"Mobilitätsgipfel" im Kanzleramt Spitzenrunde bekräftigt E-Auto-Ziel der Bundesregierung für 2030

Die Teilnehmer der Spitzenrunde haben das Ziel der Bundesregierung von mindestens 15 Millionen E-Autos auf Deutschlands Straßen bis 2030 bekräftigt. Einer Umfrage zufolge hemmen vor allem steigenden Kosten und die fehlende Infrastruktur den Umstieg auf das E-Auto.
Bundeskanzler Olaf Scholz lud zum "Mobilitätsgipfel" ein

Bundeskanzler Olaf Scholz lud zum "Mobilitätsgipfel" ein

Foto: IMAGO/Chris Emil Janssen / IMAGO/Chris Emil Janßen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Spitzenrunde zum Thema Mobilität im Kanzleramt haben das Ziel der Bundesregierung von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Autos auf Deutschlands Straßen bis 2030 bekräftigt. "Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass ein rascher Hochlauf der E-Mobilität erforderlich ist, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen", erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Dienstag nach dem Treffen in einer schriftlichen Mitteilung.

Am Treffen der "Strategieplattform Transformation der Automobil- und Mobilitätswirtschaft" hatten neben Kanzler Olaf Scholz (64, SPD) mehrere Minister sowie unter anderem Vertreter der Auto- und Mobilitätsbranche, von Arbeitnehmern, Wissenschaft, Ländern und Kommunen teilgenommen. Erst nach der Zusammenkunft veröffentlichte die Bundesregierung die genaue Teilnehmerliste. Organisationen wie Lobbycontrol hatten die starke Beteiligung der Autobranche kritisiert.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen laut Hebestreit der Klima- und Umweltschutz, die Digitalisierung von Fahrzeugen, die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten. Ein Expertenbeirat Klimaschutz in der Mobilität soll laut Mitteilung "zeitnah" weitere Möglichkeiten entwickeln, wie der Verkehrsbereich zum Erreichen des Klimaziels 2030 beitragen kann. Bis dahin soll Deutschland 65 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990. Der Verkehrsbereich hinkt hier erheblich hinterher.

Die Bundesregierung verwies auf den bereits im Herbst vorgestellten "Masterplan" zum Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos. "Beim Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur ist nun in erster Linie die Energie- und Automobilwirtschaft gefordert", so Hebestreit. Auch die Lkw-Ladeinfrastruktur soll vorankommen. Die sogenannte Strategieplattform soll nun regelmäßig zusammenkommen, wobei die Zusammensetzung sich nach dem Thema richten soll.

Größte Bedenken der Verbraucher ist die Reichweite

Der Umstieg auf E-Autos wird nach einer Verbraucherumfrage der Unternehmensberatung Deloitte von steigenden Kosten und fehlender Infrastruktur gebremst. Trotz wachsender Modellauswahl würden nur 16 Prozent der Befragten beim nächsten Autokauf einen reinen Stromer nehmen. Ende 2021 lag der Anteil demnach bei 15 Prozent.

Niedrigere Betriebskosten und staatliche Kaufprämien seien wesentliche Argumente für den Kauf eines E-Autos. Als größte Bedenken führten Verbraucher die Reichweite an: Mit 57 Prozent wurde sie am häufigsten genannt, gefolgt von einer fehlenden öffentlichen Ladeinfrastruktur (47 Prozent), der Ladezeit und der nicht vorhandenen Lademöglichkeit im eigenen Zuhause (je 45 Prozent).

Aus Sicht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind Lademöglichkeiten jedoch nicht das Problem. Eine eigene Umfrage zeige, dass Nutzer die Entwicklung des Ladeangebots positiv beurteilten. "Die Auslastung der Ladesäulen liegt bei rund 15 Prozent, da ist ordentlich Luft nach oben", erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Das Henne-Ei-Problem im Markt existiert nicht mehr."

Die Nachfrage nach E-Autos übersteige bei Weitem das Angebot, so Andreae. Kunden warteten teils länger als ein Jahr auf ihren Wagen. Die Zulassungszahlen müssten deutlich schneller steigen, um bis 2030 insgesamt 15 Millionen vollelektrische Pkw auf den Straßen zu haben - dieses Ziel hat sich die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP im Koalitionsvertrag gesetzt.

frm/dpa-AFX
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