Das ist Deutschlands drittmächtigste Frau Diese Frau entscheidet über Deutschlands digitale Zukunft

Eva Christiansen: Die Merkel-Vertraute zeichnet künftig im Kanzleramt für das Thema Digitalisierung verantwortlich

Eva Christiansen: Die Merkel-Vertraute zeichnet künftig im Kanzleramt für das Thema Digitalisierung verantwortlich

Foto: imago/photothek

"Merkel düpiert Seehofer", "Doppelter Angriff auf Seehofer", "Affront gegen Seehofer" oder "Machtkampf ums Digitale". Die Nachricht, dass im Bundeskanzleramt eine neue Abteilung für politische Planung, Innovation und Digitalpolitik  entstehen soll, war gerade raus, da hatte das politische Berlin den Dreh für die neue Story schon gefunden: Merkel gegen Seehofer. In weiteren tragenden Rolle: Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung, gegen Eva Christiansen, bislang Leiterin des Stabs für politische Planung, Grundsatzfragen und Medienberatung im Kanzleramt.

In der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, spielt Christiansen auf der politischen Bühne - erst in Bonn und dann in Berlin - schon lange in der ersten Liga. Allerdings vor allem hinter den Kulissen. Die 1970 geborene Christiansen gilt als eine der engsten Vertrauten Merkels und begleitet diese bereits seit 1998, als Merkel den Posten als CDU-Generalsekretärin antrat.

1997 - wenige Jahre nach Abschluss ihres Volkswirtschaftsstudiums - tritt Christiansen noch in der Ära Kohl in die CDU ein und beginnt dort in der Pressestelle der Partei in Bonn. Dort steigt sie schnell auf: Schon ein Jahr später - noch unter Generalsekretär Peter Hintze - ist sie stellvertretende Parteisprecherin.

Als Merkel den Generalsekretärsposten übernimmt, macht Christiansen gemeinsam mit Merkel Kariere: erst als Sprecherin der Partei, 2002 als Sprecherin der Fraktion. 2005 rückt sie schließlich mit ins Bundeskanzleramt ein, wo Merkel für sie speziell das Referat Medienberatung schafft. 2007 kehrt sie nach einer Babypause zuück und übernimmt dort schließlich die Leitung des Stabs für politische Planung, Grundsatzfragen, und Sonderaufgaben.

Dort gehört Christiansen seither zum engsten Beraterkreis von Merkel, von Männern früher gerne herablassend als "girlscamp" bezeichnet, zu dem neben Christiansen auch Merkels legendäre Büroleiterin Beate Baumann gehört (und die als Deutschlands zweitmächtigste Frau gelten darf). Dort siezt man sich angeblich, wie es heißt. Es dringt aber nichts heraus.

Mächtige Einflüsterin aus der zweiten Reihe

Im Berliner Politikbetrieb ist Christiansen so etwas wie ein Phantom, eine Spindoktorin oder"graue Eminenz", beschreibt es ein PR-Profi. Jeder kennt sie, schließlich versucht sie im Kontakt mit Journalisten stetig die Politik der Kanzlerin zu erklären, Eindrücke zu korrigieren und so das gewünschte Bild zu vermitteln.

Christiansen schreibt vor, wer mit Merkel ins Bild darf. Sie ist für den "look and feel" von Merkel verantwortlich.

Dabei bleibt sie selbst stets im Hintergrund. Wenig ist von ihr bekannt. Sie ist mit einem Strafverteidiger verheiratet, hat eine Tochter. Sie ist katholisch und tanzte in ihrer Jugend offenbar Ballett.

Schickimicki-Bilder, Persönliches - Fehlanzeige. "Sie sieht so harmlos aus. Und ist so schmal," schrieb die "Zeit" über sie. Christiansen sei eine Königin des Macht-Mimikry.

Als es im vergangenen Wahlkampf um die Modalitäten des TV-Duells zwischen Martin Schulz und Angela Merkel ging, blieb Christiansen knallhart. Sie wollte ein Korsett, nicht zu viel Freiheit für den SPD-Kandidaten. Und war dabei so entschieden, dass der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender von "Erpressung" sprach.

Dass Merkel Christiansen nun auch die Verantwortung für Innovation und Digitalpolitik überträgt, wovon letzteres ja eigentlich bereits von der Staatsministerin Dorothee Bär abgedeckt sein sollte, ist eine Machtdemonstration - und zugleich ein Zeichen von Pragmatismus.

Merkel nimmt dafür einen Konflikt mit Seehofer in Kauf. Aber mit Christiansen an der Spitze kann sie davon ausgehen, dass jemand mit genügend Durchsetzungskraft das Thema vom Kanzleramt aus begleitet, die Fäden zusammen hält und gestaltet.

Die öffentliche Bühne überlässt Christiansen dabei sicher gerne auch weiterhin Dorothee Bär.

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