Hohe Inflationsrate Steuerschätzer rechnen mit 126 Milliarden Euro Mehreinnahmen

Die Steuereinnahmen des Staates fallen in den nächsten Jahren voraussichtlich deutlich höher als zuletzt erwartet aus. Doch Bundesfinanzminister Christian Lindner warnt vor der unsicheren wirtschaftlichen Lage.
Finanzminister Christian Lindner: Die zusätzlichen Steuereinnahmen dürften ihn im kommenden Jahr etwas entlasten

Finanzminister Christian Lindner: Die zusätzlichen Steuereinnahmen dürften ihn im kommenden Jahr etwas entlasten

Foto: BENJAMIN WESTHOFF / REUTERS

Die Energiekrise sorgt für düstere wirtschaftliche Aussichten. Die Steuereinnahmen des Staates werden in diesen Zeiten aber voraussichtlich kräftig steigen. Die Steuerschätzer gehen davon aus, dass Bund, Länder und Kommunen bis 2026 rund 126,4 Milliarden Euro mehr einnehmen als noch im Mai erwartet. Das teilte das Finanzministerium am Donnerstag in Berlin mit. In diesem Jahr sollen die Steuereinnahmen allerdings um 1,7 Milliarden Euro geringer als vorhergesagt ausfallen.

Die zusätzlichen Steuereinnahmen dürften Finanzminister Christian Lindner (43) im kommenden Jahr etwas entlasten. Er plant, 2023 wegen der Corona-Pandemie die Schuldenbremse wieder voll einzuhalten. Die Steuerexperten erwarten für das kommende Jahr Mehreinnahmen in Höhe von 8,9 Milliarden Euro. Das würde Rekordeinnahmen von 937,3 Milliarden Euro bedeuten. Große Sprünge kann der Finanzminister voraussichtlich dennoch nicht machen, denn auch im kommenden Jahr könnten erneut Entlastungen wegen der hohen Preise für die Bürger nötig werden.

Grund für die steigenden Steuereinnahmen ist unter anderem die hohe Inflationsrate, solange die Verbraucher ihren Konsum nicht einschränken. Denn wenn Waren teurer werden, steigen auch die Einnahmen aus den Steuern, die darauf zu entrichten sind. Vor allem die Mehrwertsteuer spült mehr Geld in die Kassen.

Mehr Angestellte

Und: Wenn viele Menschen angestellt sind, fließen mehr Lohn- und Einkommensteuereinnahmen in die Staatskasse. Trotz der Krise zeigte sich der Arbeitsmarkt zuletzt robust. Führende Wirtschaftsinstitute erwarten jedoch im nächsten Jahr wegen des Konjunktureinbruchs einen Anstieg der Arbeitslosenquote.

Wegen der Energiekrise hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose zuletzt gesenkt. In ihrer Herbstprojektion erwartet sie für dieses Jahr nur noch ein kleines Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, im kommenden Jahr wird die Wirtschaft demnach um 0,4 Prozent schrumpfen. Für 2024 wird mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 Prozent gerechnet – die Steuereinnahmen sollen dann auf rund 993 Milliarden Euro zulegen.

Der Arbeitskreis Steuerschätzung kommt zweimal im Jahr zusammen, im Frühjahr und im Herbst. In dem Gremium sitzen Experten der Bundesregierung, der leitenden Wirtschaftsforschungsinstitute, des Statistischen Bundesamts, der Bundesbank, des Sachverständigenrats zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, Vertreter der Länderfinanzministerien sowie Kommunen.

sio/dpa-AFX
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