Umfrage im Lockdown Große Einzelhandelsfirmen schlagen Alarm

Nach Wochen des Lockdowns sehen sich auch große Einzelhandelsfirmen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Einer Umfrage zufolge bangt mehr als die Hälfte der Firmen um ihre Existenz, drei Viertel erwägen Ladenschließungen.
Einkaufszentrum Hamburger Meile: Viele Einzelhändler in Zentren fürchten um ihre Existenz

Einkaufszentrum Hamburger Meile: Viele Einzelhändler in Zentren fürchten um ihre Existenz

Foto: ECE, Hamburger Meile, Hamburg

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise in Deutschland und zehn Wochen nach Beginn des zweiten Shutdowns und der vorübergehenden Schließung vieler Geschäfte, ist bei vielen großen Einzelhandelsfirmen offenbar die Schmerzgrenze erreicht. Das zeigt eine Befragung, die der Einzelhandelsvermieter ECE unter den Nutzern seiner Immobilien gemacht hat.

ECE betreibt mehr als 100 Shoppingcenter in Deutschland. Zu den Unternehmen, die die Flächen nutzen, gehören Kleinfirmen, aber auch bundesweit aktive Ketten wie Peek & Cloppenburg, Galeria Karstadt Kaufhof oder der Schuhverkäufer Deichmann.

An der nicht repräsentativen Umfrage, die manager magazin vorliegt, haben laut ECE 91 Unternehmen teilgenommen, vornehmlich aus den Branchen Modehandel sowie Lebensmittel/Drogerie und Gastronomie. Mehr als die Hälfte der Unternehmen beschäftigt mehr als 250 Mitarbeiter, etwa ein Drittel sogar mehr als 1000 Mitarbeiter. 78 Prozent der Umfrageteilnehmer kommen auf einen Jahresumsatz von mehr als fünf Millionen Euro.

Jedenfalls in gewöhnlichen Zeiten. Die Corona-Krise schlägt - wenig überraschend - auch bei den Großunternehmen empfindlich ins Kontor. So landeten 90 Prozent der Umfrageteilnehmer 2020 in den roten Zahlen. Ein Viertel verlor sogar mehr als drei normale Jahresüberschüsse.

Mit staatlichen Hilfen konnten das nur die Wenigsten ausgleichen. Viele Unternehmen erhielten bislang lediglich Abschlagszahlungen auf beantragte Gelder. Drei Viertel der Firmen bekamen nicht einmal das: Sie haben nach eigenen Angaben noch gar kein Geld vom Staat gesehen, zum Großteil, weil sie aufgrund ihrer Größe nicht förderberechtigt waren. Wer bereits Geld von der öffentlichen Hand bekommen hat, so das Ergebnis der ECE-Befragung, bekam im Schnitt lediglich 27 Prozent seiner Verluste ersetzt.

Die Folge klingt alarmierend: Laut Umfrage sehen sich mehr als die Hälfte der Befragten durch den anhaltenden Lockdown bereits in ihrer Existenz bedroht. Drei Viertel der Einzelhandelsfirmen, die an der Befragung teilgenommen haben, erwägen, Läden dauerhaft zu schließen. Insgesamt 1300 Geschäfte im ECE-Bestand, so das Umfrageergebnis, sind demnach gegenwärtig von der Schließung bedroht.

Hochrechnen auf die gesamte Branche lässt sich das Ergebnis der Umfrage nicht, zudem ist bei der Interpretation zu bedenken, dass ECE und die befragten Händler ein Interesse an einem baldigen Ende des Lockdowns und an weiteren Hilfen haben. Dennoch zeigt die Umfrage, wie stark sich viele Unternehmen derzeit von der Krise getroffen fühlen.

cr
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