Mehr Arbeit, weniger Geld Ostdeutsche erhalten im Schnitt 12.000 Euro weniger als Kollegen im Westen

Im Jahr 2020 verdienten Beschäftigte in Ostdeutschland im Schnitt 12.000 Euro weniger als ihre Kollegen im Westen – trotz höherer Wochenarbeitszeit. Allerdings sind nach wie vor die Kosten für die Lebenshaltung in den neuen Bundesländern niedriger.
Produktionsbetrieb in Sachsen: Im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich verdienten Beschäftigte im Jahr 2020 noch deutlich weniger als die Kollegen in Westdeutschland

Produktionsbetrieb in Sachsen: Im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich verdienten Beschäftigte im Jahr 2020 noch deutlich weniger als die Kollegen in Westdeutschland

Foto: Rainer Weisflog / imago images

Beschäftigte in den ostdeutschen Bundesländern haben im Jahr 2020 rund 12.000 Euro weniger als Beschäftigte in westdeutschen Bundesländern erhalten. Das geht aus einer Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Demnach verdienten ostdeutsche Beschäftigte im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im Jahr 2020 durchschnittlich 39.462 Euro brutto und erhielten im Schnitt 2642 Euro an Sonderzahlungen. In den Bundesländern der früheren Bundesrepublik erhielten die Beschäftigten demnach 48.974 Euro brutto und 5096 Euro an Sonderzahlungen.

Lebenshaltungskosten in den alten Bundesländern niedriger als Ostdeutschland

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Lebenshaltungskosten in Ostdeutschland im Schnitt noch niedriger als im Westen. Nach einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes  hatte ein privater Haushalt im Jahr 2020 in den neuen Bundesländern (inklusive Berlin) Lebenshaltungskosten von 2155 Euro im Monat, in den alten Bundesländern waren es 2600 Euro.

Während die Haushalte im Westen Deutschlands für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Bekleidung nur geringfügig mehr ausgaben als die Menschen im Osten, unterschieden sich die Kosten für Wohnraum deutlich. Schlugen letztere in den alten Bundesländern durchschnittlich mit 967 Euro pro Haushalt und Monat zu Buche, waren es in den neuen Bundesländern 757 Euro.

Lohngefälle nimmt kaum ab

Damit verdienten Beschäftigte in Ostdeutschland im Schnitt 11.967 Euro weniger als die Beschäftigten in Westdeutschland. Zugleich war die bezahlte durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Osten im Jahr 2020 mit 38,6 Stunden höher als im Westen mit 37,9 Stunden. Im Vor-Pandemiejahr 2019 war die Differenz den Daten zufolge mit 12.354 Euro noch größer, der Arbeitszeitunterschied lag bei 0,5 Stunden (39,6 Stunden im Osten und 39,1 Stunden im Westen).

Die Linke forderte eine Angleichung der Löhne. "Mehr arbeiten und deutlich weniger verdienen? Die Unterschiede zwischen Ost und West sind inakzeptabel", sagte der Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch (63) den Funke-Zeitungen. Er fordert gleichwertige Lebensverhältnisse und Leistungsgerechtigkeit ein. "Ostdeutsche kommen deutlich zu kurz. Das muss sich dringend ändern", mahnte Bartsch.

rei/AFP