Statistisches Bundesamt Inflationsrate steigt im Oktober auf 10,4 Prozent

Die Preise in Deutschland ziehen weiter an. Im Oktober stieg die Inflationsrate auf nunmehr 10,4 Prozent. Vor einem Monat lag die jährliche Teuerungsrate noch bei 10,0 Prozent.
Erneuter Anstieg: Inflationsrate steigt auf 10,4 Prozent

Erneuter Anstieg: Inflationsrate steigt auf 10,4 Prozent

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Die Inflation in Deutschland hat sich im Oktober überraschend stark beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen um durchschnittlich 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einer Teuerungsrate von 10,1 Prozent gerechnet, nachdem sie im September mit 10,0 Prozent den höchsten Stand seit 1951 erreicht hatte. Für Energie mussten Verbraucher im Oktober 43,0 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich um 20,3 Prozent.

Eine rasche Entspannung bei der Inflation ist vorerst nicht in Sicht. Nach Darstellung des Ifo-Instituts müssen sich die Menschen weiter auf deutlich höhere Preise beim Lebensmittelkauf einstellen. Rund 97 Prozent der befragten Lebensmittelhändler wollten mehr verlangen. "Die Inflationswelle ist noch nicht gebrochen", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Vor allem die hohen Energiekosten sind noch nicht vollständig auf die Verbraucher überwälzt."

Der jüngste Rückgang der Großhandelspreise für Gas wird nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53, Grüne) erst mit einiger Verzögerung bei Bürgern und Unternehmen ankommen. Die Bundesregierung will Verbraucher und Unternehmen wegen der stark steigenden Energiepreise mit einem Abwehrschirm von bis zu 200 Milliarden Euro unterstützen. Davon sollen auch eine Gas- und eine Strompreisbremse finanziert werden. Details zu den geplanten Energiepreisbremsen sind allerdings noch offen. Bisher hat die Bundesregierung eine Einmalzahlung auf den Weg gebracht: Im Dezember sollen die Gas-Abschlagszahlungen übernommen werden.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern wurden Raten von 10 Prozent und mehr Anfang der 1950er Jahre gemessen, allerdings hat sich die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geändert.

"Die Teuerungswelle in Deutschland hat den Zenit noch immer nicht überschritten"

"Keine guten Nachrichten von der Preisfront", so Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, "ein wichtiger Preistreiber war im Oktober erneut die Energie. Länderdaten zeigen, dass sich die Gaspreise regional sehr unterschiedlich entwickelt haben, diese aber insgesamt trotz der geringeren Mehrwertsteuer deutlich gestiegen sind. Auch blieb es bei einem überdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise."

"Die Teuerungswelle in Deutschland hat den Zenit noch immer nicht überschritten und auch in anderen europäischen Ländern kam es nochmals zu Anstiegen der Inflationsrate", erklärt Alf Umlauf von der Helaba. Damit einhergehend bleibe der Druck auf die EZB erhalten, auch bei der nächsten Ratssitzung im Dezember die Zinsen kräftig zu erhöhen. "Zumal die BIP-Wachstumsrate in Deutschland mit 0,3 Prozent überraschte und in Frankreich und Spanien ebenfalls Zuwächse verzeichnet wurden. Die EZB signalisiert, in Abhängigkeit eingehender Daten zu agieren - und diese sprechen heute eine klare Sprache", so Umlauf.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank sieht den erneuten Anstieg nicht nur in den massiv höheren Preisen für Energie und Nahrungsmittel. "Vielmehr sind im Oktober auch die Preise der übrigen Güter noch einmal schneller gestiegen, wie der Anstieg der Kerninflation von 4,6 auf geschätzt 5,0 Prozent zeigt", sagt Krämer, "weil die Unternehmen den Kostenschock noch nicht vollständig an die Konsumenten weitergegeben haben, dürfte bei der Inflation in den kommenden Monaten weiter eine 10 vor dem Komma stehen." Die EZB bleibe demnach unter Druck, ihre Zinsen weiter entschieden anzuheben.

hr/reuters, dpa
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