Teure Lebensmittel, teure Energie Familien mit niedrigem Einkommen leiden besonders unter Preisschock

Die aktuell hohen Preissteigerungen sind vor allem für kinderlose Paare mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine hohe Belastung. Der Preisanstieg bei den Nahrungsmitteln und der Haushaltsenergie trifft die Haushalte schwer.
Inflation verteuert Lebensmittel: Familien mit niedrigen oder mittleren Einkommen sind besonders stark betroffen

Inflation verteuert Lebensmittel: Familien mit niedrigen oder mittleren Einkommen sind besonders stark betroffen

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Familien und kinderlose Paare mit niedrigem oder mittlerem Einkommen tragen einer Studie zufolge aktuell die höchste Inflationsbelastung. Die für diese Gruppe ermittelten spezifischen Teuerungsraten lag im Februar bei 5,2 Prozent, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervorgeht. Gut verdienende Singles leiden dagegen am wenigsten unter den Preisschocks: Für sie wurden lediglich 4,4 Prozent ermittelt. Zum Vergleich: Die bundesweit einheitliche Inflationsrate liegt bei 5,1 Prozent.

"Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern, dass Haushalte mit geringeren Einkommen durch den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln überproportional belastet sind und zunehmend auch durch die Verteuerung bei der Haushaltsenergie", schreiben die Studienautoren Silke Tober und Sebastian Dullien. Dieser Trend dürfte sich weiter verschärfen, da Gas, Strom oder Heizöl als Waren des Grundbedarfs bei den Ausgaben ärmerer Haushalte sehr stark ins Gewicht fallen. Der Krieg in der Ukraine hat insbesondere die Gaspreise seit Ende Februar weiter emporschnellen lassen. Dadurch dürfte die Inflationsrate nochmals steigen.

Steigende Preise für Kraftstoffe belasten stark

Bei Familien mit Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen schlagen der Studie zufolge aktuell zudem die weiter steigenden Preise für Kraftstoffe relativ stark zu Buche. Grundsätzlich hätten Haushalte mit niedrigem Einkommen ein besonderes Problem mit starker Teuerung, weil sie vor allem unverzichtbare Alltagsgüter kauften und kaum Spielräume besäßen, ihr Konsumniveau durch Rückgriffe auf Erspartes aufrechtzuerhalten.

Die Studienautoren Tober und Dullien sehen daher die Bundesregierung am Zug. Zwar habe sie durch die Senkung der Ökostrom-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien Anfang des Jahres, deren Abschaffung im Juli sowie die Anhebung der Pendlerpauschale und durch Heizkostenzuschüsse an Geringverdienende einzelne Gegenmaßnahmen ergriffen. "Allerdings ist inzwischen abzusehen, dass diese Entlastungen angesichts des sich abzeichnenden massiven weiteren Energiepreisschubs nicht ausreichend sind, um die Belastungen insbesondere von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen angemessen abzufedern", so die Fachleute des IMK.

Für überlegenswert halten sie eine staatliche Subventionierung für einen Grundsockel des häuslichen Gasverbrauchs. So könnte der Staat etwa für die ersten 8000 Kilowattstunden Gas, die Haushalte beziehen, den Preis auf dem aktuellen Niveau festschreiben und die Versorgungsunternehmen für eigene Mehrkosten entschädigen.

sio/Reuters