Donnerstag, 22. August 2019

Forderungen nach höherer Besteuerung Front gegen SUV in Deutschland wächst

Luxus-SUV: Die Geländegänger der Edelmarken
BMW

Angesichts des anhaltenden SUV-Booms hat das Umweltbundesamt dafür plädiert, für mehr Klimaschutz Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß zu verteuern. "Wir müssen Maßnahmen finden, um klimafreundliche Mobilität zu fördern", sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Vorschlag des Umweltbundesamtes sei ein aufkommensneutrales Bonus-Malus-System für Neufahrzeuge. Der Malus würde bei Fahrzeugen mit hohem CO2-Emissionen durch eine über mehrere Jahre erhöhte Kfz-Steuer erhoben. Der Bonus würde durch eine gezielte Förderung beim Neukauf eines CO2-verbrauchsarmen Autos ausgezahlt.

Ein kurzfristiger Anreiz könne auch sein, die Energiesteuern von Diesel und Benzin anzugleichen, so Krautzberger. Seit Jahren sei Diesel mit 18,4 Cent pro Liter subventioniert. "Auch das hat dazu beigetragen, dass große und schwere Autos zunehmend mit Dieselmotoren ausgestattet werden - der Effizienzvorteil des Diesel besteht damit nur noch auf dem Papier. Vom Diesel als Klimaschützer kann daher auch keine Rede mehr sein."

Im Juli hatte das Segment der sportlichen Geländewagen (SUV) erneut stark zugelegt. Die Zahl der Neuzulassungen erhöhte sich laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) um mehr als 15 Prozent gemessen am Vorjahresmonat - der Pkw-Gesamtmarkt wuchs um knapp 5 Prozent. Die Zahl der Geländewagen stieg um 19,4 Prozent - die Kompaktklasse dagegen verlor 1,6 Prozent.

Nach einer Erhebung des Branchenexperten Dudenhöffer hatten SUV in den ersten sechs Monaten bei den Neuzulassungen einen Marktanteil von 31,4 Prozent. Erstmals dürften in diesem Jahr in Deutschland mehr als eine Millionen SUV neu zugelassen werden, prognostiziert der Chef des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen. Die einst führende sogenannte Fließheck-Limousine kam im ersten Halbjahr auf 28,1 Marktanteil.

Das KBA unterscheidet zwischen den Segmenten SUV und Geländewagen, dies hat mit optischen und technischen Merkmalen zu tun. Die Hersteller vermarkten die Fahrzeuge aber meistens als SUV. Für sie sind SUVs ein lohnendes Geschäft, weil ihr Verkauf mehr Rendite abwirft als der von Klein- und Kompaktwagen.

In der Debatte um mehr Klimaschutz muss aber vor allem der Verkehrsbereich liefern, damit Deutschland die Klimaziele erreicht. Am 20. September will das Klimakabinett der Bundesregierung über ein Gesamtpaket entscheiden.

Dabei geht es auch um eine mögliche Bepreisung des CO2-Ausstoßes. Damit würden Sprit, Heizöl und Erdgas teurer, um im Verkehrs- und Gebäudebereich das Einsparen von Kohlendioxid (CO2) zu fördern. Bürger sollen im Gegenzug entlastet werden. Im Gespräch ist auch eine Reform der Kfz-Steuer, die sich künftig mehr am CO2-Ausstoß orientieren könnte.

Grüne kritisieren Modellpolitik der Autohersteller

"Über einen SUV-Boom darf man sich nicht wundern, wenn die Autoindustrie ein Modell nach dem anderen in die Verkaufsräume bringt", sagte der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn der deutschen Presseagentur. "Autohersteller, die ihr Portfolio auf solche Klimakiller ausrichten, torpedieren den Klimaschutz." Der Verkehrsbereich sei das klimapolitische Sorgenkind, was auch an den vielen SUVs und Geländewagen auf den Straßen liege. "Das Klimakabinett muss Spritschlucker stärker in die klimapolitische Verantwortung nehmen", sagte Kühn. Er sprach sich wie das Bundesumweltamt für ein Bonus-Malus-System in der Kfz-Steuer aus, damit verbrauchsstarke SUVs und Geländewagen für ihre "Umweltschäden" geradestehen.

In diese Richtung denkt auch die SPD: Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, würde Neuwagenkäufer stärker zur Kasse bitten, wenn sie sich künftig für einen Diesel oder einen Benziner statt eines Elektroautos entscheiden. "Wenn jemand das Geld hat, sich ein neues Auto zu kaufen, und unbedingt einen PS-starken Verbrenner will, obwohl umweltfreundlichere Elektroautos zur Verfügung stehen, dann muss er dafür einen Preis bezahlen", sagte Miersch dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Dienstag). "Klimaschädliches Verhalten hat einen Preis, und warum sollten wir den als Gesellschaft nicht auch einfordern?"

Auch SPD würde Käufer von Verbrennungsmotoren stärker zur Kasse bitten

Insbesondere auch vor dem klimapolitischen Hintergrund polarisierten die SUV die Bevölkerung, ist Branchenexperten Dudenhöffer überzeugt. Dabei verbrauchten SUV im Schnitt gar nicht so viel mehr Sprit als andere Wagenklassen, wie seine Studie zeigt. Gleichwohl bricht Dudenhöffer mit einem bemerkenswerten Vorschlag ein Tabu: "In Deutschland könnte es Sinn machen, diese Modelle nicht anzubieten. Es wäre eine Möglichkeit, um mehr Glaubwürdigkeit in der Klimadebatte zu erzielen".

Im Blick hat er dabei insbesondere die sogenannten "Monster"-SUV wie BMW X7, Audi Q8, Range Rover Sport oder Mercedes GLS. Sie seien für die Autobauer mit Risiken verbunden. Diese Riesen-SUV könnten "mehr Markenwert zerstören als auf der Einnahmeseite in Euro in die Klasse fließen", warnt Dudenhöffer.

Seinen Berechnungen zufolge stießen neu zugelassene SUV in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Durchschnitt 144,1 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Dies entspreche einem Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern Sprit auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: alle Pkw-Neuwagen zusammen seien auf einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 133,4 Gramm pro Kilometer gekommen - bei einem Verbrauch von 5,6 Litern.

rei mit dpa

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