Nach Freigabe durch Kanada Siemens will reparierte Turbine für Nord Stream 1 schnellstmöglich installieren

Nach der Freigabe aus Kanada will Siemens die Turbine für Nord Stream 1 schnellstmöglich nach Russland bringen und dort trotz der aktuellen Sanktionen einbauen. Kiew zeigt sich "zutiefst enttäuscht".
Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin fließt seit 2011 russisches Erdgas nach Deutschland

Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin fließt seit 2011 russisches Erdgas nach Deutschland

Foto: Jens Büttner / dpa

Siemens will die von Kanada freigegebene Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 so schnell wie möglich in Russland installieren. "Unser Ziel ist es, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren", erklärte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Die kanadische Regierung hatte am Samstag eine zeitlich befristete Sondergenehmigung für die Ausfuhr erteilt, die wegen der Sanktionen gegen Russland infolge des Ukraine-Kriegs erforderlich war.

Die politische Entscheidung Kanadas sei für die Ausfuhrgenehmigung der Turbine "ein notwendiger und wichtiger erster Schritt", erklärte der Siemens-Sprecher. Aktuell arbeiteten die Experten des Unternehmens "mit Hochdruck an allen weiteren formalen Genehmigungen und der Logistik". Dabei handele es sich unter anderem um Vorgänge, die der Export- und Importkontrolle unterliegen.

Ukraine ruft Kanada auf, die Turbine nicht zurückzugeben

"Ohne die notwendige Versorgung mit Erdgas wird die deutsche Wirtschaft sehr große Schwierigkeiten haben", erklärte der kanadische Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson (57). "Und die Deutschen selbst laufen Gefahr, dass sie ihre Häuser im bevorstehenden Winter nicht heizen können." Wilkinson warf Russlands Präsident Wladimir Putin (69) den Versuch vor, über die Energiefrage unter den Verbündeten der Ukraine "Spaltung säen zu wollen".

"Wir begrüßen die Entscheidung unserer kanadischen Freunde und Verbündeten", teilte ein Sprecher der Bundesregierung mit. Das Bundeswirtschaftsministerium würdigte einen "guten und konstruktiven Austausch" mit Ottawa. Die Ukraine hatte Kanada hingegen aufgerufen, die Turbine, die sich derzeit in Werkstätten des Siemens-Konzerns in der Nähe von Montréal befindet, nicht zurückzugeben.

Nach der Freigabe Kanadas teilte das Energie- und das Außenministerium der Ukraine mit, Kiew sei über die Entscheidung Kanadas "zutiefst enttäuscht". Die kanadische Regierung müsse die Entscheidung rückgängig machen, heißt es in einer auf der Homepage des Energieministeriums veröffentlichten Erklärung. Kanada würde sich sonst "den Launen Russlands" unterwerfen.

Deutsche Regierung bemühte sich wochenlang um Freigabe

Russland hatte den Ausfall einer Turbine Mitte Juni als einen Grund für die Drosselung seiner Gaslieferungen über die Nord-Stream-Pipeline angeführt. Die Bundesregierung zweifelte diese Argumentation an.

Berlin hatte sich in den vergangenen Wochen bei Kanada intensiv um die Freigabe der Turbinen bemüht. Wirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) hatte der kanadischen Regierung vorgeschlagen, die Turbine an Deutschland zu liefern, wenn das die Entscheidung rechtlich einfacher mache.

Am Montag wird die Pipeline Nord Stream 1 wegen regulärer Wartungsarbeiten heruntergefahren. Die Bundesregierung rechnet mit rund zehntägigen Arbeiten. Die Bundesnetzagentur und auch das Wirtschaftsministerium äußerten zuletzt Zweifel daran, dass Russland den Gashahn anschließend wieder aufdreht.

Habeck warnte vor einem "politischen Albtraum-Szenario", sollte der Staat im akuten Krisenfall die Zuteilung von Gas steuern müssen. "Das wird die gesellschaftliche Solidarität bis an die Grenze und wahrscheinlich darüber hinaus strapazieren", sagte der Vizekanzler.

mje/ AFP / Reuters
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