Montag, 20. Januar 2020

SPD-Chef Gabriel "Viele Dinge werden sich für die Menschen zum Besseren wenden"

2. Teil: Diese neue/alte "Mannschaft" wird Deutschland regieren

Angela Merkel (CDU, 59 Jahre) wird zum dritten Mal Bundeskanzlerin. Unangefochten steht sie - gestärkt durch die 41,5 Prozent für die Union bei der Bundestagswahl - an der Spitze von Regierung und Partei. Es ist nach Rot-Schwarz von 2005 bis 2009 bereits ihre zweite große Koalition.

Wolfgang Schäuble (CDU, 71 Jahre) hat schon viele Ämter bekleidet. Er bleibt, was er ist: Bundesfinanzminister. Die Aufgabe übte er in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt wegen ihrer europäischen Dimension - mit Leidenschaft aus. Die Kanzlerin setzt offenbar weiterhin auf die Erfahrung des gebürtigen Freiburgers und den Respekt, den der Jurist auch international genießt
Thomas de Maizière (CDU, 59 Jahre): In der Euro-Hawk-Affäre hat das Image des bisherigen Verteidigungsministers als geräuschlosem Macher gelitten. Doch der langjährige Wegbegleiter von Merkel genießt offenbar weiterhin das Vertrauen der Regierungschefin. Jetzt kehrt er auf den Sessel des Innenministers zurück. Das Amt hatte er bereits bis zum Frühjahr 2011 inne.

Ursula von der Leyen (CDU, 55 Jahre) ist eine der prominentesten CDU-Politikerinnen. Wegen des Zugriffs der SPD auf ihr Arbeitsministerium wechselt sie nun ins Verteidigungsressort. Sie ist die erste Frau in diesem wichtigen Amt - und demonstriert damit auch ihre Ambitionen auf höhere Weihen.
Peter Altmaier (CDU, 55 Jahre) plagte sich als Umweltminister eineinhalb Jahre mit der Energiewende ab. Auf Kritik stieß er dabei auch in den eigenen Reihen. Als Vertrauter von Merkel soll er Nachfolger von Ronald Pofalla (CDU) als Kanzleramtsminister werden. Er scheidet aus dem Kabinett aus.

Hermann Gröhe (CDU, 53 Jahre) übernimmt das Gesundheitsministerium. Der bisherige CDU-Generalsekretär erhält damit den Dank für den erfolgreichen Wahlkampf der CDU. Er hat sich in der Gesundheitspolitik bislang zwar kaum hervorgetan. Schwarz-Rot plant in diesem Ressort aber auch keine großen Weichenstellungen.
Johanna Wanka (CDU, 62 Jahre) war vor der Bundestagswahl gerade mal sieben Monate im Amt - und darf nun weiter Bundesbildungsministerin sein. Die Mathematikerin erwarb sich mit ihrer ruhigen Arbeit Respekt, dürfte in den kommenden Jahren aber auch noch einige Probleme zu lösen haben. Darunter ist auch der ewige Zankapfel Bildungsförderung durch den Bund, wo Union und SPD ziemlich unterschiedliche Vorstellungen haben.

Monika Grütters (CDU, 51 Jahre) wird für die CDU neue Kulturstaatsministerin im Kanzleramt. Die Berlinerin war bislang Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien.
Alexander Dobrindt (CSU, 43 Jahre), kassiert mit dem Wechsel in die Bundesregierung den Lohn für fast fünf Jahre als CSU-Generalsekretär. Er wird neuer Verkehrsminister mit der Zuständigkeit für digitale Infrastruktur.
Hans-Peter Friedrich (CSU, 56 Jahre) wäre zwar gerne Innenminister geblieben, wechselt nun aber ins Landwirtschaftsministerium. Im bisherigen Amt hat er wegen der Ausspähaffäre um den US-Geheimdienst NSA viel Kritik auf sich gezogen.

Gerd Müller (CSU, 58 Jahre) übernimmt das Entwicklungshilfeministerium. Er war seit 2005 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Sigmar Gabriel (SPD, 54 Jahre) hat die SPD nach der enttäuschenden Wahl mit Geduld, Überzeugungskraft und ruhiger Hand in Richtung große Koalition geführt. Als SPD-Chef ist er derzeit unangefochten. Nun wird er Minister für Wirtschaft und Energie - und kann sich dabei auf das nächste große Ziel vorbereiten: die Kanzlerschaft.

Andrea Nahles (SPD, 43 Jahre) hat für ihre Partei die Koalitionsverhandlungen zum Bereich Arbeit und Soziales geführt. Da ist es nur folgerichtig, dass sich die bisherige Generalsekretärin der SPD als künftige Bundesministerin für diese Ressorts um den gesetzlichen Mindestlohn oder die im Koalitionsvertrag verabredeten Leistungsverbesserungen in der Rente kümmert.
Frank-Walter Steinmeier (SPD, 57 Jahre) wird das werden, was er schon einmal war: Bundesaußenminister. Die Partei schätzt den bisherigen Fraktionschef für seine unaufgeregte Sachkompetenz. Fehltritte und unbedachte Äußerungen sind bei Steinmeier nicht zu befürchten. Als enger Mitstreiter des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder war er für die Agenda 2010 mitverantwortlich, auf die die SPD nicht mehr gut zu sprechen ist.

Manuela Schwesig (SPD, 39 Jahre) zählt zu den großen Zukunftshoffnungen der SPD. Jung und selbstbewusst hat sich die stellvertretende Parteivorsitzende hochgearbeitet - und wird jetzt mit dem Familienministerium belohnt. Als Verhandlungsführerin bei den Koalitionsgesprächen musste sie ein paar Kröten schlucken: das ungeliebte Betreuungsgeld bleibt, die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe wird es nicht geben
Heiko Maas (SPD, 47 Jahre) wird überraschenderweise das Justizministerium übernehmen, ergänzt um den Verbraucherschutz. Der bisherige Landesparteichef und Wirtschaftsminister vertritt den linken Flügel der SPD im neuen Bundeskabinett. Dreimal hat er vergeblich versucht, Ministerpräsident des Saarlandes zu werden. Für sein neues Amt in Berlin bringt er auf jeden Fall die Qualifikation mit: Er ist Jurist im ersten und zweiten Staatsexamen.

Barbara Hendricks (SPD, 61 Jahre) hat sich bislang eher auf dem Feld der Finanzen einen Namen gemacht - trotzdem wird sie nun Umweltministerin werden. Die gelernte Gymnasiallehrerin hat ihr neues Amt wohl auch dem Regionalproporz zu verdanken: Sie stammt aus Nordrhein-Westfalen. Die einstige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium in der rot-grünen Koalition ist bislang SPD-Schatzmeisterin.
Aydan Özoguz (46 Jahre) wird neue Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende hat maßgeblich am Kompromiss bei der doppelten Staatsbürgerschaft mitgewirkt.

rei/dpa/afp

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