Brandbrief der Großwirte Gastronomen fordern Geld "für alle kommenden Zeiten eines Lockdowns"

Der TV-Koch Tim Mälzer sowie die Chefs von großen Restaurantketten wie L'Osteria oder Blockhouse werfen der Politik mit scharfen Worten vor, die versprochenen Rettungsgelder nicht auszuzahlen. Und sie fordern Hilfen auch über den November hinaus.
"Halten Sie Ihr Vesprechen": TV-Koch und Restauranbetreiber Tim Mälzer gehört zu den Unterzeichnern des Schreibens.

"Halten Sie Ihr Vesprechen": TV-Koch und Restauranbetreiber Tim Mälzer gehört zu den Unterzeichnern des Schreibens.

Foto: Markus Scholz/ dpa

Mehrere prominente Vertreter der deutschen Gastronomie haben sich in einem "Brandbrief" an Kanzlerin Angela Merkel (66; CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder gewandt. Die Chefs von 40 Betrieben kritisierten darin, dass bislang von den in Aussicht gestellten Hilfsgeldern während des Teil-Shutdowns im November noch nichts angekommen sei. Kombiniert mit scharfen Vorwürfen fordert sie zudem maximale Unterstützung "auch für alle kommenden Zeiten eines Lockdowns".

Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Mirko Silz (48), Chef der Pizzakette L'Osteria, der Chef der Eugen Block Holding Stephan von Bülow oder Johannes Bühler, der die Burgerkette Hans im Glück führt. Außerdem haben das Schreiben die Chefs von Marché International (Oliver Althaus), Balzac Coffee (Niklas Niebuhr) und der Bäckereikette LeCorbag (Jan Kamp) unterzeichnet, ergänzt durch den TV-Koch und Restaurantbetreiber Tim Mälzer, durch Thomas Mack aus der Eignerfamilie des Europaparks Rust und durch Heinrich Philipp Becker von der Privatbrauerei Gaffel Becker.

Das Schreiben vom 18. November wirft der Regierung eine "behäbigen Umsetzungstaktik" bei Auszahlung der versprochenen Hilfen vor. Man erkenne "eine systematische Verzögerungsstrategie – Hilfen werden versprochen, aber erst nach dem Branchentod ausgeliefert. Das wird dann auch nicht so teuer, aber man hat ja politisch getan, was man als Politiker tun konnte." Diese scharf formulierten Vorwürfe hatten im Vorfeld dazu geführt, dass etwa Patrick Junge, Chef der Burgerkette Peter Pane das Schreiben nicht unterzeichnet hatte – obwohl auch er vor einem Branchensterben warnt. 

Die Bundesregierung hat den Gastronomiebetrieben Zuschüsse zugesagt, die seit Anfang November von den behördlich angeordneten Schließungen im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind. Die Firmen sollen erste Gelder ab Ende des Monats ausgezahlt bekommen. Geschehen soll das nach Angaben der Bundesregierung in Form von Abschlagszahlungen.

Die Gastronomen erwarten allerdings, dass die Einschränkungen für ihr Geschäft verlängert werden dürften. "Aktuelle Entwicklungen lassen vermuten, dass der Lockdown auch über den November hinaus aufrechterhalten werden wird", heißt es in dem "Brandbrief". Es folgt die maximale Rettungsforderung: "Auch für alle kommenden Zeiten eines Lockdowns muss die Gastronomie entschädigt werden."

Die Gastronomie beschäftigt etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland. Der Gesamtumsatz liegt nach Angaben der Großwirte bei rund 80 Milliarden Euro im Jahr. "Alles das steht auf dem Spiel", schreiben sie. "Wir verstehe, dass der Kampf gegen die Pandemie eine Gemeinschaftsaufgabe ist und sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Aber die finanziellen Lasten müssen auch geteilt werden – wir brauchen die zugesagte finanzielle Unterstützung. Jetzt."

lhy/mm