Offshore-Netzprobleme Windparkbetreiber suchen den Anschluss

Der Offshore-Windpark Riffgat ist fertig - und verbraucht Strom. Der Grund: Die Anlagen müssen mit Diesel befeuert werden, bis der Netzanschluss endlich gelegt ist. Die Branche protestiert, fordert politische Reformen und wirbt für das wirtschaftliche Potential der Hochsee-Windräder.
Von Harald Schultz
Fertig, aber nicht am Netz: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, l), Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, M hinten) und EWE-Vorstandsvorsitzender Werner Brinker (r.) überfliegen am 10. August 2013 den Offshore-Windpark Riffgat

Fertig, aber nicht am Netz: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, l), Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, M hinten) und EWE-Vorstandsvorsitzender Werner Brinker (r.) überfliegen am 10. August 2013 den Offshore-Windpark Riffgat

Foto: DPA

Der Präsident der Stiftung Offshore Windenergie, Jens Eckhoff, hat sich verärgert über die Anschluss-Probleme des Windparks vor Borkum geäußert. "Dass so etwas noch passiert! Das muss vermieden werden", sagte er am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. "Wir sind auf einem Gesprächspfad mit den Netzbetreibern. Auf einem guten Gesprächspfad würde ich nicht sagen", fügte der Lobbyist der Windpark-Betreiber hinzu. "Die Netzbetreiber haben uns in den vergangenen Wochen und Monaten nicht nur Freude gemacht", kritisierte er.

Beim bereits fertig gestellten Windpark "Riffgat" des Betreibers EWE vor Borkum fehlen 15 Kilometer Seekabel des Netzbetreibers Tennet zum Land hin. Daher kann "Riffgat" vermutlich erst Anfang 2014 ans Netz gehen.

Derweil werden die Windräder mit Diesel gedreht, damit sie in der salzigen Seeluft nicht einrosten. Tennet verweist für die Verzögerungen auf Munitionsreste im Meeresboden, die noch beseitigt werden müssten. Riffgat ist der erste kommerzielle Windpark in der deutschen Nordsee. Tennet hatte schon vor zwei Jahren vor Verzögerungen gewarnt.

In der Ostsee liefern bereits seit 2011 die Windräder von Baltic 1 vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst Strom. Hier ist EnBW  der Betreiber, 50Hertz der Netzbetreiber.

Stromproduktionskosten sinken auf See sinken drastisch

Eckhoff verlangte, dass die staatliche Förderung der Hochsee-Windparks von 19 Cent pro Kilowattstunde umgestellt werde. Wegen der Verzögerungen bei der Netzanbindung dürfe diese nicht mehr entscheidend für die Förderung sein. Sondern das müsse die "finale Investitions-Entscheidung" des Betreibers sein. Derzeit sei niemand bereit, 1,5 Milliarden Euro in einen Windpark zu stecken, wenn er keine Fördersicherheit habe und bis zum 31. Dezember 2017 am Netz sein müsse.

Fünf Projekte in der Nordsee stünden daher auf der Warteliste, sagte Eckhoff, sieben sei im Bau. Er sei in Gesprächen mit der Bundesregierung über Fördermodelle, werde sich aber konkret erst nach der Bundestagswahl äußern, sagte der frühere Bremer Bau- und Umweltsenator Eckhoff (CDU). Ein gemeinsames Papier von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) habe vor einiger Zeit die Investoren verunsichert, weil damit erstmals rückwirkend Veränderungen der Bedingungen ergäben. Dies sei für die Betreiber nicht akzeptabel.

Gleichzeitig legte die Stiftung eine Prognos-Studie  vor, wonach die Strom-Gestehungskosten für Windparks in der deutschen Nordsee bis 2023 um rund 31 Prozent sinken könnten. Dann werde die Kilowattstunde aus Hochsee-Windparks auch nur noch 10 Cent kosten, sagte Eckhoff. Im günstigeren Fall eines stärkeren Ausbaus könnten es sogar 39 Prozent Kosteneinsparung werden, dann koste sie nur noch 8,7 Cent. Derzeit sind es demnach 14,2 Cent. Die Ergebnisse für die Nordsee unterschieden sich nicht wesentlich für die Ostsee.

Heimische Zulieferer werden gefördert

Der Vorteil von Offshore-Windkraft liege darin, dass ihre Wertschöpfung allein in Deutschland erbracht werde, nicht bloß im Norden, sondern auch bei den Maschinenbauzulieferern in Süddeutschland, sagte Eckhoff. Mit der Photovoltaik würden dagegen chinesische Produktionsstätten gefördert. In Deutschland gebe es auch 27.000 Windanlagen an Land. Nicht eine sei chinesischen Ursprungs.

Bei der Offshore-Branche seien die Zäune zwischen den Unternehmen zu hoch, beklagte, Frank Peter, Projektleiter der Prognos-Studie. Um Effizienzgewinne zu erreichen, müssten sie mehr miteinander kooperieren, zum Beispiel bei der Wartung der Hochseeanlagen. Auch sei die Serienproduktion von Teilen noch nicht sehr ausgeprägt in der Branche. Nicht einmal Kleinserien gebe es. Standardisierung könne helfen, auch bei der Genehmigung und der Zertifizierung.

Windparks mit einer Leistung von zwei Akw im Bau

Ein großer Teil der Kostenverringerung bis 2023 ergebe sich aus größeren Turbinen. Sie würden von heute durchschnittlich vier Megawatt, auf sechs Megawatt und schließlich bis auf acht Megawatt wachsen - bei ähnlichem Installattionsaufwand. Auch seien die Bauschiffe in Zukunft spezialisiert und besser geeignet. Derzeit würden Schiffe genutzt, die auch Öl-Plattformen bauten.

Der Studie zufolge werden die Hochsee-Windparks in Zukunft immer weiter draußen gebaut, in tieferem Wasser und mit höheren Windrädern. Derzeit würden im Durchschnitt 30 Meter Wassertiefe erreicht, in 40 Kilometer Entfernung vom nächsten Hafen. In Zukunft würden es 40 bis 50 Meter Wassertiefe bei einer Hafenentfernung von 80 bis 120 Kilometern. Hier würden sich dann feste Wartungsplattformen auf See lohnen.

In der Nordsee sind sieben Windparks mit knapp 2000 Megawatt Leistung im Bau - was ungefähr der Leistung zweier mittelgroßer Atomkraftwerke entspricht. Weitere 4000 Megawatt sind dort genehmigt. In der Ostsee sind weitere 1200 Megawatt genehmigt. Bis zum Jahre 2020 soll die installierte Leistung auf hoher See damit 6000 bis 10.000 Megawatt erreichen.

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