Ausblick optimistisch Deutsche Wirtschaft wächst 2021 um 2,7 Prozent

Trotz Pandemie, globaler Lieferprobleme und eines schwachen vierten Quartals ist die deutsche Wirtschaft 2021 spürbar gewachsen. Für das laufende Jahr erwarten Forscher bis zu 4,5 Prozent Wachstum – unter einer Bedingung.
Die Exporte legten im vergangenen Jahr kräftig zu

Die Exporte legten im vergangenen Jahr kräftig zu

Foto: Sina Schuldt / dpa

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent gegstiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit . Dies ist zwar das stärkste Wachstum seit 2017. Allerdings konnte die Wirtschaft damit nur einen Teil der Rezession aus dem ersten Corona-Jahr 2020 wieder wettmachen, als die Konjunktur um 4,6 Prozent einbrach. Die Wirtschaftskraft lag damit noch zwei Prozent unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019.

"Trotz der andauernden Pandemiesituation und zunehmender Liefer- und Materialengpässe konnte sich die deutsche Wirtschaft nach dem Einbruch im Vorjahr erholen, wenngleich die Wirtschaftsleistung das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht hat", erklärte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, bei der Präsentation der Zahlen.

Der Kampf gegen die Pandemie hat erneut ein tiefes Loch in die deutsche Staatskasse gerissen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 153,9 Milliarden Euro weniger ein als sie ausgaben. Dies entspricht einem Defizit von 4,3 Prozent des BIP.

Pandemie reißt großes Loch in die Haushalte

Im vergangenen Jahr belasteten Lieferengpässe, gestiegene Preise bei Rohstoffen und Energie sowie die allgemein hohe Inflation Firmen und Verbraucher. Die dritte und vierte Corona-Welle mit steigenden Inzidenzen dämpften Handel, Tourismus sowie Gastgewerbe und verhinderten eine schnellere Erholung. Bei der Baubranche lief es weitgehend rund. Die Industrie konnte sich zwar wieder berappeln und mehr Aufträge an Land ziehen, kämpft aber nach wie vor mit Materialknappheit und in der Folge mit höheren Preisen. Die Exporte kletterten 2021 um 9,4 Prozent, während die Importe um 8,6 Prozent stiegen. Die Ausgaben der Konsumenten allerdings stagnierten.

Exporte kletterten deutlich, Ausgaben der Verbraucher stagnierten

Im Schlussquartal des vergangenen Jahres verlief die Konjunktur schleppend und schrumpfte die Wirtschaft erneut. Das BIP habe zwischen Oktober und Dezember zum Vorquartal abgenommen, sagte Thiel. Grund sei die vierte Corona-Welle mit weiteren Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie. Erste Ergebnisse zur Entwicklung des BIP im letzten Jahresviertel will das Statistische Bundesamt am 28. Januar 2022 veröffentlichen. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es dazu: "Das Schlussquartal 2021 dürfte angesichts wieder notwendiger Beschränkungen in den kontaktintensiven Dienstleistungen und Produktionsschwierigkeiten in der Industrie aufgrund der anhaltenden Lieferengpässe schwach verlaufen sein."

Fachleute gehen davon aus, dass der Konjunkturknoten platzt und die Wirtschaft mehr Fahrt aufnimmt, wenn die Omikron-Welle abebbt. Dann dürfte die Politik Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie lockern. Viele Ökonomen trauen der Wirtschaft 2022 deutlich mehr Wachstum zu.

Forscher zeigen sich für 2022 optimistisch

Während der Industrieverband BDI mit einem Plus von 3,5 Prozent rechnet, setzen die gewerkschaftsnahen Forscher vom IMK-Institut sogar auf einen Anstieg von 4,5 Prozent. "Zu einem guten Wachstumsjahr wird 2022 nur dann, wenn die Corona-Pandemie und der extreme Materialmangel nachlassen", sagte Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. "Unterstützt von hohen Auftragsbeständen und tiefen Realzinsen dürfte der Konjunkturkessel dann mächtig dampfen." Es bleibe zu hoffen, dass der Inflationsanstieg Verbraucher nicht stärker verunsichere.

rei/Reuters
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