Lufthansa-Streiks Deutsche Wirtschaft warnt Piloten

Mit immer neuen Streiks kämpfen die Piloten der Lufthansa um mehr Geld. Der Deutschen Wirtschaft reicht die Blockade. Sie warnt vor Schäden, sollten die Flieger länger am Boden bleiben.
Lufthansa-Flieger bleiben wegen des Streiks am Boden

Lufthansa-Flieger bleiben wegen des Streiks am Boden

Foto: Hannelore Foerster/ Getty Images

Die Deutschen Unternehmen haben genug von den Streiks der Piloten bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa. Sie könnten nicht nur der Fluggesellschaft selbst, sondern der Wirtschaft insgesamt Schäden zufügen, mahnte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer. Trotz der aktuellen Streikpause der Lufthansa-Kapitäne warnte er vor weiteren Arbeitsniederlegungen und Flugausfällen in den nächsten Wochen. "Ein Streik soll einen Interessenausgleich hervorbringen, nicht Kunden vergraulen und damit Arbeitsplätze und die Existenz gefährden", sagte Kramer der "Bild"-Zeitung.

Kramers Warnruf folgt der Kritik von Siemens-Chef Joe Kaeser, der die Piloten bereits am Mittwoch aufgefordert hatte, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Die häufigen und andauernden Streiks bei der Lufthansa sind nicht nur eine Belastung für hunderttausende Passagiere. Die Streiks schaden auch zunehmend der deutschen Wirtschaft und der 'Marke Deutschlands', die für Verlässlichkeit und Qualität steht", hatte Kaeser dem Blatt gesagt.

Nach einer sechstägigen Streikwelle kehren die Piloten an diesem Donnerstag vorerst an ihre Arbeitsplätze zurück - daher will die Airline wieder nahezu nach Plan fliegen, rund 40 Flüge würden noch ausfallen. Auch am Freitag soll nicht gestreikt werden. Am Mittwoch hatte die Lufthansa wegen des Pilotenstreiks noch einmal 890 Flüge gestrichen, davon waren rund 98 000 Passagiere betroffen. Die Flieger der Töchter Eurowings und Germanwings hoben wie geplant ab.

Nach der langen Streikwelle versucht die Lufthansa einen neuen Anlauf zur Einigung mit den Piloten. Die Airline hat eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung angeboten. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017 fordert, prüft das Angebot.

Im Einzelnen bietet die Lufthansa für 2016 eine Vergütungserhöhung um 2,4 Prozent und für 2017 um weitere zwei Prozent. Dieses Angebot sei nicht an weitere Bedingungen geknüpft. Die Lufthansa gehe damit auf eine zentrale Forderung der Pilotengewerkschaft ein, hieß es.

Das Unternehmen geht durch die Streiks mittlerweile von einem Schaden von 10 bis 15 Millionen Euro pro Tag aus. Laut Lufthansa waren an den sechs Streiktagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen. Lediglich am Sonntag und Montag legten die Piloten eine Pause ein. Lufthansa und Cockpit streiten schon seit Jahren um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

In Teilen der Konzernbelegschaft formiert sich Widerstand gegen die Pilotenstreiks. Bis zu 400 Lufthansa-Beschäftigte demonstrierten am Mittwoch nach Polizeischätzungen vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen gegen den Kurs der Piloten. Der Lufthansa-Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatte ohne Rückendeckung der Gewerkschaften dazu aufgerufen. Zeitgleich fand eine Kundgebung von etwa 400 Piloten statt.

 mmo/spon/dpa