Trotz Lieferengpässen Deutsche Exporte steigen auf Vorkrisen-Niveau

Die deutschen Exporte sind den 14. Monat in Folge gestiegen - trotz der anhaltenden Engpässe bei Rohstoffen und Mikrochips. Im Juni wurde mehr exportiert als vor Beginn der Pandemie. Die Erfolgsserie könnte jedoch bald enden.
Kraftquelle Export: Die Exporte aus Deutschland (im Bild Containerschiffe im Hamburger Hafen) sind im Juni um 1,3 Prozent gewachsen, im gesamten ersten Halbjahr um knapp 17 Prozent

Kraftquelle Export: Die Exporte aus Deutschland (im Bild Containerschiffe im Hamburger Hafen) sind im Juni um 1,3 Prozent gewachsen, im gesamten ersten Halbjahr um knapp 17 Prozent

Foto: Christian Charisius / DPA

Die lange Erfolgsserie der deutschen Exporteure hat sich im Juni trotz Produktionsbehinderungen durch Materialengpässe fortgesetzt. Die Ausfuhren wuchsen um 1,3 Prozent zum Vormonat und damit bereits zum 14. Mal in Folge, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das Plus fiel damit gut dreimal so stark aus wie von Ökonomen vorhergesagt. Im Juni lag es noch bei 0,4 Prozent. Die Importe stiegen diesmal um 0,6 Prozent. Damit lagen die Exporte um 1,1 Prozent und die Importe sogar um 10 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Die Industrie sitzt auf dick gefüllten Auftragsbüchern. Allein im Juni legten die Bestellungen mit 4,1 Prozent zum Vormonat so kräftig zu wie seit zehn Monaten nicht mehr. Vielfach können sie nicht abgearbeitet werden angesichts akuter Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Mikrochips, weshalb die Produktion zuletzt gedrosselt werden musste. In der gesamten Industrie geben fast zwei Drittel der Unternehmen an, dass ihnen Engpässe zu schaffen machen, wie das Ifo-Institut in seiner Firmenumfrage ermittelte.

Waren im Wert von 118 Milliarden Euro exportiert - mehr als vor Beginn der Pandemie

Im Juni verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 118,7 Milliarden Euro ins Ausland. Verglichen mit Juni 2020 ist das eine Zunahme von 23,6 Prozent. Damit überschritten die Ausfuhren im Juni erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie das Vorkrisenniveau vom Februar 2020.

Dabei wuchsen die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA um fast 40 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, die nach Großbritannien um 11 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro und die nach China um 16 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft mit den EU-Ländern legte um 26,1 Prozent auf 64,5 Milliarden Euro zu.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte seine Exportprognose wegen der von den USA und China angeführten Erholung der Weltwirtschaft kürzlich erhöht. Deutsche Firmen dürften demnach 2021 rund 8 Prozent mehr ausführen. Im gesamten ersten Halbjahr stiegen die Exporte um 16,7 Prozent auf 673,1 Milliarden Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Die Einfuhren legten im selben Zeitraum um 15,4 Prozent auf 576,4 Milliarden Euro zu.

"Auch wenn die gut gefüllten Auftragsbücher sich in Anbetracht fehlender Vorprodukte nicht in einer entsprechend hohen Produktion niederschlagen, die Exporte können von der guten Auftragslage profitieren", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Den Unternehmen gelingt es also zumindest so viele Produkte in den Versand zu geben, dass es für ein Plus bei den Exporten reicht." Da die Industrieproduktion aber noch immer stocke, sei zu befürchten, dass sich der Mangel an Vorprodukten schon bald deutlicher in den Exportzahlen niederschlagen werde.

mg/Reuters, dpa-afx