Landtagswahl in NRW Hannelore Kraft stürzt mit der SPD in den Abgrund

Hannelore Kraft trat noch am Wahlabend als NRW-Landeschefin der SPD sowie als Parteivize im Bund zurück

Hannelore Kraft trat noch am Wahlabend als NRW-Landeschefin der SPD sowie als Parteivize im Bund zurück

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Landtagswahl in NRW: CDU triumphiert, SPD stürzt ab

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Für Hannelore Kraft war dieser Sonntag ein Debakel: Sie verlor bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen nicht nur ihre Regierungsmehrheit, die Sozialdemokraten stürzten mit nur noch rund 31,2 Prozent auch auf ihr bislang schlechtestes Ergebnis auf Landesebene. "Ich übernehme persönlich die Verantwortung", sagte die Ministerpräsidentin und trat rund eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale als Landesvorsitzende sowie als stellvertretende Parteichefin im Bund zurück.

In ihrer ersten Stellungnahme räumte die Noch-Ministerpräsidentin ein, dass die SPD "das Vertrauen der Wähler nicht mehr gewinnen" konnte. Mit ihrem Rückzug wolle sie der Landespartei nun "eine Chance auf einen Neuanfang" im bevölkerungsreichsten Bundesland einräumen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis blieb die SPD hinter der CDU (33 Prozent) mit Armin Laschet an der Spitze zurück. An ihn dürfte Kraft damit auch die Regierungsführung abgeben müssen.

Es war das dritte Mal, dass Kraft die SPD in Nordrhein-Westfalen in eine Landtagswahl führte. Die beiden vorherigen Machtkämpfe mit ihren CDU-Konkurrenten hatte die SPD-Frontfrau jeweils für sich entscheiden können.

Kraft war seit 2010 Ministerpräsidentin von NRW

2010 verlor der damalige CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sein Amt, weil Kraft nach der Landtagswahl eine rot-grüne Minderheitsregierung bildete. Nach deren Scheitern 2012 fuhr Kraft bei der anschließenden Neuwahl einen Kantersieg über ihren CDU-Herausforderer Norbert Röttgen ein.

Die heute 55-Jährige hatte nach dem SPD-Wahldesaster 2005, als der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) seinem Herausforderer Rüttgers unterlag, den Vorsitz der Düsseldorfer SPD-Landtagsfraktion übernommen. 2007 wurde die Diplom-Ökonomin mit Auslandsstudium am Londoner King's College Chefin des bundesweit mitgliederstärksten SPD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen.

Zuvor hatte Kraft in der SPD seit ihrem Parteieintritt 1994 eine Blitzkarriere hingelegt. Schon nach der NRW-Wahl im Jahr 2000 schaffte sie den Sprung ins Landeskabinett unter dem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Knapp eineinhalb Jahre lang war Kraft zunächst Europaministerin, von November 2002 bis Juli 2005 dann im Kabinett von Clements Nachfolger Steinbrück Ministerin für Wissenschaft und Forschung.

Kraft wollte nie ins Kanzleramt

Spätestens seit Krafts Wahlsieg vor fünf Jahren wurde auch viel über mögliche bundespolitische Ambitionen spekuliert, also über einen Wechsel der damaligen SPD-Hoffnungsträgerin in die Bundespolitik. Doch einem Spitzenamt in Berlin erteilte die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohns wiederholt eine Absage. Im Herbst 2013 verkündete sie in für Politiker ungewohnter Deutlichkeit, sie werde "nie, nie" als Kanzlerkandidatin antreten.

Als eine der größten Stärken der Mülheimerin gilt ihre Fähigkeit, auf fremde Menschen zuzugehen und diese für sich zu gewinnen. Bei solchen Gelegenheiten verfällt Kraft auch gern in den Dialekt ihrer Ruhrgebietsheimat: Sie sagt dann "wat" und "dat" statt "was" und "das", und das wirkt bei ihr durchaus nicht anbiedernd.

Auch als bekennende Anhängerin des Fußballerstligisten Borussia Mönchengladbach steht Kraft, die früher selbst aktiv Handball spielte, zu ihrer Ruhr-Identität. Im Wahlkampf versuchte sie ein weiteres Mal, sich bei ihren Auftritten als die sich um die Sorgen der Menschen kümmernde Landesmutter mit Bodenhaftung Pluspunkte zu verschaffen - diesmal allerdings ohne den erhofften Erfolg.

Wie es dazu kommen konnte, will die SPD nun analysieren. Immerhin lagen die Sozialdemokraten in Umfragen fast den gesamten Wahlkampf über deutlich in Führung, erst in den letzten beiden Wochen schmolz der Vorsprung dahin. Kraft kann immerhin für sich verbuchen, dass bis zuletzt demnach eine Mehrheit der Bürger lieber sie als Ministerpräsidentin sehen wollte, als einen Regierungschef Laschet zu bekommen. Ausschlaggebend war dies bei der Wahl dann jedoch nicht.

mg/afp
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