Ulrike Malmendier und Martin Werding Wie die beiden Neuen den Sachverständigenrat verändern

Die neuen Mitglieder Ulrike Malmendier und Martin Werding komplettieren den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – und könnten das Beratergremium wieder näher an die Politik bringen.
Ökonomischer Sachverstand: Das fünfköpfige Beratergremium wird durch Ulrike Malmendier und Martin Werding komplettiert

Ökonomischer Sachverstand: Das fünfköpfige Beratergremium wird durch Ulrike Malmendier und Martin Werding komplettiert

Foto: Edward Caldwell / dpa

Die Begrüßungsworte von Christian Lindner (43) für die beiden prädestinierten Mitglieder des Sachverständigenrates sorgten zunächst für etwas Irritation. So schrieb der Bundesfinanzminister auf Twitter, dass Ulrike Malmendier (48) und Martin Werding (58) "das wichtigste ökonomische Beratergremium in Deutschland künftig mit ihrer Expertise zu Inflation und sozialen Sicherungssystemen unterstützen " werden.

Gehört die Geldwertstabilität neben einer möglichst hohen Beschäftigung, dem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht und einem stetigen Wirtschaftswachstum zu den Zielen, die das Beratergremium verfolgen soll, wurde eine besondere Expertise zu den sozialen Sicherungssystemen im Land bislang zumindest nicht zu den prominentesten Aufgaben des Rats gezählt.

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Doch das könnte sich nun ändern. "Die Bundesregierung muss dringend grundlegende Reformen der sozialen Sicherungssysteme anstoßen", sagte Werding dem "Handelsblatt"  mit Blick auf die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung. Ab dem Jahr 2035 werde die Alterung der Gesellschaft ein enormes Tempo entfalten. "Der ganz große Druck steht uns noch bevor." Werding empfahl deshalb, das Renteneintrittsalter mit der steigenden Lebenserwartung zu erhöhen.

Der Ökonom Werding lehrt an der Ruhr Universität Bochum zu Sozialpolitik und öffentlichen Finanzen und gilt als Experte für Alterssicherung und Familienpolitik. Die mit ihm in den Rat berufene Finanzmarktexpertin Malmendier forscht an der US-Universität Berkeley zur Erwartungsbildung zukünftiger Inflationsraten – ein Thema, das angesichts der momentan hohen Teuerung ebenfalls besonders wichtig ist.

Erstmals sind Frauen im Rat in der Mehrheit

Das Bundeskabinett hatte die beiden am Mittwoch zu "Wirtschaftsweisen" benannt, die die Bundesregierung ökonomisch beraten. Die beiden neuen Mitglieder müssen formal nun nur noch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66) berufen werden, damit wäre das fünfköpfige Gremium nach längerer Zeit wieder komplett – zuletzt hatte der Rat nur noch drei Mitglieder. Mit Malmendier wurde zudem erstmals eine Professorin einer amerikanischen Spitzenuniversität für den Sachverständigenrat gewonnen.

Eine weitere Premiere: Zum ersten Mal sind im 1963 gegründeten Sachverständigenrat künftig Frauen in der Mehrheit, denn neben Werding und Malmendier sind hier auch die beiden Ökonominnen Veronika Grimm (50) und Monika Schnitzer (60) sowie der Wirtschaftswissenschaftler Achim Truger (53) vertreten.

Vor mehr als einem Jahr war der Vorsitzende Lars Feld (56) aus dem Gremium ausgeschieden, die alte Bundesregierung hatte sich nicht auf eine Verlängerung seiner Amtszeit einigen können und auch nicht auf einen Nachfolger. Feld ist mittlerweile als persönlicher Berater von Finanzminister Lindner tätig. Auch Volker Wieland (56) hatte das Beratergremium Ende April verlassen, weit vor dem Ablauf seiner Amtszeit.

In voller Besetzung dürfte das Beratergremium jetzt allerdings wieder an Relevanz gewinnen. So sagte Malmendier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass Politikberatung vor allem nützlich sei, wenn sie mit im Raum sitze. Es wäre besser, zeitnah parallel zur Gesetzgebung zu arbeiten und damit näher dran an der Politik zu sein, "statt einmal im Jahr ein fettes Jahresgutachten zu schreiben".

Doch auch um die Aufgabe werden die Wirtschaftsweisen nicht herumkommen – der gesetzliche Auftrag sieht vor, dass der Rat jedes Jahr ein Jahresgutachten verfasst und bis Mitte November zur Veröffentlichung bringt.

hr mit Nachrichtenagenturen
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