Diskussion um Tebartz-van Elst "Die Debatte ist hysterisch und auf Krawall gebürstet"

Deutschland streitet über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Im Interview sagt Kommunikationsprofi Hasso Mansfeld, warum der Geistliche in der öffentlichen Debatte keine Chance hat - und greift manche Kritiker des Bischofs scharf an.
Von Karsten Stumm
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (am 15.09.2013 in Königstein im Taunus): Zuletzt unter Druck wegen eines Bauprojekts

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (am 15.09.2013 in Königstein im Taunus): Zuletzt unter Druck wegen eines Bauprojekts

Foto: Fredrik Von Erichsen/ dpa

mm: Herr Mansfeld, Sie waren unserer Information nach kurz davor, die Krisen-Kommunikation des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst übernehmen zu sollen. Warum hören wir nichts von Ihnen?

Mansfeld: Dass wir in Kontakt waren, wurde sofort öffentlich. Eine weitere Diskussion um mein Beraterhonorar wollte man sich in Limburg sparen. Deshalb ist daraus nichts geworden. Es ist leider so: Das Engagement eines PR-Beraters hat eben immer Skandalisiserungspotenzial.

mm: Welche Reaktion auf die Vorwürfe hatten Sie dem Bischof denn geraten? Aktuell scheint niemand mehr die Hand für Tebartz-van Elst heben zu wollen.

Mansfeld: Ich hatte ihm die völlige Offenbarung der Umstände, der Kosten, der Fehler und der persönlichen Befindlichkeit geraten. Und nein, für ihn hebt kaum noch jemand die Hand. Mittlerweile hat sich die angebliche Auseinandersetzung über die unterstellte Verschwendungssucht des Bischofs zu einer Hysterie entwickelt.

mm: Was empfinden Sie als hysterisch an der Debatte? Dass sich ein Bischof im Jahr 2013 aus Sicht seiner Kritiker wie ein Kirchenfürst im Mittelalter verhält - und Millionen aus Kirchensteuern in Prestigebauten steckt?

Mansfeld: Verlogen an der Debatte ist beispielsweise, von wem sie getragen wird. Denn die vermeintliche Debatte wurde nicht zuletzt von jenen befeuert, die lange Teil des bischöflichen Wesens in Limburg waren. Und nun durch laute Anklage gegen Bischof Tebartz-van Elst, durch die Forderung nach brutalstmöglicher Aufklärung, ihre eigene Haut retten wollen.

mm: Sie spielen darauf an, dass die Initiative zum Umbau des Limburger Dombergs gar nicht von Tebartz-van Elst kam? Sondern von Limburgs Domkapitel - und das auch noch vor dem Amtsantritt von Tebartz-van Elst im Jahr 2007?

Mansfeld: Beispielsweise. Das aber ist nur eine Facette, nur ein Detail der Geschichte, die von den Kritikern des Bischofs öffentlich meist ausgespart wird.

mm: Müssen die Kritiker von Tebartz-van Elst denn alle Fakten auf den Tisch bringen, oder ist das die Aufgabe des Bischofs selbst?

Mansfeld: Bischof Tebartz-van Elst hat zu spät reagiert. Er hat nicht bemerkt, wie seine Kritiker die Grundsteinlegung für den Bau des "Diözesanen Zentrums Sankt Nikolaus" im Mai 2010 langsam als geeigneten Vorwand aufnahmen, gegen den als konservativ empfundenen Tebartz-van Elst selbst vorzugehen - insbesondere jene, die Petrus' Kirche schon immer nicht mochten.

mm: Herr Mansfeld, Sie erzählen uns jetzt aber nicht, Bischof Tebartz-van Elst sei Opfer einer Verschwörung geworden?

Mansfeld: Nein, aber Opfer einer unangemessenen Debattenführung. Einer negativen Stimmungsmache, die Tebartz-van Elst nicht rechtzeitig bemerkt hat. Der Ausgangspunkt dafür war womöglich die Entscheidung des Bischofs im Jahr 2008, den Wetzlarer Pfarrer Peter Kollas von seinem Amt als Bezirksdekan zu entlassen - nachdem Pfarrer Kollas ein homosexuelles Paar gesegnet hatte.

mm: Auch die aktuelle Debatte über den Limburger Bischof ist eine über die Angemessenheit seines Verhaltens. Und da tauchen plötzlich Berichte auf über einen Erste-Klasse-Luxusflug des Bischofs und seines Generalvikars nach Indien. Eine Flugbuchung, die Tebartz-van Elst gegenüber dem "SPIEGEL" sogar erst gerichtlich leugnet - um dann doch einzuknicken. So sieht die von Ihnen geforderte angemessene Debattenführung sicher nicht aus, oder?

Mansfeld: Am Anfang stand eine Ungeschicklichkeit, die er versucht hat mit Hilfe von Rechtsanwälten aus der Welt zu schaffen. Doch das Insistieren seiner Rechtsanwälte hat die ganze Sache erst richtig ins Rollen gebracht. Das war ein großer Fehler, ganz klar. Und der nächste war: Tebartz hat überdies nicht bemerkt, dass im Jahr 2012, als diese Flüge nach Indien öffentlich wurden, die Kritik daran insbesondere von denen getragen wurden, die als besonders fromm und katholisch gelten möchten. Und eine eigene Auffassung von der rechten katholischen Lebensführung haben. Das ist Teil der negativen Stimmungsmache, die ich meine.

mm: Viele Menschen werden wahrscheinlich finden, dass es in der Tat nicht zu frommer Lebensführung passt, mit einem Erste-Klasse-Ticket in ein Dritte-Welt-Land zu fliegen und zugleich in Limburg ein Diözesanzentrum für 31 Millionen Euro zu errichten. Um diese Abneigung auszulösen braucht es doch keine negative Stimmungsmache, oder?

Mansfeld: Das Gefühl wird von jenen geschickt negativ verstärkt, die lange selbst Teil des Systems waren und jetzt durch den lauten Ruf der Anklage, durch den nach der "brutalstmöglichen Aufklärung" des angeblichen Bau- und letztlich Geldverschwendungsskandals, ihre eigene Haut retten wollen.

Problematischer Umgang mit den Fakten

mm: Sie meinen, dass Tebartz-van Elst nicht alleine für den "Palazzo Protzo" verantwortlich ist, wie der Bau schon vom Boulevard verhöhnt wird?

Mansfeld: Es ist völlig unglaubwürdig, dass der Bischof bei einem so großen Bauprojekt der einzige ist, der von der Entwicklung der Gesamtkosten gewusst hat. Meiner Meinung nach waren viele in seinem Umfeld informiert, die aber eben auch von den hohen Kosten, beziehungsweise mit den damit verbundenen Auftragsvergaben profitiert haben. Die eigentliche Problematik des Bischofs ist sein Umgang mit den Fakten dieses Projekts.

mm: Das werfen ihm allerdings auch seine Kritiker vor. Denn erst am 14.9.2013 - und damit genau eine Woche, nachdem der Papst den Kurienkardinal Giovanni Lajolo als Aufseher nach Limburg geschickt hatte - entschließt sich der Bischof und die dortige Kirchenführung zu mehr Transparenz: Eine Sonderkommission der Deutschen Bischofskonferenz soll nun die Kosten des neuen Diözesanzentrums und des bischöflichen Hauses überprüfen.

Mansfeld: Die Baukosten alleine wären nicht das Problem gewesen, hätte man sie von Anfang an ausreichend thematisiert. In Stuttgart beispielsweise wurde gerade das dortige bischöfliche Palais für 40 Millionen Euro renoviert - das ist also mehr ins Geld gegangen als Tebartz-van Elts Gebäudekomplex in Limburg. Und doch gilt der Stuttgarter Bischofsbau offenbar als gelungen. Das liegt wahrscheinlich an der öffentlichen Darstellung der Bautätigkeit in Stuttgart, der Umgang mit der Kommunikation für diesen Bau.

mm: Was haben die Schwaben denn besser gemacht?

Mansfeld: Wer Teile eines Kirchenensembles umbaut, der baut für die halbe Ewigkeit. Das ist teuer. Es wäre für das Limburger Domkapitel viel besser gewesen, von Anfang an zu kommunizieren, dass man deshalb auch in Verantwortung gegenüber dieser historischen Bausubstanz umbauen muss. Und dass das ins Geld gehen kann. Ohne diese öffentlichkeitswirksame Positionierung hätten die Limburger den kirchlichen Bau besser gar nicht erst ins Auge gefasst .

mm: Mit Verlaub, auch der Hinweis auf die bauhistorisch schwierigen Bauarbeiten hätte doch die jetzige öffentliche Wahrnehmung nicht korrigieren können. Denn die erregt sich über empfundene Ungereimtheiten bei diesem Vorhaben. Und zwar solche, die nur auf Druck publik werden: Kurz bevor beispielsweise der Prüfbericht der Sonderkommission über das Bauwerk vorliegt, gestehen das Limburger Bistum plötzlich eine Kostenexplosion von ursprünglich 5,5 Millionen auf 31 Millionen Euro für den Diözesanbau.

Mansfeld: Wer von vornherein sagt, dass der Bau sehr viel teurer werden kann, darüber hinaus die Kosten für weitere Bauabschnitte regelmäßig mitteilt und mit den Gläubigen darüber diskutiert, bietet wenig Angriffsfläche für negative Stimmungsmache.

mm: Das mit der negativen Stimmungsmache gegen Tebartz-van Elst meinen Sie ernst, oder?

Mansfeld: Eines der hiesigen Leitmedien, der SPIEGEL, war mittels SPIEGEL-TV ganz vorne dabei. Die Berichterstattung war von vornherein auf Krawall gebügelt, später heuchlerisch.

mm: Haben Sie Beispiele dafür?

Mansfeld: Die Kirche hat große strukturelle Probleme. Die an einer einzelnen Person festzumachen, halte ich für unfair. Und insbesondere in der SPIEGEL-TV-Berichterstattung fand sich meiner Meinung nach die Attitüde derjenigen, die ohnehin Ressentiments gegenüber der katholischen Kirche haben.

mm: Ist das heuchlerisch?

Mansfeld: Heuchlerisch ist SPIEGEL-TV deshalb vorgegangen, weil die Filmemacher diesen frömmlerischen Kritikern des Bischofs nur ganz eigennützig die Gelegenheit gegeben haben, sich gegenüber dem Bischof zu profilieren - als Gegenleistung für TV-taugliche, kritische O-Töne.

mm: Mussten die Rechercheure von SPIEGEL-TV denn wirklich krampfhaft nach voreingenommenen Kritikern des Bischofs für ihre Berichte suchen? Mittlerweile fordert doch der Hofheimer Kreis, eine Vereinigung von rund 20 Priestern, sowie Priesterrats-Chef Reinhold Kalteier ganz öffentlich den Rücktritt des Bischofs. Und zugleich berichtet das Amtsgericht Limburg von einem sprunghaften Anstieg der Kirchenaustritte.

Mansfeld: Es gibt immer auch einen Punkt an dem keine Verteidigung mehr möglich ist, und der Zeitpunkt ist jetzt erreicht. Für den Bischof ist es vorbei - ohne dass es eine Klärung der Vorwürfe in der Sache gegeben hat.

Bischof auf Rom-Reise in eigener Sache

mm: Sie rechnen mit dem Rücktritt des Bischofs?

Mansfeld: Auch Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ist vergangene Woche auf Distanz zu seinem Limburger Amtsbruder gegangen….

mm: … übrigens in Umkehrung seiner "kollegialen Solidarität" die er Tebartz-van Elst noch am 27.9.2013 öffentlich übermittelt hatte - wenige Tage, nachdem der die Finanzprüfung des Diözesanbaus in Limburg einleitete….

Mansfeld: Richtig. Darüber hinaus ist Tebartz-van Elst am vergangenen Wochenende kurzfristig nach Rom geflogen. Ich glaube nicht, dass er als Bischof nach Limburg zurückkehren wird.

mm: Wissen Sie, ob Tebartz-van Elst für diesen Flug wieder ein Erste-Klasse-Ticket gebucht hat?

Mansfeld: Nein, hat er aber offenbar nicht. Denn wenn es so wäre, wären wir dank SPIEGEL-TV schon beim Einchecken live dabei gewesen.

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