Montag, 22. April 2019

Utz-Hellmuth Felcht macht den Weg frei Deutsche-Bahn-Aufsichtsratschef geht Ende März

Utz-Hellmuth Felcht, Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, will sein Amt "nach reiflicher Überlegung" Ende März niederlegen. Er war wegen des Streits um die Vorstandsämter in die Kritik geraten.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, hat für Ende März seinen Rücktritt angekündigt. Das teilte das Unternehmen nun offiziell mit. Das manager magazin hatte bereits in der am 17. November erschienenen Ausgabe über die anstehende Personalie berichtet. Die schwierige Suche nach Spitzenpersonal hatte auch zu Kritik an Felcht geführt. Sie wurde zusätzlich erschwert durch den Regierungswechsel. Noch ist nicht klar, wer den Bund als Eigentümer der Bahn künftig im Aufsichtsrat vertreten wird.

Felcht war von anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums für die missglückte Vertragsverlängerung des früheren Bahnchefs Rüdiger Grube verantwortlich gemacht worden. Anonym warfen sie dem früheren Chemiemanager vor, die damalige Aufsichtsratssitzung schlecht vorbereitet und dann nicht im Griff gehabt zu haben.

Felcht hat sich laut Bahn "nach reiflicher Überlegung (...) zu diesem Schritt entschieden". "Auf diesem Wege möchte ich dem Eigentümer ausreichend Zeit lassen, eine Nachfolgeregelung zu beschließen", wurde der 70-Jährige zitiert. "Zugleich möchte ich eine ordnungsgemäße Überleitung meiner Aufgaben auf meinen Nachfolger sicherstellen", hieß es. Insbesondere wolle er gewährleisten, dass alle in dieser Zeit noch anstehenden Beschlüsse und Entscheidungen ohne Zeitverzug ordnungsgemäß behandelt werden könnten.

Seit 2010 auf Vorschlag Ramsauers im Amt

Der Vorstand der Deutschen Bahn war erst vor zwei Wochen wieder komplettiert worden - nach knapp acht Monaten. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte zwei freie Posten neu besetzt. Das Ressort Güterverkehr und Logistik wird künftig vom bisherigen Deutschland-Chef der Bank Barclays Börsen-Chart zeigen, Alexander Doll, geleitet. Vorstand für Digitalisierung und Technik wird die Maschinenbau-Professorin Sabina Jeschke.

Es war der dritte Anlauf, den Vorstand des Staatskonzerns um seinen Vorsitzenden Richard Lutz zu vervollständigen. Eigentlich sollte der Chef der Güterbahn-Tochter DB Cargo, Jürgen Wilder, in den Konzernvorstand aufrücken und das Ressort Güterverkehr und Logistik übernehmen. Er scheiterte aber am Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.

Die schwierige Suche nach Spitzenpersonal hatte auch zu Kritik an Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht geführt. Der scheidende Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) räumte Bahn-Chef Lutz weitgehende Mitspracherechte bei der Vorstandsbesetzung ein. Laut Satzung wäre Felcht für die Kandidatenauswahl verantwortlich gewesen.

Felcht war 2010 vom Bundeskabinett als Aufsichtsratschef der Bahn bestätigt worden. Der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte ihn als Nachfolger von Werner Müller vorgeschlagen. Bis 2006 stand Felcht an der Spitze des Spezialchemie-Herstellers Degussa Börsen-Chart zeigen.

apr/dpa-AFX/AFP/mh

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