Dienstag, 18. Februar 2020

EZB-Ratssitzung Draghis Dilemma

EZB-Chef Mario Draghi: Entweder erneut Geld in die Banken pumpen - oder Staatsanleihen vom Markt nehmen

Muss die Europäische Zentralbank doch noch den angelsächsischen Weg einschlagen? Bei der Ratssitzung diese Woche wird sich zeigen, ob Mario Draghis EZB bereit ist, in großem Stil Staatsanleihen aufzukaufen. Die Erfahrung Großbritanniens zeigt, dass sich damit die Krise letztlich nicht lösen lässt.

Die Briten haben es besser, so scheint es jedenfalls. Die Inselökonomie ist wieder im Aufwind. Dabei stand sie zu Beginn der Finanzkrise schlechter als die meisten Euro-Staaten: aufgeblähter, maroder Finanzsektor, eine der größten Immobilienblasen aller Zeiten und eine der höchsten privaten Verschuldungen weltweit. Aber während große Teile der Euro-Zone nach wie vor von Massenarbeitslosigkeit und Stagnation geplagt sind, ist Großbritannien offenbar auf dem Weg der Erholung. Eine Wachstumsrate von bis zu 3 Prozent scheint 2014 möglich. Die Investitionen ziehen an, auch der Immobilienmarkt macht Fortschritte.

Die Ausgangslage der Briten 2008 war nicht viel anders als die des Euro-Staats Spanien. Doch während Britannien zumindest geistig die Krise hinter sich lässt, können die Spanier froh sein, wenn ihre Wirtschaft dieses Jahr nicht noch weiter schrumpft.

Der große Unterschied: Die Spanier haben den Euro - die Briten haben die Bank of England.

Beide Notenbanken werden am Donnerstag dieser Woche ihre nächsten geldpolitischen Schritte bekannt geben. Und während alle Welt sehr genau zuhören wird, was Mario Draghi zu tun gedenkt gegen Deflationsgefahren und die Kreditklemme in Ländern wie Spanien und Italien, wird sein Kollege Mark Carney eher mit der Frage konfrontiert sein, wann er wohl beginnt, die Zügel wieder etwas straffer zu ziehen.

Muss die Notenbank den Kickstarter bedienen?

Auch die amerikanische Federal Reserve Bank, deren neue Chefin Janet Yellen am heutigen Montag vom US-Senat bestätigt werden soll, hat angekündigt, ab diesem Monat ihre Kriseninterventionen zurückzufahren. Dies ist der angelsächsische Weg: Mit viel, viel frisch gedrucktem Geld und einer Abwertung der Währung haben die Notenbanken depressive Rezessionen verhindert. Und es gibt nicht wenige, darunter den Chefvolkswirt der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die fordern, auch die EZB müsse es nun endlich den Angelsachsen gleichtun - und hemmungslos Staatsanleihen aufkaufen.

Die Ungeduld ist verständlich, denn je länger die Krise dauert, desto bedrohlicher wirkt sie. Die Kreditmärkte sind immer noch zerklüftet: Unternehmen in Spanien oder Italien zahlen fast doppelt so hohe Zinsen wie in Deutschland, sofern sie überhaupt Geld geliehen bekommen. Die ökonomischen Unwuchten bleiben, mit allen sozialen und politischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Wenn im sechsten Jahr aller Reformbemühungen, Kostensenkungen und Einsparungen zum Trotz in einigen Ländern kein selbsttragender Wachstumsprozess einsetzt, muss dann die Notenbank nicht endlich den Kickstarter bedienen?

Ein Blick über den Kanal zeigt, wie die Bank of England agiert hat, um die Wirtschaft zu stützen. Im Zuge der Krise hat sich ihre Bilanzsumme verdreifacht, insbesondere weil sie in großem Stil Staatsanleihen aufgekauft hat (im Notenbanker-Sprech "quantative easing" genannt). Damit hat sie die langfristigen Zinsen gesenkt und die Finanzmärkte aufgepeppt. Zum Vergleich: Die EZB hat ihre Bilanzsumme verdoppelt, aber ihre direkten Interventionen an den Anleihenmärkten fielen eher verhalten aus.

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