Nur kleiner Anstieg Sommerflaute schadet Arbeitsmarkt kaum

Kein Boom, aber ein Lichtblick: Monatelang stiegen die Arbeitslosenzahlen in Deutschland, wenn auch leicht. Jetzt fällt die saisonale Sommerflaute weniger tief aus als befürchtet. Im Sasionvergleich sank die Arbeitslosenzahl sogar erstmals seit Monaten hierzulande wieder.
Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise: Kleine Verbesserung im Juli

Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise: Kleine Verbesserung im Juli

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Nürnberg - Der leichte Konjunkturschub im zweiten Quartal hat die saisonübliche Sommerflaute auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Juli spürbar gedämpft. Trotz Werksferien in vielen Unternehmen sei die Zahl der Arbeitslosen lediglich um 49.000 auf 2,914 Millionen gestiegen, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg. Sie wuchs damit in diesem Juli nicht viel stärker als zu Zeiten des zurückliegenden Jobbooms. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es in Deutschland nur noch 38.000 Erwerbslose mehr; der Wert war vor einigen Monaten noch doppelt so hoch. Die Erwerbslosenquote stieg lediglich um 0,2 Punkte auf 6,8 Prozent.

Ohne die im Juli besonders stark ausgeprägten saisonalen Sondereffekte wäre die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Juni sogar um 7000 gesunken. Dies ist nach starken Zuwächsen im Frühjahr der zweite Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl in Folge. Als Hinweis auf die sich leicht verbessernde Arbeitsmarktlage wertete BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise auch die seit zwei Monaten wieder steigende Zahl der offenen Stellen. Dies weise darauf hin, dass die Unternehmen in der Hoffnung auf vollere Auftragsbücher wieder verstärkt neue Mitarbeiter einstellten.

Mit einem erneuten kräftigen Aufschwung, wie ihn der deutsche Arbeitsmarkt zwischen 2010 und Mitte 2012 erlebt hatte, rechnet der BA-Chef vorerst allerdings nicht. Vielmehr erwarte er für die nächsten Monate eher stagnierende Arbeitslosenzahlen. "Der Arbeitsmarkt ist solide und robust. Ich gehe aber erstmal von einer Seitwärtsbewegung aus", sagte Weise. Der Arbeitsmarkt habe in diesem Jahr unter dem langen Winter und dem feuchten Frühjahr gelitten. "Im zweiten Quartal hat sich die Lage aber etwas aufgehellt. Für das dritte Quartal gibt es noch sehr widersprüchliche Prognosen."

Wachsende Zahl von Zuwanderern integriert

Weises Einschätzung deckt sich weitgehend mit den Prognosen der 156 deutschen Arbeitsagenturen. Von ihnen rechnet derzeit nur noch jede fünfte mit steigenden Arbeitslosenzahlen in den kommenden drei Monaten; noch im Februar war es fast jede zweite gewesen. 73 Prozent der Agenturchefs gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Spätsommer und Herbst aus.

Dank der weiterhin neu entstandenen Arbeitsplätze konnte nach Bundesagentur-Einschätzung auch die wachsende Zahl von Zuwanderern aus Ost- und Südeuropa gut in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden. Neue sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden nach BA-Angaben vor allem bei Rechts-, Unternehmens- und Steuerberatungsbüros sowie bei Werbeagenturen und Reisebüros, aber auch bei Wach- und Sicherheitsdiensten sowie Reinigungsunternehmen. Zuletzt habe es bei diesen "wirtschaftlichen Dienstleistern" 156.000 Arbeitsplätze mehr gegeben als vor einem Jahr (Mai-Daten).

Insgesamt legte die Zahl der Menschen mit einem regulären Job (sozialversicherungspflichtige Beschäftigung) auf 29,29 Millionen zu, ein Plus zum Vorjahr von 366.000 (Mai-Daten). Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten Daten vom Juni binnen Jahresfrist um 233.000 auf 41,89 Millionen.

Die meisten offenen Stellen gab es im Juli für Mechatroniker sowie Facharbeiter in einem Metall-, Energie- oder Elektroberuf. Auch Verkäufer, Ärzte und Pfleger sowie Fachleute für Verkehr und Logistik werden gesucht. Der größte Fachkräfteengpass herrscht derzeit bei Ingenieuren, Spezialisten für Energietechnik sowie Klempnern und Klimatechnikern.

kst/dpa-afx
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