Robuste Konjunktur Rentenbeitrag soll länger stabil bleiben

Die Debatte um eine Rentenreform verschärft sich. Ältere können dennoch aufatmen. Denn die Deutsche Rentenversicherung will den Beitrag für die Rente bis 2022 stabil halten - und damit wohl länger als gedacht.
Rentnerinnen am Kemnader See in Bochum

Rentnerinnen am Kemnader See in Bochum

Foto: Maja Hitij/ picture alliance / dpa

In der scharfen Diskussion um einen Umbau des Rentensystems gibt die Deutsche Rentenversicherung mit ihren neuesten Plänen offenbar zumindest für ältere Menschen vorerst Entwarnung. Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung kann nach einem Bericht der "Bild" länger auf dem aktuellen Niveau bleiben als erwartet. Der Beitragssatz von derzeit 18,7 Prozent solle erst 2022 angehoben werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Angaben der Deutschen Rentenversicherung.

Bislang geht die Bundesregierung offiziell noch von einem Anstieg im Jahr 2021 auf 19,3 Prozent aus - nun sei ein Zuwachs um 0,1 Punkte auf dann 18,8 Prozent im Gespräch. Die endgültige Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen. Grund für die spätere Anhebung seien die guten Einnahmen infolge der robusten Konjunktur. Durch den Anstieg der Beschäftigung und spürbare Lohnerhöhungen sei mehr Geld in der Rentenkasse als erwartet. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung in ihrem Rentenversicherungsbericht erklärt, der Beitrag könne bis 2021 und damit ein Jahr länger als geplant stabil gehalten werden.

Rentendialog geht in die Schlussphase

Über die Zukunft der Rente wird derzeit intensiv diskutiert. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) beendet heute die umfassenden Beratungen über die geplante Rentenreform mit Verbänden, Gewerkschaften und Arbeitgebern. Dazu kommen Spitzenvertreter der Organisationen im Sozialministerium zusammen.

Die große Koalition berät derzeit über Rentenreformen, die noch in dieser Wahlperiode umgesetzt werden könnten. Zugleich wollen sich die Parteien aber auch mit neuen Konzepten für den Bundestagswahlkampf rüsten. Kernproblem bleibt die Alterung der Gesellschaft, so dass immer weniger Jüngere für immer mehr Ältere die Rente finanzieren müssen.

Mitte November will Nahles ein Gesamtkonzept für die Alterssicherung vorlegen. Ihr Ministerium hatte kürzlich prognostiziert, dass das Rentenniveau von derzeit 47,8 Prozent bis 2045 auf 41,6 Prozent sinken werde, wenn der Gesetzgeber nicht gegensteuert. Zentral für sie ist eine Haltelinie beim künftigen Rentenniveau. Wo genau diese liegen soll, hat Nahles bislang offengelassen. Sie plant zudem, die Ostrenten auf Westniveau anzuheben und die Aufwertungen der im Schnitt geringeren Ostlöhne bei der Rente dafür wegfallen zu lassen.

Nach derzeitiger Gesetzeslage soll bis 2030 der Rentenbeitrag nicht über 22 Prozent steigen und das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent sinken. Zur Sicherung des Rentenniveaus werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach Worten von Nahles langfristig jedoch über 22 Prozent des Bruttolohns an die Rentenversicherung überweisen müssen.

Nahles will Beitragsgrenze für Gutverdiener beibehalten

Eine Abschaffung der Renten-Beitragsgrenze für Besserverdiener, wie sie SPD-Generalsekretärin Katarina Barley zur Diskussion gestellt hat, lehnt Nahles ab. "Der Vorschlag verschärft das Problem", sagte sie am Sonntag in der "ARD". Wer die Beitragsbemessungsgrenze abschaffe, erhöhe zwar die Einnahmen der Rentenkasse. Damit stiegen aber auch die Ansprüche der Zahler später bei der Rente. "Wer mehr einzahlt, muss auch mehr rausbekommen."

Wolle man höhere Einkommen stärker beteiligen, müsse vielmehr der Steuerzuschuss zur Rentenkasse steigen. Zum einen dürfe das Rentenniveau nicht zur Rutschbahn werden, zum anderen dürften die Beiträge nicht in die Höhe schießen, sagte die SPD-Politikerin.

rei/kig/reuters/afp/dpa
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