Samstag, 25. Mai 2019

Wirtschaftsweisen-Chef Schmidt "Deutschland braucht bei der Energiewende Druck von außen"

Windpark in Brandenburg: Die Wirtschaftsweisen wollen die Energiewende radikal reformieren

3. Teil: "Unseren Nachbarländern macht die deutsche Energiewende keinen Spaß"

mm: Das klingt nach Prinzip Hoffnung. Die Politik tickt anders und schert sich nicht um Ihre Vorschläge. Ein typisches Problem des Sachverständigenrates.

Schmidt: Wir dürfen als Sachverständige keine Fantasten sein, aber auch keine Erfüllungsgehilfen der Politik. Unsere Rolle liegt je nach Sachgebiet irgendwo dazwischen. Wir hinterfragen die Energiewende als gesellschaftlichen Konsens nicht grundsätzlich, sondern versuchen einen sinnvollen Weg für deren Umsetzung aufzuzeigen.

mm: Ihr Quotenmodell dürfte dennoch an der Realität scheitern.

Schmidt: Wir haben mit dem Modell vielleicht nicht die Variante gefunden, welche die Politik am Ende wählen wird. Aber wir haben die Diskussion stark beflügelt und die Debatte bereichert. Deshalb ist unser Beitrag auch dann wertvoll gewesen, wenn das Quotenmodell sich letztlich nicht durchsetzen sollte.

mm: Wenn Ihr Wunschmodell nicht kommt - wie sollte die Förderung der erneuerbaren Energien reformiert werden?

Schmidt: Zunächst wäre es wichtig, den Fördersatz im EEG auf einem niedrigen Niveau für alle Technologien zu harmonisieren, etwa in Höhe des Vergütungssatzes für Onshore-Wind, also etwa neun Cent pro Kilowattstunde. Der nächste Schritt wäre dann das Quotenmodell, und der dritte das Ganze auf die europäische Ebene zu heben. Vor allem muss aber der europäische Emissionshandel revitalisiert werden. Wir denken die Energiewende viel zu national.

mm: Immer wieder sprechen Sie von einem Alleingang Deutschlands bei der Energiewende - was meinen Sie damit eigentlich?

Schmidt: Der 2011 beschlossene Atomausstieg war nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. Nun ist es so, dass wir viel Strom haben, dessen Erzeugung vom Wetter bestimmt wird. Die Spitzen müssen andere Länder abfangen. Das macht denen keinen Spaß.

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