Samstag, 18. Januar 2020

Nach NSA-Spähaffäre Telekom und United Internet wollen E-Mails verschlüsseln

Sehen sichere Geschäftschance: Telekom-Chef Rene Obermann (r), und Unites-Internet-Gründer Ralph Dommermuth,

Angesichts der US-Spähaffäre hat die Deutsche Telekom gemeinsam mit den Diensten GMX und Web.de eine Initiative zur sicheren Übertragung von E-Mails gestartet. Die E-Mails von Nutzern der deutschen Anbieter werden zwischen den Diensten künftig verschlüsselt übermittelt.

Berlin - Die Konkurrenten Deutsche Telekom und United Internet (Web.de, GMX) wollen ihren Kunden gemeinsam einen sicheren E-Mail-Verkehr anbieten. Unter dem Motto "E-Mail Made in Germany" stellten die Chefs der beiden Unternehmen am Freitag eine entsprechende Initiative vor.

Dabei werden Mails auf ihrem Weg zwischen den Rechenzentren der Unternehmen mit dem Netzwerkprotokoll SSL verschlüsselt. Zudem würden alle Daten "in sicheren Rechenzentren in Deutschland" gespeichert, erklärten die Unternehmen.

Die Dienste der Telekom, von GMX und Web.de stehen nach Angaben der Unternehmen für zwei Drittel der von den Nutzern in Deutschland vorrangig genutzten E-Mail-Konten. Insgesamt verwalten die Unternehmen demnach über 50 Millionen E-Mail-Adressen.

Die Speicherung der E-Mail-Daten erfolge in deutschen Rechenzentren nach deutschen Datenschutzstandards, teilten die Unternehmen mit. Es werde der gesamte Datenverkehr verschlüsselt, also E-Mail-Inhalte und sogenannte Metadaten wie Absender und Empfänger. Ein Zugriff auf die Daten durch Behörden wie etwa Staatsanwaltschaften sei "nur nach deutschem Recht" möglich, also mit richterlichem Beschluss, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth. "Zugriffe irgendwelcher ausländischer Instanzen" seien somit nicht möglich.

Damit reagieren die Telekom Börsen-Chart zeigenund United Internet Börsen-Chart zeigen auf wachsende Verunsicherung bei Nutzern nach den Enthüllungen über umfassende und praktisch grenzenlose Ausspähmöglichkeiten der Geheimdienste. Die Internetbranche verzeichnete seit Beginn der Berichte über die Überwachung von Internetverkehr und Telefondaten einen deutlichen Vertrauenseinbruch.

mihec/dpa,afp

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