomie seien Vorbehalte einiger gegenüber dem "frischen Wind", den sie in die Bundesagentur gebracht habe.

Anfang Juli hatte Holsboer in einer Buchempfehlung für manager-magazin.de über den Einfluss von "Opportunismus, Bequemlichkeit, Machtstreben [...] und vor allem [...] dem so giftigen Neid" auf das Handeln von Menschen philosophiert.

Im dreiköpfigen Vorstand unter BA-Chef Detlef Scheele ist Holsboer bisher verantwortlich für rund 100.000 Mitarbeiter der Behörde und einen Etat von rund 35 Milliarden Euro. Dank seit Jahren rückläufiger Arbeitslosenzahlen und steigender Beschäftigung verbucht die Behöre Überschüsse in Milliardenhöhe. In diesem Jahr wurde der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gesenkt.

luk / dpa / reuters

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