Trotz Krisenjahr Deutsche Wirtschaft ist 2022 erneut gewachsen

Trotz Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation hat das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im vergangenen Jahr erneut zugelegt, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie 2021. Im vierten Quartal stagnierte die deutsche Wirtschaft allerdings ersten Berechnungen zufolge.
Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts: "Deutschlands Wirtschaft war geprägt von den Folgen des Krieges in der Ukraine":

Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts: "Deutschlands Wirtschaft war geprägt von den Folgen des Krieges in der Ukraine":

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Trotz Ukraine-Krieg, Inflation und anhaltender Lieferprobleme ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Wegen der Energiekrise konnte die Wirtschaft allerdings nicht an das Jahr 2021 anknüpfen, als es konjunkturell um 2,6 Prozent nach oben ging. Im vierten Quartal 2022 stagnierte das BIP im Vergleich zum Vorquartal.

"Die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland war im Jahr 2022 vor allem geprägt von den Folgen des Krieges in der Ukraine, zu denen extreme Energiepreiserhöhungen zählten", sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamts, Ruth Brand, in Berlin.

Trotz Kaufkraftverlusten durch die Rekordinflation von 7,9 Prozent kurbelten im vergangenen Jahr vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher mit 4,6 Prozent höheren Konsumausgaben die Konjunktur an. In den ersten Corona-Jahren hatten viele Menschen wegen ausgefallener Reisen, Restaurant- oder Konzertbesuchen zusätzlich Geld gespart, das nun zumindest teilweise wieder ausgegeben wurde. Zudem investierten Unternehmen 2,5 Prozent mehr in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge. Dagegen sanken die Bauausgaben wegen der gestiegenen Kreditkosten und Lieferengpässe um 1,6 Prozent. Die Exporte kletterten um 3,2 Prozent, während die Importe mit 6,7 Prozent stärker zulegten.

Deutschland erneut mit Staatsdefizit, Verlust aber geringer

Für das laufende Jahr rechnen die meisten Fachleute mit einer leichten Rezession. Zu dem zeitweise erwarteten schweren Konjunktureinbruch dürfte es aber nicht kommen. "Das Wirtschaftswachstum 2023 wird deutlich schwächer ausfallen und nahe der Stagnationsgrenze liegen", sagte der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien. Denn die Wirtschaft arbeite sich gerade erst aus dem Energiepreisschock hinaus. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet dieses Jahr 0,3 Prozent Wachstum, das sich 2024 auf 1,3 Prozent beschleunigen soll. Das Münchner Ifo-Institut und das Essener RWI hingegen rechnen für 2023 je mit einem Schrumpfen um 0,1 Prozent.

Der deutsche Staatshaushalt rutschte 2022 das dritte Jahr in Folge in die roten Zahlen. Die Ausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung überstiegen die Einnahmen um 101,6 Milliarden Euro, wie das Statistikamt weiter mitteilte. Das entspricht einem Defizit von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Es fällt damit aber immerhin niedriger aus als in den beiden Vorjahren, die von hohen Kosten infolge der Corona-Krise geprägt waren: 2021 lag das Defizit bei 3,7 Prozent, 2020 bei 4,3 Prozent.

Die Risiken für die Konjunktur bleiben groß. Dazu gehören eine Eskalation des russischen Krieges gegen die Ukraine und die aktuelle Viruswelle beim wichtigsten deutschen Handelspartner China, wegen der es erneut zu gestörten Lieferketten kommen könnte. Das wiederum könnte die Produktion hemmen. Auch dürfte die Inflation hoch bleiben und die Realeinkommen belasten, selbst wenn die Teuerungsrate niedriger ausfallen sollte als im vergangenen Rekordjahr.

mg/Reuters, dpa-afx
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