Konjunkturprognosen "Arbeitsmarkt kann auch verlängertem Lockdown standhalten"

Der Lockdown wird die Wirtschaft im ersten Quartal bremsen. Das erwarten DIW-Forscher und die Bundesregierung. Der Arbeitsmarkt könne aber auch einem verlängertem Lockdown standhalten, ist die Arbeitsagentur überzeugt.
"Der Arbeitsmarkt hält sich in der Krise gut": Die Arbeitsagenturen sind trotz für den deutschen Arbeitsmarkt noch vergleichsweise postitiv gestimmt

"Der Arbeitsmarkt hält sich in der Krise gut": Die Arbeitsagenturen sind trotz für den deutschen Arbeitsmarkt noch vergleichsweise postitiv gestimmt

Foto: Sebastian Kahnert/ DPA

Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie bremst die deutsche Wirtschaft nach Ansicht des DIW-Instituts derzeit kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im ersten Quartal um 3 Prozent sinken, nach einer Stagnation Ende 2020, teilten die Berliner Forscher am Mittwoch mit.

"Wir gehen davon aus, dass der harte Lockdown bis Ende Februar aufrechterhalten und dann allmählich aufgehoben wird – und das ist das optimistische Szenario", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Weiter sagte der Ökonom: "Vor der deutschen Wirtschaft liegt also ein langer und steiniger Weg, bevor sie wieder wachsen kann."

"Vor der deutschen Wirtschaft liegt ein langer und steiniger Weg"

Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik beim DIW

Die Industriebetriebe waren laut DIW auf die aktuelle Situation wohl besser vorbereitet als während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. "Lieferketten scheinen bislang nicht so gravierend gestört und die Exportnachfrage ist nicht eingebrochen." Die anhaltenden Einschränkungen dürften aber nach und nach auch die Industrie beeinträchtigen, erklärte DIW-Experte Simon Junker. Ein längerer Lockdown würde sich vor allem auf das zweite Quartal negativ auswirken. "Lässt sich indes das Infektionsgeschehen eindämmen, besteht die Hoffnung auf eine rasche Erholung, wie sie auch im dritten Quartal des vergangenen Jahres eingesetzt hatte."

Bundesregierung schraubt Konjunkturprognose herunter

Die Bundesregierung selbst rechnet mit einem schwierigeren und längeren Weg aus der coronabedingten Wirtschaftskrise. Sie schraubt die Konjunkturprognose für dieses Jahr herunter. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde weiter maßgeblich vom Pandemieverlauf und den Maßnahmen zur Eindämmung beeinflusst, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) stellt den Bericht am Mittwochmittag vor.

Nach einem Einbruch der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr laut Bericht mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,0 Prozent. Die Wirtschaftsleistung vor der Krise dürfte erst zur Mitte des Jahres 2022 wieder erreicht werden.

In seiner Ende Oktober vorgelegten Herbstprognose hatte Altmaier für 2021 noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 4,4 Prozent gerechnet. Damals hieß es, das Vorkrisenniveau werde frühestens zum Jahreswechsel 2021/2022 wieder erreicht werden.

Der Lockdown habe eine erhebliche Verlangsamung der Konjunkturdynamik bewirkt. Die Pandemie werde die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal noch deutlich beeinträchtigen, heißt es auch im Jahreswirtschaftsbericht. Der Jahresprojektion liegt die Annahme zugrunde, dass der im Dezember verschärfte Lockdown bis in den Februar hinein bestehen bleibt und die Wertschöpfung in den betroffenen Bereichen schrittweise wieder anläuft. Der Lockdown ist bisher bis Mitte Februar befristet. Angesichts der Gefahr durch mutierte Corona-Varianten gilt es aber auch als möglich, dass der Lockdown noch einmal verlängert wird.

"Arbeitsmarkt kann auch verlängertem Lockdown standhalten"

Die vor dem zweiten Lockdown beobachtete positive Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte sich erst im Frühjahr fortsetzen. "Steigende Erwerbstätigkeit und Löhne sorgen dann für Einkommenszuwächse und stützen den privaten Konsum", heißt es in dem Bericht weiter.

Die Arbeitsagenturen selbst rechnen nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) trotz anhaltenden Lockdowns weiterhin nicht mit einem Einbruch des Arbeitsmarkts. Die Behörden erwarten, "dass der Arbeitsmarkt insgesamt auch einem verlängerten Lockdown standhalten kann", wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Mittwoch mitteilte. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer fiel demnach im Januar dennoch um 0,4 Zähler auf 100,2 Punkte.

"Der Arbeitsmarkt hält sich in der Krise gut", erklärte IAB-Experte Enzo Weber. Die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung seit November verursachten deutlich geringere wirtschaftliche Einbrüche und weniger Unsicherheit als im Frühjahr 2020. "Mit der Perspektive der Impfungen vor Augen halten die Betriebe an ihren Beschäftigten fest", erklärte Weber weiter. "Eine durchgreifende Erholung" werde aber nicht einfach, Neueinstellungen seien derzeit bei vielen Betrieben kein Plan. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen fiel im Januar im Vergleich zum Dezember leicht, bestätigte am Mittwoch auch Ifo-Institut.

Das IAB-Barometer gilt als Frühindikator für die Arbeitsmarktentwicklung und basiert auf einer monatlichen Umfrage unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Der Index setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einer zur Vorhersage der Arbeitslosenzahlen in den nächsten drei Monaten und einer zur Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Die Skala reicht von 90 Punkten für eine sehr schlechte Entwicklung bis zu 110 Punkten für eine sehr gute Entwicklung.

Der Teilindex für die Arbeitslosigkeit gab im Januar um 0,5 Punkte nach. Der Stand von 101,6 Punkten deutet aber nach wie vor auf sinkende Arbeitslosigkeit hin. Die Beschäftigungskomponente sank derweil um 0,4 auf 98,9 Punkte. Das IAB verwies darauf, dass die jüngste Befragung bis Mitte Januar lief und die Verlängerung des Lockdowns noch nicht beschlossen war - "allerdings wohl absehbar".

rei/Reuters, DPA, dpa-afx