Strahlender Abfall Regierung rechnet mit viel mehr Atommüll - Auch mehr defekte Fässer als bekannt

Kassensturz der Atommüll-Politik: Offenbar gibt es mehr Atommüll-Fässer als bekannt. Zudem muss Deutschland jetzt mehr radioaktiven Abfall entsorgen als als angenommen.
Atommüll-Fässer: Offenbar sind mehr Fässer beschädigt als bekannt

Atommüll-Fässer: Offenbar sind mehr Fässer beschädigt als bekannt

Foto: Vattenfall/ dpa

München - Deutschland muss einem Bericht zufolge in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr Atommüll entsorgen als bislang angenommen, zudem ist die Zahl defekter Atommüllfässer offenbar viel größer als gedacht, heißt es in einem Presse und einem TV-Bericht.

Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, für den bei Salzgitter derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet wird, könnte sich verdoppeln, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf des sogenannten nationalen Entsorgungsplans, den die Bundesregierung mit den Ländern abstimmt.

In dem Dokument zählt der Bund dem Bericht zufolge erstmals auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mit. Dessen Betreiber Urenco lagert dort derzeit 13.000 Tonnen so genannte Urantails, die bei der Anreicherung übrig blieben. Bislang gingen diese Mengen als "Wertstoffe" durch, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen lassen.

Auch Abfälle der Urananreicherung gelten nun als Atommüll

Der Bund rechnet in dem Entsorgungsplan nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung. Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird. Dort lagern 126.000 Fässer Atommüll, die geborgen und neu verpackt werden sollen, um in ferner Zukunft in einem tauglichen Endlager zu landen.

Aus "Gründen der Vorsorge" sei schonungslos abgerechnet worden, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Bundesumweltministerium.

Ziel sind dem Entsorgungsplan zufolge zwei Endlager für den Atommüll: Schacht Konrad für Abfälle, die wenig Wärme entwickeln, sowie ein zweites für den "heißen", in Castoren gelagerten Atommüll. Mit der Suche danach befasst sich derzeit eine Bund-Länder-Kommission. Wie es in dem Bericht weiter heißt, wird auch eine Vergrößerung von Schacht Konrad "nicht ausgeschlossen".

Mehr marode Atommüllfässer als angenommen

Die Grünen begrüßten den Entwurf. Die "ehrliche Einbeziehung" der Urenco-Abfälle sei "sehr positiv", sagte die Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl der Zeitung. Nötig sei nun, die Anreicherung in Gronau ganz zu beenden.

Zudem gibt es offenbar mehr beschädigte Atommüllfässer als bislang angenommen. Von den rund 85.000 Behältern seien fast 2000 verrostet oder anderweitig beschädigt, berichtet das NDR-Politikmagazin "Panorama 3" unter Berufung auf eine Umfrage unter den Aufsichtsbehörden der 16 Bundesländer.

Besonders problematisch sei die Situation im größten oberirdischen Zwischenlager in Karlsruhe, wo Prüfer mehr als 1700 beschädigte Behälter gefunden hätten. Bundesweit im Fokus standen bisher vor allem die gut 100 verrosteten Fässer auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein.

rei/dpa