Rückzug aus dem Weltpostverein Wie US-Präsident Trump womöglich Pakete für deutsche Verbraucher verteuert

Pakete in einer DHL-Zustellbasis in Düsseldorf: Ein neuer Schachzug von US-Präsident Donald Trump könnte Pakete für deutsche Verbraucher verteuern

Pakete in einer DHL-Zustellbasis in Düsseldorf: Ein neuer Schachzug von US-Präsident Donald Trump könnte Pakete für deutsche Verbraucher verteuern

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa

Der Pariser Klimavertrag, das Freihandeslabkommen TPP und gerade erst wieder das atomare Abrüstungsabkommen INF  - wenn US-Präsident Donald Trump das Gefühl hat, über den Tisch gezogen worden zu sein oder womöglich einen besseren Deal heraushandeln zu können, kündigt er schnell mal einen Vertrag auf. Auch wenn diesen zähe und lange Verhandlungsarbeit hunderter Teilnehmer zugrunde liegen.

Gerade scheint Trump einmal wieder in Kündigungsstimmung. Während die angekündigte Aufkündigung des INF-Vertrages  weltweit für Schlagzeilen sorgte, ging eine anderer Ausstieg hierzulande ziemlich unter. Dabei könnte sie auch für deutsche Verbraucher womöglich teure Konsequenzen haben.

Betroffen von Trumps Unmut ist diesmal der Weltpostverein , auf englisch Universal Postal Union mit Sitz in Bern, von dem hierzulande die meisten wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben. Dessen Beschlüsse aber viele betreffen. Denn der bereits seit 1874 bestehende Verein regelt die Zusammenarbeit der Postbehörden von 192 Staaten weltweit. Und hat damit ganz praktische Auswirkungen auf den internationalen Brief- und Paketverkehr.

Am Mittwoch ging entsprechend in Bern die Kündigung ein, wie ein Sprecher des Weltpostverbandes am Mittwoch manager magazin online bestätigte.

Im Bemühen, den internationalen Postverkehr zu vereinfachen und auch wirtschaftlich schwächere Länder am internationalen Postverkehr zu beteiligen, legen die Mitgliedsländer bei ihren regelmäßigen Weltpostkongressen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der grenzüberschreitenden Postbeförderung fest. Wobei wirtschaftlich schwächeren Ländern in der Regel günstigere Konditionen gewährt werden als reichen Ländern mit qualitativ hoher,flächendeckender Logistik.

Was Trump mit seiner Austrittsankündigung erreichen will ...

Und genau das stößt Trump bitter auf. Er fühlt sich übervorteilt. Vor allem die Tatsache, dass China, von wo aus Waren in Milliardenwert in die USA eingeführt werden, noch immer von vergleichsweise günstigen Konditionen profitieren kann, bereitet dem US-Präsidenten Ärger.

Von den Vorteilen, von denen China noch vor Jahren als eine Art "Post-Entwicklungsland" profitieren konnte, kann mittlerweile zwar längst keine Rede mehr sein. Dennoch beziffert die US-Regierung den Wert der "Logistik-Subventionen", die China auf diesem Weg erhalte, auf rund 300 Millionen Dollar.

Zahlen, die sich von außen kaum nachprüfen lassen. Sind die Details der Vereinbarungen, auf die sich die teilnehmenden Nationen beim letzte Weltpostkongress 2016 in Istanbul einigten, doch streng geheim. Und auch die nationalen Logistikunternehmen, von denen pro Land jeweils eines ausgewählt wird, die Details der multilateralen Verträge dann konkret auszuhandeln und die Beförderung zu übernehmen, üben sich traditionell in Stillschweigen.

Auch bei der Deutschen Post will man sich offiziell nicht zu den Vorgängen äußern. Schließlich ist noch gar nicht klar, ob die Kündigung der Amerikaner tatsächlich wirksam wird. Schließlich gilt laut UPU-Angaben hier eine Frist von einem Jahr. Doch die Ankündigung sorgt auch hierzulande für Aufregung.

.. und was das für deutsche Kunden bedeutet

Womöglich läuft es statt eines kompletten Austritts der USA aus dem Weltpostverband darauf hinaus, dass die USA im Handelskonflikt mit China ein Zeichen setzen - und einfach bessere Konditionen aushandeln wollen. Und wohl auch den Beitrag zur Finanzierung des Weltpostverbandes, zu der die USA als eines der Gründungsmitglieder den Löwenanteil beitragen, künftig spürbar senken wollen.

In Bern gibt es jedenfalls Hoffnung, den Austritt der Amerikaner noch zu vermeiden . Dass sich die Mitglieder des Weltpostverbandes auch außerhalb des Rhythmus zu einem Sonderkongress treffen könnten, sei durchaus denkbar, hieß es am Montag bei der UPU.

Sollten die USA sich darauf einlassen, könnten allerdings auch andere Länder sich bemüßigt sehen, einen besseren Deal auszuhandeln. Letztendlich könnte die Aufkündigung und womöglich auch ein neuer Deal spürbare Konsequenzen für deutsche Verbraucher haben, glaubt ein Branchenexperte. "Es ist durchaus denkbar, dass die Preise dann steigen."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.