Zu wenig Ladesäulen Verkehrsminister Scheuer will Tesla anzapfen

Die Deutschen kaufen immer mehr Elektroautos, zeigen aktuelle Zahlen. Doch bundesweit fehlt es an Ladesäulen. Jetzt will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Tesla verpflichten, sein Ladesäulennetz für alle zu öffnen.
Tesla-Supercharger-Station in Berlin

Tesla-Supercharger-Station in Berlin

Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Die Deutschen haben im vergangenen Monat deutlich mehr Elektroautos gekauft und angemeldet. Die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt für den Mai  26.786 neue reine Elektroautos auf, was einem Anteil an den gesamten Neuzulassungen von 11,2 Prozent entspricht. Bei Plug-in-Hybriden schafften es 27.222 neue Fahrzeuge auf die Straße mit einem ähnlich hohen Marktanteil. Auch diese neuen E-Autofahrer wünschen sich nichts sehnlicher, als so unkompliziert "tanken" zu können, wie es Fahrer herkömmlicher Benzin- oder Diesel-Pkw tun. Allein - es fehlen Ladesäulen.

"Wir brauchen 2000 neue Ladepunkte pro Woche", rechnete kürzlich Hildegard Müller (53), Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, vor. Die Zahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte allerdings wächst allenfalls um 1000 pro Monat. Die Folgen sind klar: Für Fans der E-Stromer wird das Auftanken zusehends zum Geduldsspiel mit gegebenenfalls langen Wartezeiten an der Ladesäule.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46) will das nun ändern und den Frust der Elektroautokäufer mindern. Nur kann Scheuer nicht über Nacht die Zahl der Ladepunkte mal flugs vervielfachen. Auch ein neues Gesetz zur Förderung von Schnellladesäulen mit einer Leistung von mehr als 150 Kilowatt wird das Problem nicht so schnell lösen. In seiner Not drängt der verantwortliche Minister jetzt darauf, dass Tesla seine "Supercharger"-Schnellladesäulen für alle Elektroautos freigibt, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung"  berichtet (kostenpflichtig).

Abgesehen davon, dass der Minister Tesla wohl kaum dazu zwingen kann, dürfte auch dieser Vorstoß die Lage allenfalls etwas entspannen: Tesla betreibt nach einer Übersicht in Deutschland  aktuell rund 100 Supercharger-Stationen in Deutschland - mit teils über einem Dutzend Ladepunkte je Station. Die Anzahl der Ladepunkte kann bei Tesla-Stationen erheblich variieren.

Tesla selbst hat sich zu der Anfrage des Bundesverkehrsministers noch nicht geäußert. Der Minister erwartet dem Bericht zufolge aber, dass Tesla und das Ministerium trotz auch technisch zu klärender Fragen zu einer Lösung kommen könnten. Der Elektroauto-Hersteller von Konzernchef Elon Musk (49) baut sein Ladesäulennetz in Europa seit Jahren aus. Unternehmensangaben zufolge  umfasst das Netz in Europa und dem Nahen Osten derzeit rund 2500 Supercharger-Ladestationen mit rund 25.000 Ladesäulen.

rei