Gesetzliche Rente Ifo kritisiert Kapitalstock-Pläne von SPD, FDP und Grünen

Vor allem die FDP macht sich dafür stark, die gesetzliche Rente mit einem Kapitalstock aus Steuermitteln nachhaltig zu stützen. Forscher halten einen möglichen Fonds von zehn Milliarden Euro dafür allerdings für viel zu klein.
FDP-Chef Christian Lindner: Die FDP macht sich stark für einen aus Steuermitteln finanzierten Kapitalstock in der gesetzlichen Rentenversicherung - und erntet dafür Widerspruch

FDP-Chef Christian Lindner: Die FDP macht sich stark für einen aus Steuermitteln finanzierten Kapitalstock in der gesetzlichen Rentenversicherung - und erntet dafür Widerspruch

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

Aus dem Ifo-Institut wird Kritik an dem von den Ampel-Parteien vorgesehenen steuerfinanzierten Renten-Kapitalstock von zehn Milliarden Euro laut. "Das ist keine geeignete Maßnahme zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Rentenfinanzen", sagte Ifo-Forscher Joachim Ragnitz am Montag. Die Einführung eines Kapitalstocks in der gesetzlichen Rentenversicherung belaste insbesondere die erwerbstätige Bevölkerung zusätzlich. In die gleiche Richtung argumentierte bereits der Bund der Versicherten.

Wenn der Fonds später aufgelöst werde, bekäme jeder zukünftige Rentner nur etwa einen Euro pro Monat. "Letzten Endes kommt diese Idee kurzfristig nur den Verkäufern von Wertpapieren zugute, denn die Rentenkasse soll die zehn Milliarden Euro am Kapitalmarkt anlegen", sagte Ragnitz.

Der tiefere Sinn einer Kapitaldeckung liege darin, einen Kapitalstock aufzubauen, den man dann später dafür verwenden könne, Renten aus dessen Auflösung zu finanzieren. "Derzeit haben rund 41 Millionen Versicherte in Deutschland einen Anspruch auf spätere Rentenzahlungen", rechnete Ragnitz vor. "Mit einem Kapitalstock von nur zehn Milliarden Euro kann man also jedem Rentner einmalig etwa 240 Euro auszahlen."

Selbst wenn man unterstelle, dass die Rentenversicherung mit dem ihr anvertrauten Geld eine überdurchschnittlich hohe Rendite erwirtschaften könne, "ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der keinem Rentner wirklich etwas nützt". Um tatsächlich eine Stabilisierung der gesetzlichen Rente zu erreichen, müsste man einen weitaus höheren Kapitalstock aufbauen als es jetzt vorgesehen sei.

SPD, Grüne und FDP haben sich zum Ziel gesetzt, die gesetzliche Rente zu stärken und das Mindestrentenniveau von 48 Prozent sichern. Rentenkürzungen und eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters soll es nicht geben. "Wir werden in einem ersten Schritt der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2022 aus Haushaltsmitteln einen Kapitalstock von zehn Milliarden Euro zuführen", heißt es in dem Sondierungspapier.

rei/Reuters
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