Vonovia will 20.000 Wohnungen abgeben Berlins Bürgermeister begrüßt Wohnungsdeal

Der Deal für einen deutschen Wohnungsriesen stößt auf Wohlwollen an der Spitze des Landes Berlin. Bürgermeister Michael Müller freut sich über das Angebot, 20.000 Wohnungen von Vonovia und Deutsche Wohnen zu übernehmen - gerne auch in Problemlagen.
Foto: Annette Riedl / dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (56, SPD) hat den geplanten Zusammenschluss der beiden größten deutschen Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen begrüßt. Bei der Diskussion um Wohnraum gehe es um "ein Grundrecht, es geht um ein gutes Miteinander und um soziale Sicherheit", sagte Müller am Dienstag. Die Zusage der Immobilienunternehmen, Mietsteigerungen für drei Jahre auf 1 Prozent zu begrenzen, sich in den folgenden Jahren bis 2026 auf den Inflationsausgleich zu begrenzen und dem Land Berlin rund 20.000 Wohnungen zum Kauf anzubieten, sei "von herausragender Bedeutung".

"Das ist die Größenordnung einer eigenen Wohnungsgesellschaft", sagte Müller. Nunmehr werde mit allen Beteiligten im Detail besprochen, um welche Bestände es sich handele. "Mir liegen soziale Brennpunkte am Herzen, mir liegen Großsiedlungen am Herzen", sagte Müller. Damit signalisiert er Bereitschaft, gerade besonders wenig lukrative Teile des Portfolios abzunehmen.

Zugleich könnte die Abgabe von Wohnungen an die Stadt die kartellrechtliche Freigabe der Übernahme erleichtern. "Eine Fusion der beiden größten privaten Immobilienkonzerne Deutschlands ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird", sagte Marcel Fratzscher (50), der Chef des in Berlin ansässigen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am Dienstag. Er vermute, "dass das Kartellamt dies ähnlich kritisch sehen wird und daher die Chancen für eine Fusion nicht sehr hoch sind". ZEW-Präsident Achim Wambach (53) hingegen erinnerte an den gescheiterten ersten Übernahmeversuch 2015, der in der ersten Phase der Untersuchung freigegeben wurde, da beide nur einen relativ geringen Anteil am gesamten Wohnungsbestand in den jeweiligen lokalen Märkten hatten.

Konzerne wollen "Neuanfang" in der Mietendebatte

Es liege sowohl im Interesse des Landes als auch der Immobilienkonzerne, für Mietenstabilität zu sorgen, sagte Müller. Falls es zur Übernahme der 20.000 Wohnungen komme, verfüge das Land Berlin zum Jahresende über rund 350.000 Wohnungen und somit über "echten Einfluss" auf dem Wohnungsmarkt und auf den Mietspiegel. Von den gut 150.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen liegen 113.000 im Großraum Berlin, bei Vonovia sind es 43.000 von mehr als 400.000.

"Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden."

Vonovia-Chef Rolf Buch

"Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch (56). Er wolle einen "Neuanfang" in der Diskussion um hohe Mieten und Wohnungsmangel. Die beiden Konzerne und der Senat verfolgten ein gemeinsames Interesse mit Blick auf die Stabilität von Mieten. Beide Unternehmen wollten mit ihrem Zusammenschluss die Stadt befrieden, sagte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn (47).

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In der Hauptstadt gibt es immer wieder Proteste gegen steigende Mieten. Der vom rot-rot-grünen Senat beschlossene Mietendeckel wurde im April vom Bundesverfassungsgericht gekippt. In Berlin tritt zudem eine Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" an. Sie setzt sich mit einem Volksbegehren dafür ein, alle Immobilien von privaten Unternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen in Berlin gegen eine Milliardenentschädigung zu vergesellschaften. Noch bis zum 25. Juni muss sie dafür 175.000 gültige Unterschriften sammeln. Zur Halbzeit Ende April hatten die Initiative rund 130.000 Unterstützer unterschrieben. SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey (43) hat sich von den Vorschlägen distanziert, während die Linke sie begrüßt. Das Berliner Abgeordentenhaus soll am 26. September zeitgleich zur Bundestagswahl neu gewählt werden.

ak/AFP, Reuters, DPA