Präsident Müller Netzagentur schlägt bei Gas-Engpass Auktionsmodell für Industrie vor

Wird Erdgas knapp, muss die Industrie mit massiven Einschränkungen rechnen. Für den Ernstfall erwägt Netzagentur-Chef Klaus Müller nun ein Auktionsmodell für die Industrie, um deren Schäden möglichst gering zu halten.
Klaus Müller: "Der Markt weiß besser als der Staat, wo sich Energie am effizientesten einsparen lässt"

Klaus Müller: "Der Markt weiß besser als der Staat, wo sich Energie am effizientesten einsparen lässt"

Foto: Christophe Gateau / dpa

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat für den Fall eines Gas-Engpasses die Versteigerung von Gas-Verbrauchsrechten in der Industrie ins Spiel gebracht. "Beim Kohleausstieg nutzen wir ein Auktionsmodell, um mit ökonomischen Anreizen die effizienteste Abschaltung von Kraftwerken zu erreichen", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"). "Solche Anreize kann ich mir für den Industriebereich auch vorstellen. Der Markt weiß besser als der Staat, wo sich Energie am effizientesten einsparen lässt."

In den vergangenen Tagen war eine Debatte um die Frage entbrannt, wer im Fall eines russischen Gas-Lieferstopps bevorzugt versorgt wird. Ein Notfallplan sieht drei Stufen vor: Die erste Stufe, die Frühwarnstufe, war von der Bundesregierung ausgerufen worden. In der letzten Stufe, der Notfallstufe, müsste der Staat einschreiten. Möglich wäre dann die Abschaltung von Industriekunden. Private Haushalte dagegen sind geschützt.

Wirtschaftsmanager hatten zuletzt gefordert, die Politik solle über eine "umgedrehte" Reihenfolge beim Notfallplan Gas nachdenken und erst bei Privaten abschalten, dann bei der Industrie. So forderte Multiaufsichtsrat Karl-Ludwig Kley (70) im Interview mit dem manager magazin im Falle eines Gasmangels eine vorrangige Belieferung für Unternehmen . Michael Hüther (60), Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft und Klaus Müller sprachen sich dagegen aus und warnten davor, private Haushalte vom Netz zu nehmen.

Versteigerung soll Schäden möglichst gering halten

Beim Kohleausstieg bieten Betreiber um die Höhe von staatlichen Entschädigungszahlungen, die sie bekommen, wenn sie ihre Kraftwerke abschalten. Die niedrigsten Gebote pro Megawatt abgeschalteter Leistung bekommen den Zuschlag.

Dahinter steckt der Gedanke, dass bei den Bietern mit den niedrigsten Geboten auch die niedrigsten Kosten für einen Ausstieg anfallen, ihnen die Abschaltung also weniger weh tut als anderen Betrieben. Dies könnte beispielsweise daran liegen, dass sie Alternativen haben.

Beim Gas führt die Bundesnetzagentur zurzeit Umfragen in der Industrie durch, wie viel Rohstoff die einzelnen Betriebe brauchen und welche Mengen sie im Ernstfall für verzichtbar halten. Dabei ist der Anreiz für die Unternehmen hoch, ihre eigene Gaszufuhr als absolut unverzichtbar darzustellen – auch wenn es vielleicht Alternativen gibt, die zwar teurer, aber machbar sind.

Durch eine Versteigerung von Gasverbrauchsrechten ließe sich herausfinden, wie wichtig den Unternehmen das Gas tatsächlich ist. Je höher die durch eine Kappung angerichteten Schäden wären, desto höher wären die Gebote. So käme im Ernstfall das knappe Gas den Betrieben zugute, die es wirklich am dringendsten brauchen.

Stadtwerkeverband fordert Notfallpläne für Industrie und Privathaushalte

Zur Frage der Priorisierung bei einer Gas-Notlage sagte der Präsident des Stadtwerkeverbands VKU, Michael Ebling, es sei "völlig verfehlt", den Schutz der Privathaushalte und sozialen Einrichtungen infrage zu stellen. Der Schutz der Privathaushalte entbinde den Einzelnen aber nicht von der Verantwortung, sorgsam mit Energie umzugehen. Ebling sagte, die Rechtslage sei eindeutig. Haushalte und soziale Einrichtungen seien geschützte Kunden, die voranging mit Gas versorgt würden.

"Und das ist richtig so. Zugleich gilt aber auch: Vor allem eine längere Gasmangellage verlangt schon jetzt, sich darauf vorzubereiten, Notfallpläne zu entwickeln und vorausschauend Energie zu sparen." Dafür müssten Politik und Bundesnetzagentur den Rahmen schaffen. "Energieversorgungsunternehmen, Industrie und Verbraucher müssen sich darauf einstellen können. Im Bedarfsfall müssen wir klug abwägen und flexibel handeln können."

rei/dpa-afx