Grünen-Spender Schels "Unser Haus brennt"

Unternehmer und andere Wirtschaftsgrößen unterstützen in der Regel die FDP oder die CDU. Nicht so Sebastian Schels, Kopf der Immobilienfirma Ratisbona. Er spendete kürzlich 250.000 Euro an die Grünen. Warum? Das erklärt Schels im Interview.
Das Interview führte Christoph Rottwilm
"Für mich ist das eine Herzensangelegenheit": Immobilienunternehmer Sebastian Schels spendete den Grünen 250.000 Euro

"Für mich ist das eine Herzensangelegenheit": Immobilienunternehmer Sebastian Schels spendete den Grünen 250.000 Euro

manager magazin: Herr Schels, Sie haben 250.000 Euro an die Grünen gespendet. Die Partei ist für viele Unternehmer nicht die erste Adresse – warum ausgerechnet die Grünen?

Sebastian Schels: Ich bin natürlich Unternehmer, aber in erster Linie bin ich Mensch und Familienvater. Als solcher mache ich mir Sorgen um die Zerstörung des Planeten, um den Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt. Ich denke, dass die jüngsten Ereignisse, die Flutkatastrophen, die Dürreperioden, die brennenden Wälder auch dem Letzten gezeigt haben, welche Dimensionen das Ganze annehmen kann und wird. Das beschäftigt mich persönlich als Mensch und deshalb habe ich mich für die Spende entschieden. Die Hoffnung ist, dass die Grünen mit ihrer Politik eine Ökologiewende einleiten können. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.

Die Spende ist also reine Privatsache?

Das war eine private Spende, ja. Es war keine Unternehmensspende. Aber auch als Unternehmer stehe ich hinter der finanziellen Zuwendung. Wenn man sich vor Augen führt, was beispielsweise die jüngsten Flutkatastrophen an Milliardenkosten mit sich bringen. Das sind unbeglichene Rechnungen, welche ja irgendjemand irgendwann einmal bezahlen muss. Es ist wie eine kaum zu stemmende Hypothek, die wir unseren Kindern hinterlassen. Klimaschutz ist daher für mich aus der Unternehmerperspektive die profitablere und die kostengünstigere Variante. Man muss die Dinge langfristig betrachten und von hinten nach vorne rechnen. Denn wir laufen Gefahr, die hart erarbeiteten Errungenschaften wie Freiheit, Wohlstand, Gesundheit und auch Sicherheit auf dem Altar des Kurzfristdenkens zu opfern. Wenn in Zukunft Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels ihren Lebensraum verlieren und sich auf den Weg machen, einen neuen zu finden, dann wird das in erster Linie menschenunwürdig, aber aus gesellschaftlicher Sicht auch extrem teuer irgendwann vielleicht sogar unbezahlbar. Das heißt, wenn wir Lebensraum zerstören, dann kostet das am Ende viel Geld. Und als Unternehmer sage ich: Lasst uns dieses Geld sparen, lasst uns neue Wachstumsmodelle entwickeln! Das Thema steckt voller Chancen!

Und bei den anderen Parteien außer den Grünen sehen Sie Defizite in ihrem Kampf gegen den Klimawandel?

Ich traue den Grünen am ehesten zu, so verrückt zu sein, das Wissen aus 40 Jahren Klimaforschung auch umzusetzen. Ich möchte gar nicht schlecht über andere Parteien sprechen. Ich sehe jedoch die Grünen beim Thema Umwelt- und Klimaschutz am konsequentesten. Meine Formel ist relativ einfach: Langfristig sichert umweltbewusste und nachhaltig ausgelegte Politik Freiheit und Wohlstand.

Welche konkreten Maßnahmen erhoffen Sie sich von den Grünen, sollte die Partei nach der Wahl größeren Einfluss haben?

Als Wirtschaftler und als Kaufmann bin ich der Meinung, dass wir aufhören sollten, Kosten zu sozialisieren und auf nachfolgende Generationen zu verlagern. Ich fände es daher gut, wenn CO2-Ausstoß konsequent mit einem Preisschild versehen würde. Auch die Zerstörung von Umwelt generell sollte mit einem Preisschild versehen werden. Ich bin auch überzeugt, dass das Thema Klimaschutz als Jahrhundertaufgabe, die es ist, in alle Ministerien und alle Disziplinen einfließen sollte. Ein Mechanismus, der sicherstellt, dass bei allen Vorhaben dem Pariser Klimaschutzabkommen entsprochen wird, wäre eine gute Lösung. Ich hoffe auch, dass die Politik besser versteht, welchen positiven Beitrag die Immobilienbranche zum Klimaschutz leisten kann.

In der Immobilienbranche sind Energieeffizienz und Umweltbewusstsein seit Jahren wichtige Themen. Erwarten Sie für Ihr Geschäft künftig noch weitere Maßnahmen, möglicherweise Einschränkungen, die Profit kosten können?

Grundsätzlich sehe ich in der anstehenden Bauwende für unsere Branche mehr Chancen als Risiken. Und gerade als Kaufmann und Familienunternehmer weiß ich, dass sich langfristiges Denken auf die Dauer auszahlt, auch wenn es kurzfristig Profit kosten kann. Die Folgen eines unterlassenen Klimaschutzes werden uns viel schneller und viel heftiger treffen, als viele vermuten. Das hat auch die Wissenschaft bereits erkannt: Sie hat sich in der Vergangenheit in Geschwindigkeit und Intensität des Klimawandels getäuscht, die eigentliche Tragweite wurde allgemein unterschätzt. Das heißt: Unser Haus brennt. Und sich jetzt erstmal von der Feuerwehr einen Kostenvoranschlag zu holen und damit zu viel Zeit zu verlieren, ist nicht besonders schlau. Anders formuliert: Wollen wir ernsthaft durchkalkulieren, ob das Überleben des Homo Sapiens bezahlbar ist? Wichtiger wäre nun, endlich ins Handeln zu kommen. Denn jeder Tag, jede Stunde, jede Minute werden die Kosten nur weiter steigen. Und das Tragische ist, es wird nicht nur Geld, sondern auch Menschenleben kosten. Wenn wir die Natur zugunsten des Wohlstandes vernachlässigen, laufen wir Gefahr, am Ende beides zu verlieren.

Welchen Beitrag leisten Sie denn mit Ihrem Unternehmen Ratisbona – Sie sind im Bau von Immobilien für den Lebensmitteleinzelhandel tätig – bereits in Sachen Klima- und Umweltschutz?

Wir haben das Thema seit gut einem Jahr stark im Fokus. Da hat mich persönlich die Fridays-For-Future-Bewegung zu einem starken Umdenken gebracht. Aber wir hatten es auch früher schon auf der Agenda. Wir haben zum Beispiel in Hannover den ersten Passivhaus-Discounter der Welt errichtet. Wir haben uns außerdem frühzeitig dem Bereich Photovoltaik-Anlagen gewidmet. Allerdings haben sich Mieter und Investoren – meist aufgrund der steuerlichen Rahmenbedingungen – leider dagegen entschieden, Supermärkte mit PV-Anlagen auszustatten. Daher haben wir die Immobilien statisch so ausgerichtet, dass sie jederzeit mit entsprechenden Anlagen nachgerüstet werden können. Bis heute haben wir so kumuliert etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Euro investiert. Wir puschen auch sehr stark das Thema Holzbau und haben bereits zehn Netto-Märkte in Holz- oder Holz-Hybridbauweise errichtet. Zudem haben wir mit der Uni in Weihenstephan eine nachhaltige Außenanlage für Supermärkte entwickelt, ein Bereich, dem oft wenig Beachtung geschenkt wird. Wir sind auch seit Jahren dabei, uns mit energetischen Lösungen und Konzepten auseinanderzusetzen.

Sind Sie als Unternehmer zufrieden mit dem, was Sie in dieser Hinsicht tun, oder haben Sie das Gefühl, es müsste noch mehr sein?

Ein Unternehmer ist nie zufrieden, sonst wäre er kein Unternehmer. Und da das Thema Klimaschutz für mich, wie gesagt, eine Herzensangelegenheit ist, gibt es da nie den Optimalzustand. Es geht immer mehr. Ich befinde mich auch laufend im Gespräch mit meinen 150 Mitarbeitern, um sie von der Sache zu überzeugen. Je mehr meiner Mitarbeiter aus tiefster Überzeugung das Thema voranbringen, desto eher wird die Vision einer gelingenden Bau- und Energiewende Wirklichkeit. Und ich habe auch das Gefühl, dass ein Umdenken bereits stattfindet.

Wie ist es mit Geschäftspartnern, Kunden oder Investoren, mit denen Sie zusammenarbeiten, müssen Sie die auch erst vom Sinn der Nachhaltigkeit überzeugen?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir leisten schon viel Überzeugungsarbeit und schieben viel an. Wir merken aber, dass wir als relativ kleines Unternehmen, das inhabergeführt ist, eine Vorreiterrolle einnehmen und vorangehen können, und das macht mir viel Freude.

Was tun Sie privat für den Klimaschutz?

Ich stelle bei uns zu Hause gerade die Heizung um und versuche so, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Ich bewege mich in Regensburg inzwischen auch bei Wind und Wetter ausschließlich mit dem Fahrrad. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass ich mich gesünder und fitter fühle. Ich würde mich als Flexitarier bezeichnen. Hin und wieder habe ich Lust auf Fleisch, versuche aber übermäßigen Konsum zu vermeiden. Das ist natürlich alles nicht perfekt, es ist widersprüchlich und unvollkommen. Das gilt auch für Ratisbona. Hier sind wir ebenfalls von Perfektion noch ein Stück weit entfernt. Dafür ist Nachhaltigkeit einfach zu groß und zu komplex. Wichtig ist jedoch, dass man das Thema ernst nimmt und sich die Zeit nimmt, sich wirklich damit auseinanderzusetzen.

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