Schloss Hachenburg Die Originaldokumente: Wie die Bundesbank um ihre Schloss-Schule kämpft

Immer schreibbereit: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in seinem Büro.

Immer schreibbereit: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in seinem Büro.

Foto: © Kai Pfaffenbach / Reuters/ REUTERS

Exakt 37.636 Euro kostet die Bundesbank jeder Studierende pro Jahr auf der hauseigenen Hochschule. Damit geben die Frankfurter deutlich mehr aus als viele private Universitäten. Und teurer als die Hochschulen anderer öffentlicher Institutionen zur Ausbildung des Nachwuchs für den gehobenen Dienst ist das sowieso, wie der Bundesrechnungshof in einem Brief an die Notenbanker rügt.

Ein besonders sperriger Kostenblock ist dabei das Lehrgebäude selbst: Der Unterhalt des Schlosses Hachenburg verschlingt pro Jahr allein 3,1 Millionen Euro. Was die Kostenwächter zudem nervt: Die Bundesbank weiß schon lange von ihrer diskussionswürdigen Ausnahmestellung - und hat bislang trotzdem nichts unternommen.

So steht der Streit um die Schloss-Schule stellvertretend für die Identitätskrise der Bundesbank. Einst eine der einflussreichsten Institutionen der Bundesrepublik, hat sie inzwischen Kompetenzen und Interpretations-Monopole an die Europäische Zentralbank und die Finanzaufsicht BaFin verloren. Dennoch kämpft die Bundesbank-Führung um den Präsidenten Jens Weidmann darum, die Insignien der einstigen Ausnahmestellung zu erhalten.

Einen seltenen Einblick, wie die Frankfurter das versuchen, gewähren die Dokumente von Bundesrechnungshof und Bundesbank-Vorstand rund um den Streitfall Schloss Hachenburg. Wir dokumentieren sie deswegen nachfolgend.

Die Rüge des Rechnungshofes

Im August 2014 schicken die Kosten-Wächter den Notenbankern ein vergleichsweise vernichtendes Verdikt zu deren hauseigener Hochschule auf Schloss Hachenburg. Sie sei übermäßig teuer, die Argumente dafür "beruhten in weiten Teilen auf ungesicherten Annahmen und Prognosen". Die Bundesbank möge doch bitte mal überlegen, wie man die Verschwendung aus dem Hochschulbetrieb ausmerzen könne. Frist: Ende März 2016.

Lesen Sie hier das Originaldokument (3 Seiten, 178 KB)

Thieles Brief an seine Vorstandskollegen

Muss rechnen: Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele, hier auf einer Konferenz 2013.

Muss rechnen: Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele, hier auf einer Konferenz 2013.

Foto: REUTERS

Carl-Ludwig Thiele, im Bundesbank-Vorstand außer für Bargeld unter anderem auch zuständig für die ökonomische Bildung zuständig , hat sich der Sache angenommen. In seinem zweiseitigen Brief vom 13. Mai 2015 verschont der 61-Jährige seine Vorstandskollegen aber mit allzu viel Details. Sein Schwerpunkt liegt auf einem eher nachgeordneten Details der Rechnungshof-Rüge: der hohen Rabatte, die die Bundesbank der Finanzaufsicht BaFin für die Ausbildung deren Studenten auf Schloss Hachenburg einräumt.

Die Vorstandsvorlage zu Schloss Hachenburg

Lesen Sie hier das Originaldokument (2 Seiten, 83 KB) In seiner Vorstandsvorlage referiert Vorstand Thiele kurz die Berechnungen des Zentralbereichs C, etwa die "Vollkosten" von Schloss Hachenburg von 12 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Die Vollverpflegung der Studierenden ist wörtlich zu nehmen: 55,69 Euro veranschlagt die Bundesbank dafür pro Tag.

Die Finanzaufsicht BaFin, die ihren Nachwuchs für den gehobenen Dienst auch auf dem Schloss ausbilden lassen darf, freut sich seit 1981 über einen satten Rabatt. Thieles Lösung: Der Discount wird gestrichen, statt knapp 109.000 Euro muss die BaFin künftig knapp 992.000 Euro zahlen.

Lesen Sie hier das Originaldokument (3 Seiten, 136 KB)

Die Kosten von Schloss Hachenburg im Detail

Für Feinschmecker die Anlage zu Thieles Vorstandsvorlage: Die Kosten der Hochschule auf Schloss Hachenburg, aufgelistet nach 97 Einzelpositionen.

Lesen Sie hier das Originaldokument (1 Seite, 136 KB)