Montag, 18. November 2019

Vor allem Ostdeutschland betroffen Lehrlinge sollen Mindestlohn erhalten

Vor allem in Ostdeutschland werden Auszubildende in zahlreichen Lehrberufen noch vergleichsweisen schlecht bezahlt

Die Bundesregierung macht offenbar den Weg frei für einen Mindestlohn für Auszubildende. Demnach soll es ab kommenden Jahr mindestens 515 Euro im ersten Lehrjahr geben - und dann weiter steigen, heißt es. Von der Regelung dürften vor allem Azubis in Ostdeutschland profitieren.

Auszubildende sollen einem Bericht zufolge von 2020 an im ersten Ausbildungsjahr eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat erhalten. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) schreiben unter Berufung auf das Bundesbildungsministerium zudem, in den Folgejahren solle sich die Mindestausbildungsvergütung weiter erhöhen - im Jahr 2021 auf 550 Euro, 2022 auf 585 Euro und ab 2023 auf 620 Euro.

Im zweiten und dritten Lehrjahr seien ebenfalls Erhöhungen geplant. Dem Bericht zufolge soll die Reform des Berufsbildungsgesetzes von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an diesem Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden.

Mit der Reform werde erstmals in Deutschland eine gesetzliche Untergrenze für die Vergütung von Auszubildenden festgeschrieben - analog zum gesetzlichen Mindestlohn. Umstritten war in der Regierung bis zuletzt die Höhe der Zahlungen.

"Die festgesetzte Höhe der Mindestausbildungsvergütung ist Anerkennung der Leistung der Auszubildenden im Betrieb. Anderseits muss aber auch sichergestellt sein, dass die Motivation der Betriebe erhalten bleibt, Ausbildungsplätze anzubieten", heißt es in dem Bericht dazu aus dem Ministerium. Karliczek habe deswegen Zugeständnisse gemacht: Dort, wo es aktuell eine Tarifbindung gebe, könne es passieren, dass Azubis auch weiterhin weniger als die Mindestvergütung bekämen.

Von der neuen Regelung dürften vor allem Auszubildende in Betrieben ohne Tarifbindung und in kleinen Betrieben in Ostdeutschland profitieren. Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung zufolge, verdienten zum Beispiel Fleischerlehrlinge im ersten Jahr ihrer Ausbildung nur 310 Euro monatlich verdienen in kleinen Betrieben in Ostdeutschland. Auch angehende Raumausstatter (480 Euro), Friseure (325 Euro) und Schornsteinfeger (450 Euro) verdienten in den östlichen Bundesländern deutlich weniger als den nun geplanten Mindestsatz.

rei/dpa/afp

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