Arbeitsmarkt Mehr als eine Million Rentner arbeiten über 67 hinaus

Der Anteil der arbeitenden Rentner über 65 hat sich binnen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Die meisten von ihnen verdienen sich etwas hinzu. 38 Prozent der älteren Erwerbstätigen zwingt allerdings die pure finanzielle Not dazu.
Oft reicht die Rente nicht: Der Anteil erwerbstätiger Rentner hat sich binnen 10 Jahren verdoppelt

Oft reicht die Rente nicht: Der Anteil erwerbstätiger Rentner hat sich binnen 10 Jahren verdoppelt

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Immer mehr Ältere in Deutschland gehen einer Beschäftigung nach. So waren im vergangenen Jahr 1,04 Millionen Beschäftigte 67 Jahre oder älter. Fast 600.000 hatten noch im Alter ab 70 einen regelmäßigen Job. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Fast 220.000 waren sogar ab 75 Jahre und 72.000 Beschäftigte ab 80 Jahre alt. Die allermeisten Beschäftigten über 67 gehen einem Minijob nach - nämlich 800.000. Verdienen sich die Rentnerinnen und Renter etwas mit einem Minijob hinzu, müssen sie sich nicht sozialversichern und die zusätzlichen Einnahmen auch nicht versteuern.

Besonders viele Betroffene arbeiten in einem Büro, als Putzkraft oder Fahrerin oder Fahrer. Auch in den Bereichen Gebäudetechnik sowie Lagerwirtschaft und Zustellung sind viele Ältere - oft im Minijob - tätig. Möglich ist die Kombination mehrerer Minijobs, wenn der Gesamtverdienst bei 450 Euro bleibt.

"Bei vielen ist es die schiere finanzielle Not, etwas hinzuverdienen zu müssen"

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch

Bereits seit Jahren stellen Arbeitsmarktforscher fest: Menschen fühlen sich im Rentenalter nicht unbedingt reif für den Ruhestand. Ältere sind im Schnitt auch fitter als frühere Generationen. Zudem sind Fachkräfte auch im Alter gefragt.

Allerdings sind viele auf den Zuverdienst im Alter angewiesen - vor allem Frauen. Neben gebrochenen Erwerbsbiografien liegt ein Grund dafür in dem angehobenen gesetzlichen Renteneintrittsalter: Seit 2012 steigt es schrittweise von 65 auf 67 Jahre - bis zum Jahr 2031. Wer früher aussteigt, muss mit empfindlichen Abstrichen bei der gesetzlichen Renten rechnen.

Anteil erwerbstätiger Rentner binnen 10 Jahren verdoppelt

Auch deshalb sind ältere Menschen häufiger erwerbstätig als noch vor zehn Jahren: Im Jahr 2019 waren hierzulande 8 Prozent der Menschen im Alter ab 65 erwerbstätig, rechnet das Statistische Bundesamt vor.  2009 betrug ihr Anteil lediglich 4 Prozent. Die Frage der Qualifikation ist dabei nicht unerheblich: Gut ein Viertel der Menschen zwischen 65 und 69 Jahren, die einem Job nachgingen, hatten einen höheren Bildungsabschluss. Bei den Geringqualifizierten waren es in dieser Altersgruppe lediglich 13 Prozent.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch (63), der die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presseagentur: "Natürlich gibt es Beschäftigte, die freiwillig bis ins hohe Alter arbeiten, aber bei vielen ist es die schiere finanzielle Not, etwas hinzuverdienen zu müssen." Wenn Menschen, die über 70, 75, 80 oder gar über 85 Jahre alt sind, noch arbeiten müssten, sei das ein "Trauerspiel".

38 Prozent der Rentner brauchen Zusatzjob zwingend

Laut Statistischem Bundesamt  bestritten 2019 mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Erwerbstätigen im Alter 65plus aus ihrer beruflichen Tätigkeiten ganz vorwiegend ihren Lebensunterhalt. Für knapp zwei Drittel der älteren Erwerbstätigen stellte ihre Tätigkeit eher einen Zuverdienst dar.

Der rentenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel (39), kommentierte am Sonntag: "Dass viele Menschen länger im Berufsleben bleiben wollen, ist eine sehr gute Nachricht - dass es hierbei noch viele Hürden gibt, ist die schlechte. Die größte Erleichterung wäre ein flexibles Renteneintrittsalter statt einer starren Altersgrenze." Damit Altersarmut nicht weiter zunehme, müsse unter anderem die gesetzliche Rente durch eine gesetzliche Aktienrente gestärkt werden.

Man kann über sein gesetzliches Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten, vorerst ohne in Rente zu gehen oder aber als Rentnerin oder Rentner.

rei/dpa-afx
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