mm-Konjunkturindikator Zittern der Finanzmärkte bremst den Boom

Von Carsten-Patrick Meier
Frankfurter Börse: Die Unsicherheit ist hoch, Euro-Kurs, Ölpreis und Anleihekurse weniger günstig für die Konjunktur als vor einem Monat

Frankfurter Börse: Die Unsicherheit ist hoch, Euro-Kurs, Ölpreis und Anleihekurse weniger günstig für die Konjunktur als vor einem Monat

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Rainer Jensen/ picture alliance / dpa

Vor einem Monat hatte ich an dieser Stelle die Erwartung geäußert, dass der mm-Indikator von seinem Stand von 2,6 Prozent in den nächsten Monaten "noch etwas steigen" könnte. Dazu ist es nicht gekommen. Mit 2,5 Prozent liegt der mm-Indikator für Juni 2015 zwar weiter etwas oberhalb der Prognosen anderer Konjunkturforscher. Aber eben nicht über dem Wert vom Mai. Was ist passiert?

Ziemlich viel - wenn man auf die Finanzmärkte blickt. Zwar ist der Weltmarktpreis für Rohöl  mit reichlich 60 US-Dollar weiterhin sensationell niedrig. Mit den Kapitalmarktzinsen und dem Wechselkurs des Euro  haben aber andere für Realwirtschaft zentrale Finanzmarktgrößen die Extrempositionen, die sie nach der Jahreswende eingenommen hatten, wieder verlassen.

Zehnjährige Bundesanleihen, die Mitte April bei einer Rendite von unter 0,1 Prozent standen, rentieren derzeit mit 0,5 Prozent wieder so stark wie zuletzt im Dezember 2014. Und der Dollar-Euro-Kurs ist mit 1,10 auch wieder etwas stärker als die 1,05, die zwischenzeitlich notiert worden waren.

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Der mm-Konjunkturindikator: 3,0 Prozent für 2016

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Was steckt hinter der deutlichen Korrektur an den Finanzmärkten? Unsicherheit! Die Finanzmarktumgebung im Euro-Raum ist derzeit besonders ungewiss. Angesichts mangelnder historischer Vorläufer kann niemand genau sagen, wie sich das Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) für Anleihen auf deren Kurswerte und Renditen auswirken wird und welche Konsequenzen für die Realwirtschaft es haben wird.

Zudem befindet sich die Konjunktur im Euro-Raum derzeit im Umbruch - auch, aber vielleicht nicht nur wegen des Ankaufprogramms der EZB. Einiges spricht dafür, dass sich die Konjunktur der Eurozone stärker erholen wird als zu Jahresbeginn erwartet.

Und zu allem kommt noch die Unsicherheit über einen mittlerweile nicht mehr nur marginal wahrscheinlichen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung. Bei solch unklaren Vorzeichen fällt eine korrekte Bewertung von Finanzmarktpapieren schwer. Da kommt es dann auch mal zu Fehlern oder "Blasen", die dann mit einer scharfen Korrektur enden.

So eine haben wir gerade bei deutschen Bundesanleihen gesehen und vermutlich hatte diese auch den Euro-Wechselkurs mitgenommen. Ob sie bereits abgeschlossen ist, lässt sich nicht sagen - die genannten Unsicherheiten bestehen ja weiter! Einiges spricht aber dafür, dass die Extrempositionen nicht noch einmal aufgerufen werden.

Auch nach den jüngsten Korrekturen sind die Kapitalmarktzinsen und der Euro weiter sehr niedrig, nur eben nicht mehr so extrem gering wie vor einem Monat. Insofern haben sich die stimulierenden Impulse für die deutsche Konjunktur etwas vermindert, sie bleiben aber hoch. Der mm-Indikator für Juni reflektiert dies.


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Direkt zum mm-Konjunkturindikator: Hier sehen Sie die Prognosen auf einen Blick


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