Erste Schätzung revidiert Deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal doch leicht gewachsen

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland hat im Frühjahr entgegen erster Schätzungen leicht zugelegt. Gleichzeitig hat sich das Staatsdefizit verringert. Ökonomen rechnen dennoch mit einem harten Winter.
Konjunkturmotor Autoindustrie: Die deutschen Autobauer haben auch im zweiten Quartal Miliardengewinne eingefahren

Konjunkturmotor Autoindustrie: Die deutschen Autobauer haben auch im zweiten Quartal Miliardengewinne eingefahren

Foto: Raphael Knipping/ picture alliance/ dpa

Trotz der Folgen des Ukraine-Krieges ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr überraschend auf Wachstumskurs geblieben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen April und Juni gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte und damit eine Schnellschätzung revidierte. Zunächst war von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung die Rede gewesen. Anfang des Jahres hatte sich noch ein Zuwachs von 0,8 Prozent ergeben.

"Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen 2022 behauptet", sagte Georg Thiel, der Präsident des Bundesamts. Verglichen mit dem vierten Quartal 2019, also dem Quartal vor Beginn der Corona-Pandemie, zeigt sich, dass das BIP in Deutschland im Frühjahr erstmals wieder das Vorkrisenniveau erreichte.

Gestützt wurde die Wirtschaft dem Amt zufolge im Frühjahr vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Und der Handel mit dem Ausland nahm insgesamt zu. Obwohl im zweiten Quartal unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine deutlich weniger Waren nach Russland exportiert wurden als zu Beginn des Jahres, meldeten die Unternehmen insgesamt stabile Exporte: Trotz der weltweit gestörten Lieferketten wurden 0,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal. Die Importe legten im Vorquartalsvergleich mit 1,6 Prozent aber stärker zu.

Staat nimmt weniger Schulden auf

Nach Einschätzung von Ökonomen stehen der deutschen Wirtschaft angesichts der Gaskrise allerdings harte Monate bevor. Dem Ifo-Institut zufolge wird der private Konsum wegen der steigenden Verbraucherpreise im weiteren Jahresverlauf als Konjunkturmotor ausfallen. Die Deutsche Bundesbank hält eine sinkende Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr inzwischen für "deutlich wahrscheinlicher". «Die hohe Unsicherheit über die Gasversorgung im kommenden Winter und die starken Preissteigerungen dürften die privaten Haushalte und Unternehmen deutlich belasten», hieß es im jüngsten Monatsbericht der Notenbank. Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft, blickt düster in die Zukunft: "Der seit sechs Monaten andauernde russische Krieg gegen die Ukraine wird die deutsche Wirtschaft noch über Jahre belasten."

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst "eine Größenordnung von 10 Prozent" erreichen könnte. Preissprünge bei Energie infolge des Ukraine-Krieges und steigende Lebensmittelpreise heizen die Teuerung seit Monaten an.

Die Kassenlage des deutschen Staates hat sich im ersten Halbjahr deutlich verbessert. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung gaben bis Ende Juni zusammen 13 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Das Defizit entspricht 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Im ersten Halbjahr 2021 hatte der Fehlbetrag noch 75,6 Milliarden Euro betragen, was einer Defizitquote von 4,3 Prozent entsprach.

mg/Reuters, dpa-afx
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