Samstag, 21. September 2019

SPD zieht in Umfrage an CDU vorbei Schulz beschert SPD Umfragehoch und Mitgliederboom

Kommt an: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wiederbelebt "alte" Themen der SPD wie soziale Gerechtigkeit. Die Menschen in Deutschland nehmen ihm das ab

Der Schulz-Effekt beschert der SPD nicht nur ein Hoch in den Umfragen, sondern nach Jahren des Niedergangs auch einen kleinen Mitgliederboom. Seit Martin Schulz vor vier Wochen am 24. Januar von Noch-Parteichef Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidat vorgeschlagen wurde, sind über das Internet 6564 Bürger in die Partei eingetreten, wie die SPD auf Anfrage mitteilte. Auch die anderen Parteien spüren, dass im Wahljahr und nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump das Interesse an Politik in der Bevölkerung zunimmt.

Zu den Online-Eintritten kommen bei der SPD noch viele Menschen, die sich direkt in den Landesverbänden um ein Parteibuch bemüht haben. Diese Zahlen werden von der Bundespartei aber erst mit Verzögerung erfasst. Allein in Nordrhein-Westfalen, wo im Mai gewählt wird, gab es seit Jahresanfang mehr als 2300 Neueintritte (Online und auf Papier). "Solche Zahlen haben wir seit 20 Jahren nicht mehr gehabt", sagte ein SPD-Sprecher in Düsseldorf.

Parallel setzt die SPD setzt ihren Umfragen-Höhenflug fort. Im aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" haben die Sozialdemokraten sieben Monate vor der Bundestagswahl vier Prozentpunkte hinzugewonnen und kommen auf 32 Prozent. Damit liegen sie erstmals seit Oktober 2006 wieder vor der Union.

Die Union verliert drei Prozentpunkte und erreicht nur noch 31 Prozent. Die AfD kommt auf elf (minus eins), die Grünen bleiben bei acht Prozent. Die Linke rutscht um einen Punkt auf sieben Prozent ab. Auch die FDP würde mit sechs Prozent in den Bundestag einziehen.

SPD wieder die mitgliederstärkste Partei

Zuletzt hatte die SPD die Union im "Sonntagstrend" überholt, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für die "Bild am Sonntag" erhebt. Dort stieg sie im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt und erreichte 33 Prozent. CDU/CSU verloren einen Punkt und fielen in der Wählergunst auf 32 Prozent. Damit lag die SPD auch im "Sonntagstrend" erstmals seit zehn Jahren wieder vor der Union.

Bereits zum Jahreswechsel war die älteste deutsche Partei auch wieder die mitgliederstärkste. Die SPD hatte Ende Dezember nach eigenen Angaben 432.706 Mitglieder, die CDU lag mit 431.920 knapp dahinter. Bis Ende Januar konnte die SPD den Vorsprung ausbauen und erreichte 432.706 Mitglieder. Die CDU von Kanzlerin Angela Merkel verbuchte mit über 1500 Eintritten zwar den stärksten Zuwachs in einem Monat seit drei Jahren - unter dem Strich schrumpfte die CDU-Mitgliederzahl Ende Januar aber auf 430.683, weil mehr Menschen austraten oder starben.

Schulz' geplante Korrekturen an Agenda 2010 kommen an

Auf breite Zustimmung stoßen im "Deutschlandtrend" die Pläne des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz für Korrekturen an der Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD). 65 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, das Arbeitslosengeld I länger zu zahlen als bisher. 29 Prozent lehnen dies ab.

67 Prozent befürworten demnach, dass zeitlich befristete Arbeitsverträge nur noch bei sachlichen Gründen möglich sein sollen. 25 Prozent sprechen sich gegen dieses Vorhaben von Schulz aus.

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