Sonntag, 22. September 2019

Abgabe für Pflegefirmen Staat scheitert mit Zahlbefehl für Lehrlings-Verweigerer

Fachkräftemangel: "Viele Pflegekräfte sehen sich nach einigen Jahren in einer Überlastungssituation gefangen"

3. Teil: Der Pflegeberuf treibt viele Menschen früh an ihre Grenzen

Daran ändert auch die Reform dieses Jahr nichts: "Das Schulgeld können die Betriebe nicht über die Ausbildungsumlage finanzieren", erklärt Martin Sielaff, Geschäftsführer der Hamburgischen Pflegegesellschaft, die sich um die Abwicklung des Umlageverfahrens kümmert. "Katastrophal" findet bpa-Chef Tews die Tatsache, dass die Länder nicht mehr in kostenlose Schulen investieren. "Es ist ein Unding, dass viele Länder nicht genug Geld für ausreichende Schulplätze zur Verfügung stellen, dann aber den Fachkräftemangel beklagen."

Fraglich ist auch, ob die Argumentation der Länder, dass es eine Notlage mit zu wenig Ausbildungsplätzen gibt, auf Dauer trägt. "Die Branche tut sich generell schwer damit, Arbeitskräfte für eine Karriere in der Pflege zu begeistern", sagt Dirk Werner, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. "Das Problem ist, dass Ausbildung und Berufe in der Pflege zurzeit nicht sehr attraktiv sind. Die Umlage ändert daran nichts - die Qualität der Ausbildung bleibt gleich." Finden sich keine Bewerber für die Ausbildungsplätze, nützt auch eine Zwangsabgabe nichts.

Auch ein weiteres Problem löst die Umlage nicht: "Der Fachkräftemangel in der Pflege ist nicht so dramatisch, weil sich keine jungen Menschen mehr für diesen Beruf finden", sagt Michael Burkhart, Partner und Experte für den Gesundheitsmarkt bei PwC. "Das Problem ist vielmehr, dass erfahrene und qualifizierte Pflegekräfte ihren Beruf oft schon nach rund acht Jahren aufgeben." Der Pflegeberuf treibt offenbar viele Menschen früh an ihre Grenzen: Schicht- und Wochenendarbeit sind anstrengend und lassen sich oft nicht mit Familienpflichten verbinden.

"Immer mehr Patienten sind zudem übergewichtig und dement, ihre Pflege wird dadurch körperlich und psychisch anstrengender", sagt Burkhart. "Viele Pflegekräfte sehen sich nach einigen Jahren in einer Überlastungssituation gefangen. Denn Aufstiegsmöglichkeiten gibt es für examinierte Pfleger kaum." Die Ausbildungsumlage würde an diesem grundlegenden Problem wenig ändern, sagt Burkhart. "Viel entscheidender wäre es, die ausgebildeten Fachkräfte länger im Beruf zu halten." Etwa durch flexiblere Arbeitszeitmodelle, mehr Wertschätzung für die Leistung der Pflegekräfte und bessere Aufstiegsmöglichkeiten.

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