Bund-Länder-Runde Lockdown bis Mitte April - Ostern nur in kleinem Familienkreis

Deutschland muss bis zum 18. April in den verlängerten Lockdown. Größere Familientreffen werden zu Ostern wohl nicht möglich sein. Derweil schlagen Intensivmediziner Alarm.
Abstand auch zu Ostern: Ausnahmen und gelockerte Kontaktvorschriften soll es über die Feiertage nicht geben

Abstand auch zu Ostern: Ausnahmen und gelockerte Kontaktvorschriften soll es über die Feiertage nicht geben

Foto: Ralph Peters / imago images

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen soll der Lockdown in Deutschland bis zum 18. April verlängert werden. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Montag bei ihren neuen Corona-Beratungen beschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus mehreren Quellen erfuhr. Ein endgültiger Beschluss über die künftigen Maßnahmen stand aber noch aus.

Angesichts stark steigender Infektionszahlen – am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz in bundesweit bei 107,3 Fällen je 100.000 Einwohner – sind weitere Öffnungspläne vorerst vom Tisch. Im Gegenteil sollte dem Entwurf eines Beschlusspapiers zufolge auch über eine konsequente Umsetzung der Anfang März beschlossenen Notbremse bei hohen Inzidenzwerten beraten werden. In der Verhandlungsvorlage gehen Bund und Länder aktuell davon aus, dass bereits "im April eine Überlastung des Gesundheitswesens wahrscheinlich ist".

Wohl keine großen Familientreffen zu Ostern möglich

Das Papier mit Stand Montagnachmittag lag der Deutschen Presse-Agentur aus mehreren Quellen vor. Demnach wollen Bund und Länder die strengen Kontaktregeln für Verwandtenbesuche über Ostern nicht lockern. Vor den Beratungen war noch im Gespräch, über Ostern die Kontaktregeln leicht zu lockern und Verwandtenbesuche in einem größeren Rahmen als bislang zu erlauben. Doch daraus wird jetzt wohl nichts. Demnach dürfen sich über die Feiertage nur Mitglieder eines Haushaltes und eine weitere Person treffen, ausgenommen sind Kinder unter 14 Jahren, wie der "Spiegel" aber auch die Deutsche Presseagentur am Montagabend berichteten.

Die am 3. März beschlossene Notbremse sieht vor, dass bei einer stabilen Inzidenz von über 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen die ersten Lockerungen der vergangenen Wochen wieder zurückgenommen werden. Hamburg hatte die Notbremse bereits vergangenen Freitag gezogen. Zahlreiche Regionen in Deutschland sind zwar auch über dieser Marke - gehandelt wird aber vielfach trotzdem nicht. Auf dem Tisch lag zusätzlich ein Vorschlag für schärfere Kontaktbeschränkungen oder nächtliche Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit einer Inzidenz von über 100.

Mehrere Bundesländer wollen "kontaktarme Urlaube" ermöglichen

Unklar war am frühen Abend noch, was aus dem Osterurlaub im In- und Ausland werden soll. "Bund und Länder appellieren weiterhin eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland zu verzichten", hieß es in der Beschlussvorlage. "Das Auftreten von verschiedenen Covid-19-Varianten und deren weltweite Verbreitung haben gezeigt, dass der grenzüberschreitende Reiseverkehr auch weiterhin auf das absolut erforderliche Mindestmaß begrenzt werden muss."

Trotzdem setzten sich vor allem Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz dafür ein, "kontaktarmen Urlaube" zu ermöglichen - also Urlaub in Ferienwohnungen oder -häusern, Appartements oder Wohnmobilen, sofern diese über eigene sanitäre Anlagen verfügen und Urlauber sich dort auch mit Essen versorgen können. Einen Beschluss dazu gab es zunächst nicht.

Es blieb auch noch unklar, ob es neue Auflagen für Mallorca-Urlauber geben wird. Die Bundesregierung hatte die Lieblingsinsel der Deutschen vor einer Woche von der Liste der Risikogebiete gestrichen und die Reisewarnung wegen stark gesunkener Infektionszahlen aufgehoben. Damit entfiel auch die Testpflicht und die Quarantäne für Rückkehrer. Das hat zu einem Buchungsboom geführt, aber auch zu hitzigen Diskussionen, ob man damit einen neuen Infektionsherd riskiert. Deswegen standen bei den Beratungen Forderungen nach einer Wiedereinführung der Testpflicht und auch nach einer Wiedereinführung der Quarantäne im Raum.

Ebenfalls strittig war, Schulen und Kitas zu schließen oder gar nicht zu öffnen, sofern Erzieher, Lehrer und Schüler oder betreute Kinder nicht zweimal pro Woche getestet werden könnten. Ab einer Inzidenz von 200 könnte es demnach auch eine Schließung von Schulen und Kitas geben, wobei dies "mit einigen Tagen Vorlauf" geschehen würde, "damit sich Familien darauf einstellen können".

Intensivmediziner erwarten deutlich mehr schwere Verläufe

Die Intensivstationen in Deutschland erwarten indes wieder deutlich mehr Corona-Patienten mit schwerem Verlauf. "Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau. Davor hatten wir bereits Ende Februar gewarnt und das bereitet uns große Sorgen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx.

Nach Divi-Daten wurden am Montag 3145 Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen behandelt. Damit liegt die Belastung im Moment erneut so hoch wie zu den Spitzenzeiten in der ersten Welle im Frühjahr 2020. "Wir erwarten in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg der Patienten, da die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt", sagte Marx. Insgesamt sind in Deutschland momentan rund 20.000 Intensivbetten belegt und etwa 4000 frei.

Bei Inzidenzen um die 200 Corona-Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner prognostizieren Notfallmediziner für Anfang Mai rund 5000 Covid-Patienten auf Intensivstationen. Das wären fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle Anfang Januar und könnte viele Kliniken erneut schwer belasten.

Die gute Nachricht: Kommt keine neue gefährlichere Mutante hinzu und geht das Impfen weiter gut voran, könnte die Pandemie nach der aktuellen Prognose im August für die Notfall-Stationen der Kliniken so gut wie ausgestanden sein.

rei/dpa-afx