Teuerungsrate Gefühlte Inflation liegt bei 14 Prozent

Fragt man die Deutschen nach der Teuerungsrate, schätzen sie diese angesichts des eigenen Konsums auf 14 Prozent. Ein Fünftel der Bevölkerung erwartet in naher Zukunft gar Inflationsraten von bis zu 20 Prozent.
Steigende Ausgaben: Viele Produkte des täglichen Lebens haben sich um weit mehr als die offizielle Inflationsrate von zuletzt 7,3 Prozent verteuert. Das merken die Verbraucher nicht nur an der Tankstelle, sondern auch im Supermarkt.

Steigende Ausgaben: Viele Produkte des täglichen Lebens haben sich um weit mehr als die offizielle Inflationsrate von zuletzt 7,3 Prozent verteuert. Das merken die Verbraucher nicht nur an der Tankstelle, sondern auch im Supermarkt.

Foto: IMAGO/Martin Wagner

Die Preise steigen in der Wahrnehmung der deutschen Verbraucher fast doppelt so stark wie offiziell ausgewiesen. Die Inflationsrate ihrer regelmäßig erworbenen Güter schätzen die Deutschen auf durchschnittlich 14,0 Prozent, geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Ipsos von mehr als 1000 Teilnehmern für die ING-Bank hervorgeht. Diese lag der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vor. Die vom Statistischen Bundesamt für März ermittelte Teuerungsrate beträgt dagegen 7,3 Prozent, womit sie so hoch ausgefallen ist wie seit 1981 nicht mehr.

"Weil Lebensmittel und Kraftstoffe häufig und regelmäßig erworben werden, bekommen die Konsumenten die starken Ausschläge dieser Preise im Einzelhandel oder an der Tankstelle deutlich vorgeführt", betonen die ING-Experten. "Dies führt oft dazu, dass die persönliche Wahrnehmung der Inflation von den offiziell festgestellten Statistiken abweicht – man spricht von der gefühlten Inflation." Ökonomen würden hingegen durch stark schwankende Preise wie die von Energie und Lebensmitteln gerne "hindurchsehen" und sich auf die Kerninflation konzentrieren, die diese ausblendet.

Inflationsraten von 11 Prozent und mehr erwartet

Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Deutschen der Umfrage nach im Durchschnitt eine Inflationsrate von 11,4 Prozent. 86 Prozent der Befragten gehen von weiter steigenden Preisen aus. Zwei Drittel davon erwarten allerdings, dass der Anstieg die Marke von zehn Prozent nicht überschreitet. Aber fast 22 Prozent halten eine Teuerungsrate von bis zu 20 Prozent für möglich.

Zum Phänomen der gefühlten Inflation trägt der ING zufolge auch bei, dass gerade für diejenigen Ausgaben, die mit niedrigen Preissteigerungen die offizielle Inflation dämpfen, nur selten bewusste Konsumentscheidungen getroffen werden. "Bestes Beispiel sind die Mieten, die im Wägungsschema des Statistischen Bundesamts ein doppelt so hohes Gewicht einnehmen wie die Ausgaben für Energie", heißt es dazu. Während letztere im März bei einer Preissteigerung von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat lag, verharren die Mieten üblicherweise bei Werten um die 1,5 Prozent - so auch derzeit. Allerdings dürften sich potenzielle Mieter mit weit stärkeren Steigerungen konfrontiert sehen. "Da jedes Jahr nur ein kleiner Teil der Mieter umzieht, wird die gemessene Preisänderung bei den Mieten von der großen Zahl der Bestandsverträge dominiert", heißt es dazu.

rei/Reuters
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