Starke Erhöhung Renten dürften bis 2023 um 10 Prozent steigen

Mehr als 5 Prozent im kommenden Jahr und rund weitere 5 Prozent in 2023 verheißt der Rentenbericht. Ein so starkes Plus gab es im Westen seit Jahrzehnten nicht mehr.
Wandertag: Wir leben länger, zumeist aktiver, und die Rente steigt deutlich - zumindest in den beiden kommenden Jahren

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Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Die Bezüge der über 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland könnten in den Jahren 2022 und 2023 zusammengenommen um über 10 Prozent steigen. Davon gehen aktuelle Berechnungen des Schätzerkreises Rentenfinanzen aus, wie die Nachrichtenagtur Reuters am Dienstag aus Kreisen des Gremiums erfuhr, dem Vertreter der Rentenversicherung Bund, des Bundesamtes für Soziale Sicherung und des Bundesarbeitsministeriums angehören. Die Deutsche Presseagentur zitiert gleichlautende Zahlen aus dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2021. Die Deutsche Rentenversicherung will diesen Mittwoch über die Finanzprognosen informieren.

Für das kommende Jahr werde zur Jahresmitte mit einer deutlichen Rentenerhöhung im Westen um 5,2 Prozent und im Osten um 5,9 Prozent gerechnet. Auch 2023 ergebe sich nach derzeitiger Einschätzung eine hohe Anpassung von 4,9 Prozent im Westen und 5,7 Prozent im Osten.

Damit dürften die Renten im Westdeutschland im kommenden Jahr so stark steigen wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. 1983 gab es ein Plus von 5,59 Prozent. In Ostdeutschland stiegen die Renten zuletzt 2016 mit einem Plus von 5,95 Prozent in vergleichbarer Höhe wie 2022. Bleibt es bei der nun geschätzten Rentenerhöhung, steigt eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf Westbeiträgen beruht, somit zum 1. Juli um 52 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ostbeiträgen um 59 Euro.

2024 wohl mit einer Nullrunde zu rechnen

Die konkrete Rentenanhebung steht erst im März fest, wenn abschließende Daten zur Lohnentwicklung vorliegen. Die deutlichen Anhebungen sind vor allem eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Einbruch in der Corona-Krise, der sich im kommenden Jahr nach derzeitiger Einschätzung der Bundesregierung fortsetzen dürfte. Wenn Beschäftigung und Löhne steigen, legen in der Regel auch die Renten zu.

Für 2024 gehen die Rentenschätzer in ihren Modellrechnungen allerdings von einer rechnerischen Negativanpassung im Westen um 0,7 Prozent aus. Eine Rentenkürzung ist aber gesetzlich ausgeschlossen. Daher hatte es im laufenden Jahr für die Rentner im Westen eine Nullrunde gegeben, obwohl die Renten aufgrund der zurückgehenden Lohnsumme als Folge des Corona-Einbruchs 2020 rein rechnerisch hätten gekürzt werden müssen. Im Osten waren die Bezüge wegen der bis Ende 2024 vereinbarten schrittweisen West-Ost-Angleichung der Renten um 0,72 Prozent gestiegen.

Die Rentenschätzer gehen davon aus, dass die Reserve der Rentenkasse in laufenden Jahr 2021 leicht steigt. So werde für das Jahresende eine Nachhaltigkeitsrücklage von rund 37,2 Milliarden Euro geschätzt. Dies entspricht knapp 1,6 Monatsausgaben. Ende 2020 waren es 37,1 Milliarden. Festzuhalten sei, "dass die gesetzliche Rentenversicherung die Pandemie bislang sehr gut überstanden hat", heißt es im Entwurf des Rentenversicherungsberichts.

Gehen die Babyboomer-Jahrgänge in Rente, sinkt das Sicherungsniveau

Das Sicherungsniveau vor Steuern, das das Verhältnis von Renten zu Löhnen zeigt, beträgt derzeit 49,4 Prozent. Laut Schätzung soll es im Jahr 2025 mit 49,2 Prozent um 0,2 Prozentpunkte darunter liegen. Gesetzlich ist ein Absinken des Rentenniveaus unter 48 Prozent bis 2025 ausgeschlossen.

Doch die mit der Verrentung der Babyboomer-Jahrgängen erwarteten angespannten Rentenzeiten lassen sich schon jetzt skizzieren. So büßt die Rente laut Berichtsentwurf Sicherungskraft ein: "Längerfristig sinkt das Sicherungsniveau über 47,6 Prozent im Jahr 2030 bis auf 45,7 Prozent zum Ende des Vorausberechnungszeitraums im Jahr 2035." Der Beitragssatz soll nach der vorläufigen Berechnung bis 2023 beim aktuellen Wert von 18,6 Prozent stabil bleiben. Bis 2035 soll er auf 22,3 Prozent steigen.

rei/Reuters, dpa-afx
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