Hotelgruppe erwartet Millionenverlust Motel-One-Chef kritisiert Novemberhilfen als "Witz"

Während Olaf Scholz seine Staatshilfen-"Bazooka" verteidigt, klagen deutsche Hoteliers über schleppende Unterstützung. Hotelchef Dieter Müller kritisiert die Hilfspolitik scharf - er sehe "Wettbewerbsverzerrung".
Hotellier beklagt "Wettbewerbsverzerrung": Dieter Müller, Vorstandsvorsitzender der Motel One Group

Hotellier beklagt "Wettbewerbsverzerrung": Dieter Müller, Vorstandsvorsitzender der Motel One Group

Foto: Plusphoto/ imago images

Der Chef und Gründer der Hotelgruppe Motel One, Dieter Müller (66), zeigt sich enttäuscht von den Novemberhilfen der Politik. "Wir haben bislang 50.000 Euro als Abschlagszahlung erhalten. Für die gesamte Gruppe mit 75 Hotels. Das ist ein Witz", sagt er dem Magazin "Wirtschaftswoche".  Besonders bitter stoße ihm auf, dass in der Öffentlichkeit suggeriert werde, dass seine Branche großzügig mit Staatsmilliarden beschenkt werde. "Man hat den Eindruck, dass die Bundesregierung die Mittelständler um ihre Existenz bringen will", kritisiert Müller. Als "Wettbewerbsverzerrung" bezeichnet er, dass die Überbrückungshilfen bis zum vergangenen Herbst nur für kleine und mittlere Unternehmen gegolten hätten.

Laut der "Wirtschaftswoche" habe Müller auf 25 Millionen Euro gehofft, die Hilfen sind jedoch auf eine Million Euro begrenzt. Für das abgelaufene Jahr rechne Müller mit einem Verlust von 100 Millionen Euro für seine Hotelgruppe – nach einem Vorsteuergewinn von 166 Millionen Euro im Jahr 2019.

Scholz: Fiskalische Antwort auf die Krise wirkt

Am Mittwochmorgen hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (62) die Corona-Hilfen für Unternehmen verteidigt. Die Abschlagszahlungen für die Novemberhilfen seien im großen Umfang ausgezahlt worden, sagte der SPD-Politiker im ZDF-"Morgenmagazin". In diesen Tagen kämen die endgültigen Zahlungen in Kooperation mit den Ländern. "Es ist völlig richtig, dass wir gemacht haben, was wir gemacht haben", sagte er.

Deutschland habe im Frühjahr das größte und erste Stabilisierungsprogramm in Europa auf den Weg gebracht. "Das, was wir jetzt zugesagt haben, ist viel mehr, als wir an Zusagen im Frühjahrs-Lockdown hatten", so Scholz. Die wirtschaftlichen Daten seien inzwischen besser als zunächst vorhergesagt. "Das zeigt: Die starke fiskalische Antwort, die Bazooka, hat tatsächlich ihre Wirkung entfaltet und das wird auch international so gewertet", sagte Scholz.

Am Montag warnte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vor einer großen Pleitewelle und drängte auf schnellere Auszahlung der Hilfsprogramme.  Eine aktuelle Umfrage des Verbands habe ergeben, dass jeder vierte Gastronom und Hotelier die Betriebsaufgabe in Erwägung ziehe. Von den im Oktober zugesagten Novemberhilfen seien bei den Betrieben bisher nur Abschlagszahlungen angekommen – und bei vielen noch nicht einmal diese. Auch die Dezemberhilfen stünden noch aus. 

cs/dpa-afx, Reuters