Samstag, 21. September 2019

Teure Energiewende Ökostromumlage bald sieben Cent teuer?

Strompreis in Deutschland: Unternehmen klagen über Wettbewerbsnachteile, Haushalte über steigende Stromrechnungen

Die Energiewende wollen fast alle Deutschen, ihre Jobs bei den Energieriesen sollen aber nicht verloren gehen - und bezahlen sollen die Wende die anderen. Doch all das gelingt immer weniger: Die Ökostromumlage könnte nach Angaben der Netzfirmen im Jahr 2015 auf sieben Cent steigen.

Berlin - Die Umlage zur Förderung des Ökostroms wird für die Verbraucher einer Prognose der Netzbetreiber zufolge weiter steigen. Die Haushalte müssten demnach 2015 zwischen 5,85 und 6,86 Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen, teilten die vier großen Netzbetreiber am Freitag mit.

Für 2014 sind bereits 6,24 Cent festgelegt, was eine Belastung für den Durchschnittshaushalt von rund 250 Euro im Jahr bedeutet. Der Prognose zufolge könnte sie dann 2015 auf bis zu etwa 280 Euro klettern. Zudem lagen die Netzbetreiber im vergangenen Jahr mit ihrer Vorhersage zu niedrig. Sie waren von einer Umlage-Höhe für 2014 von maximal 5,74 Cent ausgegangen - statt der nun errechneten 6,24 Cent. Die Ökostrom-Branche erklärte, angesichts sinkender Börsenpreise könnten die Stromtarife insgesamt trotz steigender Umlage zurückgehen.

Union und SPD haben wegen des Preisanstiegs der vergangenen Jahre in den Koalitionsverhandlungen eine Reihe von Reformen vereinbart, um die Stromkosten zu dämpfen, die in der Prognose noch nicht berücksichtigt sind. Sie sollen im Wesentlichen 2015 greifen. Über die Umlage finanzieren die Verbraucher die Differenz zwischen den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom und dem niedrigeren Marktpreis an der Strombörse.

Ökostrombranche: Strompreis könnte 2015 sinken

Darüber hinaus gehen die Netzbetreiber davon aus, dass die Ökostrom-Produktion bis 2018 um 70 Prozent steigt. Damit wäre - bei gleichbleibendem Verbrauch - bereits dann ein Anteil von fast 40 Prozent erreicht. Die Union möchte 40 Prozent als Obergrenze für den Ausbau bis 2020 im Koalitionsvertrag verankern. Die SPD will aber mehr.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) verwies darauf, dass beim Mittel der Prognose die Umlage kaum steigen würde. Vor allem aber würden parallel die Börsenpreise für Strom noch weiter als 2014 sinken. "Unterm Strich könnten die Endkundenpreise 2015 sinken", erklärte der BEE. Zudem seien die Prognosen für den Zubau von Wind- und Sonnenenergie der Netzbetreiber deutlich überhöht.

Entlastung für die Haushalte könnte zudem über die EU-Kommission kommen. Sie hat die Privilegien für zahlreiche große Industrie-Stromverbraucher im Visier, die von der Umlage ausgenommen sind. Um einem Beihilfeverfahren entgegenzuwirken, will die Bundesregierung diese Ausnahmen überprüfen. Zahlen die Industriekunden mehr für die Ökostrom-Förderung, können die übrigen Verbraucher wie die Haushalte weniger zahlen.

kst/rtr

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