Dienstag, 23. Juli 2019

TV-Duell Merkel und Steinbrück gleichauf

Internet-Star: Merkels Halskette hatte in kürzester Zeit mehr als 5000 Follower bei Twitter

Das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück hat keinen klaren Sieger. Für Aufmerksamkeit sorgte die Halskette der Kanzlerin.

Berlin - Blitzumfragen ergaben unmittelbar nach dem Ende des 90-minütigen TV-Duells unterschiedliche Trends. Während die ARD Steinbrück als Sieger ermittelte, sahen die für ZDF und RTL befragten Zuschauer die Kanzlerin als Gewinnerin.

Merkel sprach sich während des Duells für die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition aus, während Steinbrück eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausschloss. Die Moderatorinnen Anne Will und Maybrit Illner und ihre Kollegen Peter Kloeppel und Stefan Raab befragten die Kontrahenten unter anderem zu den Themen Steuern, Europa und Energie sowie zur Krise in Syrien.

Merkel und Steinbrück gaben sich wenig aggressiv und bemühten sich weitgehend um Sachlichkeit. Merkel, gekleidet in einem schwarzen Blazer und mit schwarz-rot-goldener Kette, wirkte ruhig und ließ sich von Vorwürfen ihres Herausforderers nicht aus der Deckung locken. Sie verwies auf die konjunkturelle Lage Deutschlands mit einer geringen Arbeitslosigkeit und einer wieder anspringenden Konjunktur. Steinbrück, mit blau-weiß-gestreifter Krawatte, versuchte vor allem beim Thema soziale Gerechtigkeit zu punkten.

Merkels Halskette sorgte bei den Fernsehzuschauern für Aufsehen: Bereits während des Duells entwickelte das Accessoire ein Eigenleben im Kurznachrichtendienst Twitter.

Zur Frage, wie die Staatengemeinschaft mit dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien umgehen solle, sagte Merkel, sie hoffe nach wie vor auf eine einheitliche Haltung des UN-Sicherheitsrats. Dazu werde sie am Rande des G20-Gipfels in St. Petersburg in der zweiten Wochenhälfte "viele Gespräche" - vor allem mit den Präsidenten Russlands und Chinas führen. "Es muss ein politischer Prozess in Gang kommen." Eine kollektive Antwort auf den Chemiewaffen-Einsatz sei nötig. "Das ist nicht irgendein kleines Vorkommnis, das ist ein wahnsinniges Verbrechen." Eine Beteiligung deutscher Soldaten an einem Militärschlag lehnte sie ab. Steinbrück bekräftigte, er halte ein militärisches Vorgehen gegen Syrien generell für falsch.

Merkel schließt Pkw-Maut aus

Steinbrück betonte, er wolle ein Deutschland, in dem jeder Mensch von seiner Arbeit leben und in Würde altern könne. Es fehle an gesellschaftlichem Zusammenhalt und an Chancengleichheit im Bildungssystem. Die SPD werde die Steuern erhöhen, aber nicht für alle. Es gehe darum, dass die Stärkeren mehr Verantwortung übernähmen. Es müsse mehr in die Bildung und die Infrastruktur investiert und Schulden abgebaut werden. Zudem müsse es einen flächendeckenden Mindestlohn geben.

Merkel sagte, Deutschland stehe heute für viele Menschen besser da als vor vier Jahren. Steuererhöhungen lehnte sie ab. Wegen der guten Beschäftigung habe der Staat sehr hohe Steuereinnahmen. "Mit denen müssen wir auskommen, und mit denen werden wir auskommen."

Zugleich schloss Merkel für den Fall ihrer Wiederwahl die Einführung einer Pkw-Maut aus. "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben." Sie widersprach damit CSU-Chef Horst Seehofer, der die Einführung einer Straßen-Benutzungsgebühr für ausländische Autofahrer zur Bedingung für eine Beteiligung der CSU an der nächsten Bundesregierung nach der Wahl am 22. September gemacht hatte. "Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, die Autofahrer weiter zu belasten", sagte die Kanzlerin. Steinbrück wies darauf hin, dass die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland aus europarechtlichen Gründen nur für In- und Ausländer möglich sei.

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